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Warum Unternehmergeist in der Schule gefragt ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
UNTERNEHMERTUM
Frank Tetzel
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Seit Jahrzehnten zieht sich die Frage nach der wirtschaftlichen Bildung von Schülern nicht nur durch die Diskussionen von Fachverbänden, sondern auch durch politische Debatten.

Immer wieder klagen Unternehmerverbände und Politiker über den Mangel an ökonomischer Kompetenz bei deutschen Jugendlichen. Auch laut einer GFK-Studie wird in den Schulen zu wenig wirtschaftliche Bildung vermittelt.

Viele europäische Länder, insbesondere Dänemark, aber auch Großbritannien und Frankreich liegen hier im europäischen Vergleich auf den vorderen Plätzen, während Deutschland weit abgeschlagen im hinteren Drittel rangiert.

Kritiker wollen Käseglocke

Von Kritikern wird die wirtschaftliche und unternehmerische Bildung für Teufelszeug gehalten, ja es gibt in einzelnen deutschen Kultusministerien und Pädagogenverbänden Bestrebungen, das Thema ganz zu begraben, da Schule zu Neutralität verpflichtet sei. Das gipfelt dann in der These, zu der sich jüngst ein Behördenmitarbeiter verstieg, dass man lieber vom Abgasskandal bei den Dieselmotoren sprechen solle, als vom Volkswagen-Skandal - nicht um das Wolfsburger Unternehmen zu schützen, sondern vor allem, um die Neutralität in den Schulen zu wahren.

Für lebensfremd hält dies Professor Wolf-Dieter Hasenclever vom Network for Teaching Entrepreneurship (NFTE Deutschland e.V.). Dieser gemeinnützige Verein setzt sich für die Förderung von Kreativität, Unternehmergeist, Eigenständigkeit und Selbstvertrauen bei Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren ein - „gepaart mit der Vermittlung von Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge". Das Network, das seine Ursprünge in den USA hat, bietet interessierten Lehrerinnen und Lehrern Fortbildungen in Entrepreneurship Education an und bietet Schulen Unterrichtsmaterialien. Nachhaltigkeit und Unternehmergeist stehen dabei im Vordergrund. „Dabei spielt es keine Rolle", so Hasenclever, „ob die Schüler später Unternehmer werden oder in einem Betrieb arbeiten, wichtig ist das unternehmerische, verantwortliche Denken und Handeln, das wir damit vermitteln wollen."

Bundesministerium sieht Nachholbedarf

Hasenclever und sein NFTE werden dabei von Aussagen des Bundeswirtschaftsministeriums gestützt. Dieses führt in einer seiner Publikationen aus, dass in keiner Lebensphase die Einstellung zu Wirtschaft und Unternehmertum so stark geprägt wird wie in der Jugend. Die Erfahrungen Jugendlicher mit unternehmerischem Denken und Handeln hätten einen starken Einfluss auf ihre Entwicklung: In der Altersstufe 15-19 Jahre könnten sich schon in der Schule unternehmerische Kompetenzen herausbilden. Und weiter konstatiert das Ministerium: „Die gründungsbezogene Ausbildung in Deutschland ist im internationalen Vergleich eine Schwachstelle."

Train the Trainer-Programme

NFTE ist in erster Linie in der Ausbildung von Lehrern aktiv. „Train the Trainer" ist das beste Konzept, um eine möglichst weite Verbreitung und Implementierung des unternehmerischen Gedankens bei den Schülern zu erreichen.

Inzwischen hat der Verein über 1.600 Lehrerinnen und Lehrer zertifiziert (CETs) und damit mehr als 22.000 Schüler bundesweit erreichen können. Rund 620 Schulen in 14 Bundesländern machen mit. Wolf-Dieter Hasenclever hofft in der kommenden Zeit auch die letzten weißen Flecken von der Landkarte zu bekommen.

Dogmatische Diskussion - pragmatische Lösungen

Bildungsdiskussionen, so Hasenclever, würden in Deutschland leider immer sehr dogmatisch geführt, dabei sei eine pragmatische Sicht angesagt. Schulen seien für die Herausforderungen etwa durch die Digitalisierung bislang nicht ausreichend vorbereitet. „Uns geht es nicht etwa darum, irgendwelche Firmen in den Schulen zu verankern, sondern unternehmerisches, nachhaltiges Denken. Das ist für Jugendliche die beste Versicherung für die Zukunft. Entrepreneurship ist inzwischen ja nicht nur bei Selbständigen und Firmenchefs gefragt, sondern auch im mittleren Management." Damit weist Hasenclever Kritiker in die Schranken, die dem Verein zu große Sponsorennähe vorwerfen.

„Es geht an der Lebenswirklichkeit vorbei, Schule als wirtschaftsfreien Raum betrachten zu wollen. Dann dürften in den Pausenhallen nicht einmal Müsliriegel verkauft werden, da diese Markenprodukte sind."

Hasenclever weist in diesem Zusammenhang auf die ergänzenden Lehrmaterialien von NFTE Deutschland hin, die sich mit sozialem Wirtschaften (Social Entrepreneurship) und ökologischer Nachhaltigkeit beschäftigen. An Fallbeispielen werden Geschichten und Best Practice Beispiele von überwiegend kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie von Einzelpersonen mit starkem Unternehmergeist erzählt und schülergerecht aufgearbeitet.

Nachhaltigkeit ist wichtig

Die Unternehmer sind meist moderne Erfinder, haben häufig ihr Unternehmen gegen den Strom und gegen viele Widerstände erfolgreich gemacht. „Es geht bei uns keineswegs um eine stromlinienförmige Anerkennung von Wirtschaft, sondern vielmehr um die kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit bestehenden gesellschaftsprägenden Strukturen wie zum Beispiel einer rein auf Wirtschaftswachstum ausgerichteten Ökonomie", erläutert Hasenclever.

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