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Der Kampf um Standorte: Kaufhäusern setzt Digitalisierung zu

Veröffentlicht: Aktualisiert:
RENE BENKO
Thomas Lohnes via Getty Images
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Der Onlinehandel setzt dem klassischen Einzelhandel gehörig zu. Einer neuesten Umfrage zu Folge kauft fast jeder zweite Deutsche einmal monatlich Produkte über das Smartphone ein.

Doch auch das gehört zur Wahrheit: Eine Mehrheit der verbraucher kauft zumindest einmal wöchentlich im stationären Geschäft ein und dies in den meisten Produktkategorien. Hier
legen die Käufer insbesondere Wert auf geschultes Personal und eine hohe Beratungskompetenz.

Dies ist der Hintergrund vor dem in Deutschland der Kampf um Standorte und Ladenflächen geführt wird. Einer der Player, der Karstadt Eigentümer und österreichische Milliardär René Benko. Schon mehrfach hat er sein Interesse auf den Mitbewerber Kaufhof geworfen und würde beide Unternehmen gern in einer Deutschen Warenhaus AG fusionieren. Nun scheint seine Signa Holding sich den Kaufhof sichern zu wollen. Insider berichten, das derzeit eine Hintergrundkampagne gegen Kaufhof laufen würde, um das Unternehmen sturmreif zu schießen. Immer wieder würden Zahlen durchgestochen und an die Presse lanciert, die so nicht stimmten.

Die Verunsicherung ist groß, Gesprächspartner wollen in dieser Causa meistens nicht genannt werden, weil das Rad, das im Hintergrund gedreht wird, groß ist.

Kaufhäuser nach wie vor als Magneten
Kaufhäuser wie Kaufhof und Karstadt gelten im Einzelhandel, aber auch im städtischen Stadtplanung, nach wie vor als wichtige Anker und Magneten für das innerstädtische Leben.

Umso schwerer wiegt es für die Innenstädte und Stadtteilzentren, wenn attraktive Einzelhandelseinrichtungen wegfallen.

Mit der angestrebten Übernahme von Kaufhof, die die Signa Holding derzeit ins Auge fasst, werden in einer Deutschen Warenhaus AG Synergien angestrebt, die sowohl zu Lasten der Standorte als auch zu Lasten der Beschäftigten gehen werden. Davon sind unisono die Verantwortlichen in den Städten, als auch die Gewerkschaften überzeugt. Beide schauen auf die Arbeitsplätze, die durch den Zusammenschluss wegfallen könnten. Zudem gilt Karstadt, gerade aus der eigenen Krise gekommen, als auch die Signa Holding mit René Benko bei vielen nicht als der ideale Partner.

Über die Aushandlung des Sanierungstarifvertrages bei Karstadt weiss man bei den Gewerkschaften Bände zu füllen, bei einer Kaufhof Übernahme würde es noch einmal doppelt schwierig werden, hört man von Gewerkschaftsseite.

Kein Interesse am Handel
Zudem bezweifeln Handelsexperten Benkos redliche Absichten. Sie betrachten Benkos Interesse mittel- und langfristig lediglich an der Immobilie - und hier ist Lage, Lage, Lage das nach wie vor Entscheidende. Kaufhäuser liegen in den 1a Lagen der Innenstädte und eine gemischte Nutzung aus Büros, Luxus-Wohnen, Hotels oder Boarding-Houses bringt an diesen Standorten erheblich mehr Rendite, als das Vorhalten reiner Verkaufsflächen.

Deshalb befürchten Handelsexperten, dass genau dieses Szenario bei Benkos Idee der Deutscher Warenhaus AG mit im Kalkül ist. Stadtplaner und -verwaltungen sind ebenfalls alarmiert, denn am Ende führe dies zu einer weiteren Verödung von Innenstädten, die dann nur noch aus Handyshops und schnell drehenden Textilgeschäften und Systemgastronomie bestehen werden.

Immobilienveredelung macht den Deal interessant
Doch nur vor diesem Hintergrund der mittelfristigen Immobilienveredelung- und verwertung würde der Zugriff auf Kaufhof für Benko Sinn machen. Experten bezweifeln jedoch, dass Benko den mehr als drei Milliarden starken Deal stemmen kann. Außerdem halten sie es für fraglich wie Benko den mehr als drei Milliarden Euro teuren Deal wird finanzieren können. Denn anders als bei Karstadt sind mehr als die Hälfte der Immobilien im Besitz des Unternehmens.

Schillernder Milliardär
Schon jetzt wirkt Benko eher als getriebener und schlechter Verlierer. Die Finanzierungsstrategie des Milliardärs aus Österreich, sich das Geld durch bekannte und reiche Geldgeber zu sichern, funktioniert nur dann, wenn das Räderwerk in Benkos Signaholding still und ruhig vor sich hinläuft. Doch immer wieder sind es auch politische Skandale, in die der Selfmade-Milliardär hineingezogen oder beteiligt ist. Das war wohl auch der Grund, dass beispielsweise im Frühjahr dieses Jahres der ehemalige Wendelin Wiedeking, Ex-Porsche Chef, seine Ämter bei dem Karstadt-Eigentümer Signa niedergeleg hat. Medienberichten zufolge gab es zunehmende Differenzen zwischen Wiedeking und Signa-Chef Rene Benko. Wiedeking, hat nicht nur die Ämter bei Signa niedergelegt, sondern auch sein Investment aus der Signa Prime abgezogen. "Wiedeking soll sich immer öfter über eine unklare Strategie und mangelnde Transparenz der Entscheidungsprozesse bei Signa beklagt haben", schrieb das Managermagazin dazu. Übrigens war der Einstieg Wiedekinds bei Signa im Jahre 2011 mit der Hoffnung verbunden, dass der umtriebige Ex-Automanager die Türen f bei Kaufhof öffnen könnte. Er brachte Benko mit dem ehemaligen Daimler-Manager und damaligen Metro-Chef Eckhard Cordes zusammen. Aus dem Deal wurde bekanntlich nichts.

Benko hat die Übernahmen des Kaufhof offensichtlich noch nicht aufgegeben. Jemand aus dem Umfeld des österreichischen Milliardärs lässt sogar verlauten, eine Investmentbank sei inzwischen beauftragt. Zudem scheinen sich einige Medien auf die Kaufhauskette einzuschießen, was Benko gefallen könnte, weil dies den Preis drückt.

HBC besser finanziert
Doch gegen das Schlechtreden und schlecht Schreiben sprechen eine ganze Reihe von Gründen. Zum einen steht die Kaufhof Mutter HBC nicht so schlecht da, wie es die gegen Kaufhof losgetretenen Kampagne Glauben machen will. Die meisten Immobilien sind konzerneigen und müssen nicht teuer im Sale- und Leasebackverfahren über das Retailgeschäft finanziert werden. Immobilieneigentum wie das Saks Fifth Avenue Building in New York City oder hochwertige 1a Immobilie in Beverly Hills, Montreal oder Toronto machen Hudson Bay zu einem starken Player.

Fachleute vermuten eher, dass Kaufhof der letzte Rettungsanker für Karstadt ist, „Benko will Kaufhof kaufen um Karstadt zu retten", sagt dann auch ein Handelsexperte. Karstadt habe nicht die Größe um eine Einkaufsmacht gegenüber den Herstellern darzustellen. Nur mit Kaufhof zusammen könnte er gegen die geballte Macht der wichtigsten Lieferanten durchkommen. Berechnungen von Fachleuten hätten ergeben, dass dies etwa ein Drittel mehr an Preisnachlässen mehr als bislang ergäbe.

Aus der ersten Übernahmeschlacht um Kaufhof ist übrigens überliefert, dass Benko auch deshalb nicht den Zuschlag bekommen habe, weil damals ein Ermittlungsverfahren gegen den Immobilientycoon in Österreich gelaufen ist. Der damalige Metro-Aufsichtsratschef verhindert den Deal damals mit den Worten: "Mit Verbrechern machen wir keine Geschäfte."

Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren und eine rechtskräftige Verurteilung des Immobilientycoons. Am 2. November 2012 wurde Benko wegen „versuchter verbotener Intervention", man könnte auch Schmiergeldzahlungen dazu sagen, zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Richterin sah es als erwiesen an, dass Benkos Steuerberater im Auftrag von Benko den früheren kroatischen Premierminister Ivo Sanader 150.000 Euro dafür geboten hätte, ein gegen Benko in Italien anhängiges Verfahren zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Das Urteil wurde später höchstrichterlich bestätigt.

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