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Einfache Bewerbungsprozesse sind eine Frage der Wertschätzung

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STRESS BUSINESS
Jessica Peterson via Getty Images
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Fachkräftemangel und demographischer Wandel sind schmerzhafte Realität für Unternehmen; und dennoch scheinen viele Unternehmen noch nicht ausreichend auf diesen Wandel vorbereitet. Anders kann ich mir einige Zahlen aus der Bewerbungsstudie, die wir mit Indeed auch dieses Jahr wieder gemacht haben, nicht erklären.

Die traurige Wahrheit unserer Studie: 42 Prozent der Bewerber haben bereits einmal einen Bewerbungsprozess abgebrochen, weil er zu kompliziert war. 22 Prozent der Bewerber haben bereits einmal ein konkretes Jobangebot abgelehnt, weil sich der gesamte Bewerbungsprozess als so kompliziert herausstellte, dass sie keine Lust mehr auf die angebotene Stelle hatten.

Das sind zwei Fakten, die es wert sind, genauer betrachtet zu werden, weil sie die Herausforderung, vor der Unternehmen stehen, sehr genau beschreiben. Überraschend ist: Diese zwei Problemfelder sind seit Jahren bekannt, werden aber nur selten behoben.

Wird ein Bewerbungsprozess von ein paar Bewerbern abgebrochen, so lässt sich leicht argumentieren, die Personen seien einer Bewerbungsplattform nicht gewachsen oder hätten schlichtweg nicht die Geduld, auch mal auf einen Rückruf zu warten.

Wenn allerdings knapp die Hälfte der Bewerber so handelt, dann sollte man als Unternehmensvertreter auch mal eingestehen, dass das die eigenen Prozesse wohl ein Teil des Problems sind.

Dafür spricht auch der andere Fakt. Wenn ein Fünftel der Bewerber ein Angebot ablehnt, dass sie nur noch unterschreiben müssten, weil der Bewerbungsprozess einfach zu wenig transparent war, dann sagt das eine Menge über die Art und Weise aus, wie Bewerbungsprozesse in Deutschland ablaufen.

Wertschätzung zu zeigen ist einfach

Dabei ist das Zeigen von Wertschätzung bereits im Bewerbungsprozess recht einfach. Und vor allem nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden. Denn Bewerber erwarten nicht die Fütterung mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel, sondern lediglich das Gefühl, bei dem ausschreibenden Unternehmen auch willkommen zu sein.

Dazu reicht es aus, bürokratische Hürden so niedrig wie möglich zu halten und höflich zu kommunizieren.

Wozu ein Anschreiben verlangen, wenn es ohnehin niemand liest und sich Bewerber damit häufig schwer tun?

Wozu den Upload von Arbeitszeugnissen in ein Bewerbungsportal verlangen, dessen Usability zu wünschen übrig lässt, wenn es ausreicht, dass die Bewerberin die Zeugnisse zum Gespräch mitbringt?

Natürlich kann die Auswahl des passenden Kandidaten länger dauern, aber es ist schlichtweg ein Zeichen von Höflichkeit und Professionalität, die Bewerberin darüber auf dem Laufenden zu halten und den gesamten Prozess generell transparent zu gestalten.

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Bei dem bisher gesagten versteht es sich von selbst, Bewerber nicht auf Vorrat bewerben zu lassen, sondern nur auf wirklich vorhandene Stellen.

Und zu guter Letzt: Es ist Klasse, dass fast die Hälfte aller Unternehmen Feedback von Bewerbern auf den Bewerbungsprozess einfordert. Das zeigt Bewerbern, dass sie - bei allen Fehlern, die Menschen auf Unternehmensseite machen können - ernst genommen werden. Dieses Zeichen zerstören Unternehmen aber sofort wieder, wenn rund ein Drittel die gewonnen Erkenntnisse ungenutzt lässt. Auch das ein Erkenntnis aus der diesjährigen Bewerberstudie von Indeed.

Ich weiß, dass es ein langer Weg ist, Prozesse zu ändern. Bitte verstehen Sie meine Worte als leidenschaftliche Kritik, um die Prozesse an denen wir alle zusammen arbeiten, so gut wie nur irgend möglich zu machen.

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