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Digital Leader stärken die richtigen Stärken

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DIGITAL WORK
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Virtualisierung, Disruption, Flexibilisierung, Automatisierung, ... Können Sie nicht mehr hören? Stimmt, das ist alles nicht neu. Bereits seit mehreren Jahren werden diese globalen Trends diskutiert. Was aber neu ist, ist die Geschwindigkeit, mit der diese Trends jetzt das Marktumfeld der Unternehmen und die Unternehmen selbst aufmischen.

Arbeiten 4.0 ist das Schlagwort schlechthin. Und für die Unternehmen wird es immer dringender, sich mit dem Thema zu beschäftigen - einschließlich der veränderten Ansprüche der neuen Generationen an Mitarbeitern und Kunden: der Generation Y und Z.

Angesichts der Unberechenbarkeit und der immer stärker empfundenen wirtschafts- und geopolitischen Verwerfungen greift in vielen Firmen jedoch eher das große Zögern um sich. Aber Stillstand ist auf den heutigen Märkten gleich Rückschritt. Es ist nicht der „Sudden Death". Aber es ist der Tod auf Raten. Eine Vielzahl ehemaliger Marktführer, die heute ein Nischendasein führen, zeugen davon.

Die Digitalisierung ist eine sehr menschelnde Angelegenheit

Die Gretchenfrage: Was müssen die Unternehmen tun? Wie können sie sicher gehen, dass sie auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben? Meiner Meinung nach ist eines von absoluter Wichtigkeit: die Erkenntnis, dass die Digitalisierung nicht nur eine technologische Herausforderung ist.

Die Digitalisierung ist vielmehr sie eine sehr menschelnde Angelegenheit. Denn nichts ist gewonnen, wenn die Mitarbeiter so bleiben, wie sie sind. Die Digitalisierung fordert neue Kompetenzen und neues Verhalten in den Unternehmen. Insbesondere die Führungskräfte müssen ihre Rolle neu überdenken!

Digital Leadership ist gefragt. Wieder so ein Begriff, der Fragen aufwirft ... Konzepte, wie diese Digital Leadership aussehen kann, werden viele diskutiert: agil, bottom up, data driven, collaborativ, selbststeuernd, partizipativ bis hin zur Holacracy sind nur einige der Stichworte.

Die US-amerikanischen Leadership-Experten Jack Zenger und Joseph Folkman haben auf Basis von mehr als 300.000 Bewertungsdatensätzen (360-Grad-Profilen) von rund 30.000 Führungskräften weltweit über Jahre zum Thema geforscht.

Demnach ist klar: Digital Leadership heißt gar nicht zwingend, Führung radikal neu zu denken. Denn in vielen großen Unternehmen bliebe es bei solchen Denkspielen, zu langsam wäre ein Turnaround und zu groß das Chaos, das ausbrechen würde.

Worauf es vielmehr ankommt: auf die richtigen und wichtigen Hebel zu fokussieren, fatale Fehler in der Organisation zu vermeiden und relevante Stärken zu stärken - statt zu versuchen, auf ganzer Ebene irgendwie halbgut zu sein. Das gilt auf organisationaler Ebene für das ganze Unternehmen im Übrigen genauso wie auf individueller Ebene für die einzelne Führungskraft.

Typisch deutsche Tugenden reichen für Digital Leadership nicht aus
Was ebenso fest steht: Die „typisch deutschen" Tugenden wie Fach- und Problemlösungskompetenz reichen im digitalen Zeitalter nicht mehr aus!

Wichtig hingegen ist Innovationskraft - die Fähigkeit, neuartige und kreative Lösungen zu entwickeln, die zu besserer Leistung oder höherer Produktivität führen. Zudem ist Veränderungsinitiative gefragt: Wie stark ist die Bereitschaft, Maßnahmen zu ergreifen, um Veränderungsinitiativen effektiv zu unterstützen und einzuführen?

Der Stärkung solcher zentraler Stärken hin zur herausragenden Meisterschaft kommt eine besondere Bedeutung bei der Führungskräfte-Entwicklung zu: Führungskräfte - und Unternehmen -, die das geschafft haben, erzielen signifikant bessere Ergebnisse bis hin zum mehrfachen Umsatzvolumen.

Auch das zeigen die Untersuchungen von Jack Zenger und Joseph Folkman. Erforderlich sind dabei nur wenige herausragende Stärken - sie stehen quasi wie ein Leuchtturm für die Wahrnehmung einer Führungspersönlichkeit oder eines Unternehmens.

Digital Leader sind keine Alleskönner

Damit ist auch klar, dass es sich bei erfolgreichen Digital Leader nicht um strahlende Superheros, Alleskönner und „übermenschlich gute" Manager handelt. Nein, es sind einfach jene Führungskräfte, die in Zeiten der Digitalisierung ein paar Kernstärken zur absoluten Meisterschaft, zur Alleinstellung entwickelt haben. Wenn das so ist, dann verzeiht der Markt - und verzeihen die Menschen - auch Schwächen!

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