BLOG

Was man gegen die Pappbecherflut machen kann

05/03/2017 10:51 CET | Aktualisiert 05/03/2017 10:51 CET

2017-02-23-1487840533-6367727-coffeemugs1091232_6401.jpg

Kaffee,Tee, heiße Schokolade: Inzwischen gibt es fast kein Getränk mehr, das nicht „to go" genossen wird. In unserer schnelllebigen Zeit ist die Muße für den ruhigen Genuss eines Kaffees häufig nicht mehr gegeben, vielmehr wird er schnell zwischen Smartphone-Check und Whatsapp-Versand auf Strassen, Plätzen, in Bussen und Bahnen heruntergekippt.

Ausgeschenkt werden die Heissgetränke, aber auch kalte Cola und andere Softdrinks, überwiegend in Papp-Einwegbechern.

Allein in Berlin fallen so nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe rund 460.000 Pappbecher an − und das jeden Tag. Hochgerechnet sind dies 170 Millionen Einwegbecher jährlich. Bundesweit werfen die Deutschen somit pro Jahr rund drei Milliarden Pappbecher in den Müll. Kein Wunder also, dass Mülleimer schnell überlastet sind und öffentliche Flächen in der Flut der weggeworfenen Kaffeebecher versinken. Zudem, so rechnet die Deutsche Umwelthilfe vor, werde für die Produktion eines einzigen Pappbechers mehr als ein halber Liter Wasser verbraucht.

Berlin will umsteuern

In der deutschen Hauptstadt mit seinen unzähligen Coffeeshops und anderen to-go-Läden hat man dieses Problem erkannt: Der neue rot-rot-grüne Senat möchte die Becher-Flut stoppen. Im Koalitionsvertrag haben die Parteien, die den Berliner Senat bilden, nun den Pappbechern den Kampf angesagt und man will unter dem Begriff des „Zero Waste" ein Mehrwegsystem einführen.

Wie dieses aussehen kann, ist derzeit nur in schemenhaften Umrissen erkennbar. Die Vorstellungen der Parteien sind sehr unterschiedlich. Während sich die einen ein Mehrwegsystem vorstellen, entsprechend dem System der Mehrwegflaschen, bei dem die Kunden ihre Becher überall erhalten und zurückgeben können, stellen sich die anderen ein Rabattsystem vor, bei dem derjenige, der seinen eigenen Becher mitbringt, das Heißgetränk günstiger bekommt.

Anbieter gibt es schon

Wichtig zu wissen: Schon jetzt gibt es genügend Alternativen zu Pappbechern, so dass dem Ausbau eines Mehrwegsystems nichts entgegensteht. So gibt es Anbieter, die Becheralternativen aus unterschiedlichen Rohstoffen und Quellen offerieren, zum Beispiel aus Bambus-Material, das sowohl robust als auch spülmaschinenfest ist.

Hier hat der Berliner Clemens Pech zusammen mit Ulrike Gottschau Hunderte von Bechern für ein Pilotprojekt bei fünfzehn Berliner Cafés in Umlauf gebracht und auf eigene Kosten ein Pfandsystem entwickelt. Im November letzten Jahres wurde es erfolgreich abgeschlossen. Die Deutsche Umwelthilfe hielt diese Initiative deshalb auch für preiswürdig.

Thomas Fischer, Leiter für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe, betont, dass Poolsysteme für Mehrwegbecher hervorragend funktionieren. Wenn Verbraucher die Möglichkeit haben, ihren bepfandeten Mehrwegbecher nach der Nutzung in anderen Cafés schnell wieder abzugeben, dann ist das besonders verbraucherfreundlich und stärkt die Akzeptanz.

Bei Mehrwegbechern hält Fischer hält die Einführung einer Abgabe von 20 Cent auf Einwegbecher für dringend geboten, damit der Trend zu immer mehr Müll wieder umgekehrt werden kann.

Dabei sind die beiden Berliner nicht die einzigen, die sich mit dem Thema Mehrwegbecher auseinandersetzen. So hat beispielsweise das aus Ostwestfalen-Lippe stammende Unternehmen Ornamin einen extrem stabilen Mehrwegbecher aus Kunststoff entwickelt. Dabei reicht die Produktpalette von konventionellen über Biokunststoffe bis hin zu hundertprozentigen Recycling-Produkten.

„Aus der Überlegung heraus, wie man den Kaffeegenuss unterwegs beibehalten kann, ohne die Umwelt zu belasten, haben wir unseren Coffee to go-Becher entwickelt. Durch die Nutzung eines Mehrwegbechers kann jeder Deutsche pro Jahr 34 Einwegbecher einsparen. Zudem werden durch die Wiederbefüllbarkeit eines Mehrwegbechers im Vergleich zur Neuherstellung eines Einwegbechers 430 ml Wasser, 0,1 kWh und 21 g CO2 eingespart.

Pappbecher nach 15 Minute in den Müll

Die Einwegvariante wandert hingegen nach durchschnittlich 15 Minuten Nutzung im Mülleimer", erläutert Alica Hackemeier, Produktmanagerin bei Ornamin. Sollte sich der Senat zu einem Mehrwegsystem durchringen, dann sollten sich die Verantwortlichen aus den Ressorts Vorbildprojekte, z. B. beim Studentenwerk im Saarland und den Studierendenwerken in Aachen und Trier anschauen, wo man erfolgreich von Einwegpappbechern auf Mehrweg umgestiegen ist, um der Vermüllung des Campus Herr zu werden.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino