BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Frank Schäffler Headshot

Das Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft sinkt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ECONOMY
GA161076 via Getty Images
Drucken

Um unsere Wirtschaftsordnung, die Soziale Marktwirtschaft, ist es nicht gut bestellt. Wenn man die Bürger im Lande fragt, ob die Soziale Marktwirtschaft die Reichen reicher und die Armen ärmer macht, dann stimmen 77 Prozent der Bürger dieser Aussauge zu.

Für die Ungerechtigkeit in Deutschland machen 52 Prozent die Soziale Marktwirtschaft verantwortlich. Eine Mehrheit von 51 Prozent fordert sogar eine grundlegende Veränderung des Wirtschaftsmodells. Trotz Beschäftigungsrekorden, trotz historisch einmaligem Wohlstand in Deutschland, auch in breiten Schichten der Bevölkerung, herrscht großes Misstrauen.

Diese Einschätzungen fallen nicht vom Himmel, sondern haben einen kulturellen Hintergrund, dessen Wurzeln zu Beginn des letzten Jahrhunderts zu suchen sind, und die sich heute in breiten Bevölkerungsschichten niederschlagen. In Deutschland gibt es also seit sehr langer Zeit eine kritische, zuweilen sogar ablehnende Position gegenüber der Marktwirtschaft. Dies hat sich auch mit dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus der DDR nicht wirklich geändert.

Dass diese kritische Haltung sich durchsetzen konnte, hat viel mit der so genannten „Frankfurter Schule" zu tun, die sich um das Institut für Sozialforschung an der Universität Frankfurt gebildet hat. Max Horkheimer und Theodor Adorno waren die Ikonen dieser Schule.

Das Institut war vor der Zeit des Nationalsozialismus und erst recht in den 1950er und 60er Jahren die ideologische Kaderschmiede der Marxisten in der westlichen Welt und trug maßgeblich zur Ablehnung der Marktwirtschaft bei. Generationen von Studenten wurde weltweit davon beeinflusst, die heute an den Schaltstellen des Staates, der Parteien, Medien und Unternehmen sitzen. Der berühmte Marsch durch die Institutionen ist vollbracht. Der Kampf der Ideen scheint gewonnen.

Doch wer die Basis dieser Entwicklung, das Institut für Sozialforschung, näher betrachtet, stößt sehr schnell auf den Argentinier Felix Weil, der die finanzielle Basis gelegt hatte. Das privat finanzierte An-Institut der Universität Frankfurt wurde von seinem Geld errichtet.

Als Sohn und Erbe des Multimillionärs und Getreidehändlers Hermann Weil, hat er „sein gesamtes Vermögen in das Projekt eines interdisziplinären, marxistischen Theorien verpflichteten Instituts gesteckt", wie die Autorin Jeanette Erazo Heufelder in dem gerade erschienen Buch mit dem Titel „Der argentinische Krösus" schreibt. Nicht ohne Erfolg, wie man leider feststellen muss.

Hermann Weil hat sehr früh erkannt, dass es in einer Gesellschaft um den Kampf der Ideen geht. Auch die Idee der Sozialen Marktwirtschaft ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat ihre Wurzeln in den 1920er und 30er Jahre. Erst die Vorarbeiten von Wilhelm Röpke, Walter Eucken und anderen versetzen Ludwig Erhard nach dem 2. Weltkrieg in die Lage, durch die Freigabe der Preise und die Einführung der D-Mark, eine marktwirtschaftliche Ordnung durchzusetzen.

Ein weiteres, und besonders ermutigendes Beispiel ist das von Antony Fisher. Fisher kam als Hühnerzüchter zu Vermögen und las nach dem 2. Weltkrieg das Buch „Der Weg zur Knechtschaft" von Friedrich August von Hayek, in dem Hayek hart mit dem braunen und roten Sozialisten ins Gericht ging. Fisher ging anschließend zu Hayek und teilte ihm mit, nach der Lektüre seines Buches in die Politik gehen zu wollen, um eine ähnliche Entwicklung in Großbritannien aufzuhalten.

Hayek riet ihm jedoch davon ab und empfahl ihm, ein Institut zur Verbreitung freiheitlicher Ideen zu gründen. Diesem Rat folgend gründete Fisher und 1957 das Institute of Economic Affairs in London. Großbritannien war zu dieser Zeit ein halb-sozialistisches Land. Die Industrie war überwiegend verstaatlicht worden und die Spitzensteuersätze lagen bei über 90 Prozent.

Das Institut beeinflusste in den Folgejahren die Stimmung und trug zur marktwirtschaftlichen Erneuerung Großbritanniens in den 1980er Jahren unter Margaret Thatcher maßgeblich bei. Milton Friedman sagte später über die IEA: „Ich bezweifle, dass es ohne das IEA eine Thatcher-Revolution gegeben hätte." Die Macht der Ideen und der Wettbewerb um die Köpfe und Herzen der Menschen entscheidet über unsere Zukunft.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Berliner Prometheus-Instituts.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.