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Ich habe mein Baby im 6. Monat verloren - eure Reaktionen haben alles noch schlimmer gemacht

18/10/2017 11:07 CEST | Aktualisiert 18/10/2017 11:44 CEST
iStock

Ich habe mein erstes Baby verloren, als ich in der 11. Woche schwanger war. Mein zweites Kind verlor ich in der 24. Woche.

Es ist nicht leicht, über Fehlgeburten zu sprechen. Jeder möchte glauben, dass das Ergebnis einer Schwangerschaft immer ein glückliches, gesundes Kind ist.

In Wahrheit jedoch treten Fehlgeburten häufiger auf, als wir es vermuten würden. Eine von vier Schwangerschaften wird abgebrochen.

Mein Sohn Phoenix hatte eine seltene Genkrankheit namens Osteogenesis Imperfecta Type 2. Es handelte sich um eine unheilbare Krankheit, die ihn unter unsagbaren Schmerzen leiden ließ.

Sein Kopf sah aus wie ein Schwamm und seine Knochen konnten bei jeder Bewegung in meinem Bauch brechen. Es war ein entsetzliche Anblick.

Als mein Mann und ich uns entschieden hatten, dass wir die Schwangerschaft abbrechen, mussten wir drei Wochen auf einen Termin warten. Es fühlte sich an wie auf unser Todesurteil zu warten.

Es war die Hölle. Ich versteckte meinen Bauch aus Angst, jemand würde mich fragen, wann es denn so weit sei. Meine Angst war, dass der Tod grausam ist. Aber er war wunderschön.

Ich hatte Angst, dass der Tod grausam ist, aber er war wunderschön

Der Doktor teilte uns mit, dass das Baby vor der Geburt sterben würde. Nachdem die Abtreibung eingeleitet wurde, lag ich zwölf Stunden in den Wehen. Mein Sohn Phoenix kam mit einem Pressen auf die Welt.

„Oh mein Gott, er lebt!", schrie die Krankenschwester.

Schock.

Dann plötzlich begann jeder im Raum zu weinen.

„Möchten Sie ihn halten?", fragte sie. „Er ist wunderschön."

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Der Arzt hatte uns gewarnt, dass er sich sehr weich anfühlen würde, wie ein Fötus. Aber er fühlte sich wie ein richtiges Baby an. Seine dunkle und dünne Haut schien wie eine leichte Bräune und seine Arme waren entstellt.

Seine Augen waren geschlossen und er sah sehr friedlich aus. Seine kleine Hand war kaum größer als ein männlicher Daumen. Ich hatte Angst, dass der Tod grausam ist, aber er war wunderschön.

Die Tränen rannen über mein Gesicht und eine Welle des Glücks überkam mich. Zum ersten Mal konnte ich mein Baby halten. Ich war eine frischgebackene Mutter und voller Euphorie. Gegen jede Erwartung war er am Leben.

Der ganze Raum leuchtete und wir nahmen seine Seele unter uns wahr. Er rührte sich nicht, aber wir konnten seinen schwachen Atem spüren. Fünf Stunden verbrachten wir im Krankenhaus mit ihm, hielten und betrachteten ihn stolz. Er starb kaum merklich, wie in einem Atemhauch.

Die Reaktionen aus meinem Umfeld waren sehr kalt

Phoenix wog 500 Gramm, aber ich erzählte jedem, dass er einen Pfund wog. Ich war der Meinung, das würde sein Leben bedeutsamer machen.

Nicht viele fragten mich, was passiert war. Die meisten vermieden das Thema vollkommen. Ich denke, sie wussten nicht, wie sie reagieren sollten, oder sie wollten meine Gefühle nicht verletzten.

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Aber ich war bereits zutiefst verletzt, also kamen mir ihre Reaktionen sehr kalt vor. Vielleicht habe ich zu viel erwartet. Ich erwartete, dass jemand mich über meinen Sohn fragt. Ich erwartete, dass die Leute anerkannten, dass ich ein Baby geboren hatte.

Fehlgeburten und abgebrochene Schwangerschaften sollten kein Tabuthema sein. Menschen sollten über ihre Erfahrungen sprechen, damit sie ihren Schmerz verarbeiten können.

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Seit ich begonnen habe, meine Geschichte zu teilen, haben sich viele Betroffene an mich gewandt. Sie erzählten mir von ihren Erlebnissen, als würden wir ein Geheimnis teilen.

Einige Frauen haben nicht einmal mit ihren eigenen Familienangehörigen oder Freunden gesprochen, sondern kontaktierten mich. Wahrscheinlich ist es leichter für sie, mit einer fremden Person zu sprechen.

Es ist so traurig, wenn du deine tiefste Trauer nicht mit denjenigen teilen kannst, mit denen du deine größte Freude teilst. Ich hoffe, meine Geschichte inspiriert dich, deine eigene zu teilen.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf HuffPost Canada und wurde von Meltem Yurt aus dem Englischen übersetzt.

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(kap)