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Selbstständig und ewig gestresst? So entkommen Sie dem Hamsterrad

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Ob Anwalt, Steuerberater oder Architekt, ob Arzt, Künstler oder Journalist - Freiberufler lieben die Freiheit und ihre Arbeit. Jedenfalls ist ihre Arbeitszufriedenheit laut Studien sehr hoch. Auch über mangelnde Anerkennung können sie in der Regel nicht klagen. Und dennoch sind Selbstständige überdurchschnittlich viel gestresst.

Bedingt durch den Druck, auf dem Markt zu bestehen und die eigene Existenz zu sichern, neigen viele von ihnen zur Selbstausbeutung.

Aber nicht nur das: Oftmals geraten Freiberufler auch in die Stressfalle, obwohl es die äußeren Umstände gar nicht - oder zumindest nicht so stark - fordern würden. Kurz: Sie machen sich selbst unnötigen Stress.

Warum ist das so? Schuld sind bestimmte Glaubenssätze, die den Stress Marke Eigenbau verursachen.

Konkret: Früh gelernte Fühl- und Verhaltensmuster, die als emotionale innere Antreiber wirken: Sei stark! Beeil Dich! Streng Dich an! Sei perfekt! Sei gefällig! Diese Glaubenssätze fordern absolute Erfüllung und setzen Menschen daher enorm unter Druck. Nicht selten machen sie sogar krank.

Wem es gelingt, diese Stressmuster in den Griff zu kriegen, hat auf dem Weg zu einer besseren Work-Life-Balance daher schon mal viel gewonnen.

Stopp sagen ist eine Stärke!

Basis zur langfristigen Veränderung ist dabei die Selbstreflexion. Diejenigen etwa, die sich stets damit stressen, immer stark sein zu müssen, nie Schwächen zu zeigen, Haltung zu bewahren - und das ist gerade unter Selbstständigen weit verbreitet - müssen dringend an ihrer Einstellung arbeiten.

Wichtig ist nicht nur, rechtzeitig „Stopp!" zu sagen, sondern vor allem auch, dies als die eigentliche Stärke anzuerkennen. Denn wer sich eingestehen und auch aussprechen kann, wenn etwas zu viel wird, beweist Mut - und kann gut für sich selbst sorgen.

Nur nichts verschlimmbessern!

Viele Freiberufler sind zudem von der Überzeugung getrieben, sich über die Maßen anstrengen zu müssen. Doch die Annahme, dass man sich die Erfolge hart erarbeiten muss, macht ihnen nur unnötig das Leben schwer.

Hohe Ansprüche an die eigene Arbeit zu stellen ist per se gut, doch was, wenn die Ansprüche so hoch sind, dass das Resultat den Ansprüchen niemals gerecht werden kann? Es gilt, sich dies bewusst zu machen.

Ebenso, dass der übertriebene Ehrgeiz sogar die Qualität Arbeitsergebnisse beeinträchtigen kann. Der richtige Weg: Entspannt an die Sache heranzugehen, anstatt sich bis zur Belastbarkeitsgrenze anzustrengen und Gefahr zu laufen das Ergebnis zu „verschlimmbessern"!

Kleine Auszeiten führen zur inneren Umprogrammierung

Für Freelancer gilt nochmals mehr als für Angestellte, dass Zeit Geld ist. Im wahren Sinne des Wortes, denn je mehr Aufträge sie bewältigen, desto mehr Geld fließt in ihre Kasse. Schnell jedoch kann der Anspruch nach Schnelligkeit zum negativen inneren Antreiber werden, der sich automatisiert.

Dann werden die Dinge in ständiger Eile erledigt - auch wenn es gar keine Veranlassung dazu gibt. Wer dies bei sich feststellt, sollte das als Alarmsignal nehmen und gegensteuern. Hilfreich ist, Pausen als Rituale einzuführen, sich täglich zwischendurch ganz bewusst kleine Auszeiten zu nehmen.

Diese kurzen Pausen von drei bis fünf Minuten sollten mit angenehmen Empfindungen gefüllt werden - etwa, indem man eine schöne Pflanze betrachtet oder im Internet ein Reiseportal öffnet und an exotische Ziele denkt u.ä.. Wer solche kleinen Auszeiten in seinen Arbeitsalltag integriert, programmiert sich allmählich wieder um.

Häufige Erkenntnis, die darauf folgt: Auch ohne ständige Eile wird viel geschafft! Ein Aha-Effekt, der in der Regel nachhaltig wirkt.

Die Resilienz stärken

Neben solchen Stressauslösern und -verstärkern sollten sich Freelancer auf jeden Fall auch ihrer stressauflösenden Ressourcen und Fähigkeiten bewusst werden. Mit ausreichender Resilienz ist im Allgemeinen in besonders fordernden Zeiten gut gegenzusteuern.

Das heißt: Resiliente Fähigkeiten sollten gestärkt und (weiter)entwickelt werden. Das ist freilich nicht einfach - aber möglich! Oftmals ist es hilfreich, Persönlichkeits- und Stressanalyse-Tools sowie einen Coach hinzuzuziehen. Denn wirksames Vorbeugen von Stress bedeutet immer auch, Verhalten zu verändern! Und hierfür bedarf es in der Regel eines Feedbacks von außen.

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