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Kampfstoff und Stress zur EM 2016

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GERMAN FOOTBALL PLAYER
Alexander Hassenstein via Getty Images
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Ich werde immer wieder gefragt, wie ein Fußballtrainer seine Mannschaft auf den Sieg heiß macht?

Da frage ich mich manchmal, ob ein Fußballtrainer überhaupt weiß, was genau in den Gehirnen seiner Jungs vorgeht. Wie kriege ich die Jungs so richtig heiß auf den Sieg? Der Trainer, oder noch besser sein Mentaltrainer Assistent, muss den Spielern, unmittelbar vor dem Spiel, die richtige Konditionierung in die Köpfe hauen, damit der Spieler rechtzeitig ganz besondere Hormone ausschüttet.

Über ein spezielles Anspannungs- und Entspannungstraining für Sportler zeigt er seinem Team, wie sie sich für ihren Einsatz vorbereiten. Für den Kampf, das Spiel oder für eine Ausnahmesituation wie diese EM 2016, benötigt jeder Spieler das Stresshormon Cortisol und den Kampfstoff Oxitocin, sowie Dopamin.

Jetzt geht der Körper der Jungs in die Hab-acht-Stellung. Dieses Stresssystem macht den Spieler erfolgreich, wenn es richtig dosiert wird. Viele Hirnbereiche sind daran beteiligt und die Erregung kommt in Wallung. Cortisol wird in der Nebennierenrinde gebildet. Der Körper stellt sich auf die Anspannung ein.

Ein Hormoncocktail von Adrenalin und Noradrenalin wird aktiviert.

Dieser ist zuständig für den Kreislauf und die Atmung. Glukose liefert die nötige Energie. Das Stresssystem versetzt Körper und Geist in einen hellwachen Zustand. Der Botenstoff Dopamin dämpft die Belastung und unterdrückt den Schmerz und ist zuständig für die Kontrolle von Bewegung und Motorik.

Jetzt erwecken wir Trainer in den Sportlern eine neue Kraft. Eine außergewöhnliche Situation wie ein Turnier ruft im Körper ein altes Programm im Gehirn hervor. In kurzer Zeit werden Botenstoffe ausgeschüttet, wie Adrenalin und Domamin, die den Körper und Geist der Spieler in Alarmbereitschaft versetzen und alle Reserven mobilisieren.

Selbst ein Wadenkrampf vor dem Elfmeterschiessen kann dadurch für kurze Zeit ausgeblendet werden. Strukturen im Mittelhirn werden aktiviert. Erwartung, Hoffnung, Einstellung und Glaube auf den Sieg peitschen die Spieler zum Sieg. Das beweisen die späten Tore bei dieser EM. Kräfte werden mobilisiert. Starke emotionale Vorstellungen bringen verlorene Energien zurück, motivieren und aktivieren Zentren, die für den Willen zuständig sind.

Aus unserer Forschung ist bekannt, dass die Mannschaft eine starke Bindung zueinander aufbaut, um als Bollwerk gegen den Gegner und deren Fans zu wirken. Dieses Bindungshormon kennen wir von der Mutter zu ihrem Baby und nennt man Oxitocin. Sehr viel Bindung während eines Spiels haben aber auch die Fans zu ihrer Mannschaft. Deswegen weinen Fans, wenn ihre Mannschaft verliert und jubeln, wenn sie gewinnt.

Jetzt wundern wir uns, warum dieses Hormon nun weiterhilft? Oxitocin in erhöhter Form wandelt sich zu einem Kampfstoff um, der einen ohnehin aggressiven Menschen noch aggressiver machen lässt. Das erklärt leider auch die unschönen Szenen auf den Zuschauertribünen. Kann aber richtig dosiert als „zwölfter Mann" oft spielentscheidend sein.

Später nach dem Spiel, beim Auslaufen der Spieler auf dem Spielfeld, fährt der Kampfstoff durch die Bewegung wieder runter in den Normalbereich und das Gleichgewicht wird wieder hergestellt. Serotonin wird dabei ausgeschüttet und hebt die Stimmung.

Gelten diese Hormone auch für andere Bereiche? Ja sicher. Bei einem eventuellen Burnout fährt das Cortisol leider nicht in den Normalzustand herunter und der Motor läuft heiß. Wenn dieser Erregungszustand nicht aufhört, brauche ich Hilfe, z.B. einen Arzt, Therapeuten, Medikamente oder einen Coach.

Geeignete Trainings, nötige Entscheidungen, Bewegung und die Umstellung der Lebensgewohnheiten helfen hier wirklich weiter, um aus der negativen Spirale wieder herauszukommen.

Positiver Stress inspiriert, regt uns an und fördert uns. Man schläft besser, ist ausgeglichener und fühlt sich lange vital. Positiver Stress fährt unser Hormonsystem kurzfristig hoch, dann kommt vom Gehirn das Signal, das Spiel oder der Kampf ist vorbei und das Hormonsystem fährt sich wieder runter. Diesen Idealzustand gilt es wieder herbeizuholen und beizubehalten und Burnout hat keine Chance mehr.

www.FrankWilde.de

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