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Was bestimmt die Qualität bei Patienten bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts?

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Jeder dritte Deutsche hat ab und zu Probleme mit der Verdauung, zehn Prozent der Deutschen sogar täglich. Darmkrebs oder Morbus Crohn sind schwere Erkrankungen. In Deutschland leiden etwa 320.000 Menschen an einem Morbus Crohn. Jedes Jahr erkranken etwa 4.500 Menschen in Deutschland neu an der Erkrankung.

Und Darmkrebs ist hierzulande nach Brust- und Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung. Allein im Jahr 2014 sind etwa 35.500 Männer und 28.400 Frauen erstmals an Dickdarmkrebs - dem weitaus häufigsten Darmkrebs - erkrankt.

Diese Zahlen sind bekannt, doch wie steht es bei diesen Erkrankungen um das Patientenwohl? Dieser Frage ging anlässlich eines Hauptstadtgespräches die Gastro-Liga e.V. und die Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten nach.

Was bestimmt Qualität bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts aus Patientensicht?
Die beiden beteiligten Fachgesellschaften, Gastro-Liga und DGVS formulierten aus dem Ergebnis heraus Forderungen an die Politik, die mit zahlreichen Gesundheitspolitikern an der Veranstaltung teilnahm.

Die Diskussion um Qualität im Gesundheitswesen hat zum Ziel, ein optimales Behandlungsergebnisses zu ermöglichen.

Dazu wurden in der Vergangenheit eine Reihe von „harten" Qualitätsmerkmalen - gegliedert in Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualitätsmerkmalen - definiert, deren Erfüllung als Maß einer guten Behandlungsqualität gilt.

Solche Kriterien berücksichtigen in unzureichender Weise „weiche", an der Lebensqualität von Patienten definierte Faktoren. Diese werden im Hauptstadtgespräch der Gastro-Liga (Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung e.V.) in Zusammenarbeit mit der DGVS (Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen) von Patienten mit Dickdarmkrebs bzw. mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen im Dialog mit ausgewiesenen ärztlichen Experten für die Behandlung dieser Erkrankungen erläutert.

Schnelle Symptomkontrolle
"Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen brauchen unter anderem eine rasche und nachhaltige Symptomkontrolle, die ein normales Leben ohne wesentliche Fremdbestimmung durch die Erkrankung ermöglicht und die Leistungsfähigkeit in beruflicher und privater Hinsicht, wie die volle Arbeitsfähigkeit, geringe Fehlzeiten, keine Berentung, mögliche Familienplanung erhält", erläutert der Vorsitzende der Gastro-Liga Professor Tilmann Sauerbruch.

Angestrebt werden, trotz der häufig chronischen Verläufe, eine Heilung oder zumindest lange krankheitsfreiere Perioden. Patienten mit Darmkrebs möchten möglichst rasch geheilt werden bei minimaler Beeinträchtigung durch die Behandlung.
Patientenzentrierte Kriterien der Behandlung müssen beachtet werden. Sie wurden von der Joint Commission on Accreditation of Healthcare Organizations (JCAHO) veröffentlicht, u.a.:
Zugänglichkeit der Behandlung, Angemessenheit der Behandlung, Koordination der Behandlung, Wirksamkeit der Behandlung

Zudem gehören zu den Qualitätskriterien beispielsweise die Patientenorientierung der Behandlung: Ärzte sollen und müssen ausreichend Zeit investieren können, um ihren Patienten zuzuhören und um ihre Patienten besser und individueller zu beraten. Ärzte sollen laienverständlich reden und nicht ihre eigene Wissenschaftssprache benutzen. Ärzte sollen ihre Patienten „auf Augenhöhe" in Behandlungsentscheidungen einbeziehen („shared decision").

"Wir fordern die politisch Verantwortlichen dazu auf, bei der Gesetzgebung zur Implementierung von Qualitätskriterien in das Gesundheitswesen darauf zu achten, dass patientenorientierte Kriterien, wie z.B. die individuelle Lebensqualität, eine ausreichende Berücksichtigung finden", so Prof. Dr. Med. Christian Trautwein von der DGVS.

Insbesondere muss für komplexe und lange Krankheitsverläufe eine auf das einzelne Patientenschicksal bezogene Behandlung möglich sein, ohne dass die Versorgungsqualität leidet. Fehlanreize, die vom Patientenwohl wegführen, müssen vermieden werden.

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