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Konservativer Lifestyle

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FLORIAN BRAUN
Florian Braun
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Das Attribut „konservativ" ist aus der Mode gekommen. Kaum einer will heute noch „konservativ" sein. Nach landläufiger Ansicht klingt das altbacken und rückwärtsgewandt oder, schlimmer noch, spießig. Außerhalb einer, nun auch schon in die Jahre gekommenen, Bausparkassenwerbung war das in meiner Generation schon immer uncool.

Das Lebensgefühl der Menschen hat sich vielfach geändert. Man spricht nun von „Lifestyle". Ein jeder möchte sich heutzutage frei fühlen und selbstverwirklichen, individuell leben und unabhängig auftreten. Doch das, was ich mit konservativem Dasein verbinde, lebt ein großer Teil der deutschen Bevölkerung - sie würden es sich nur niemals eingestehen.

Denn im Gegensatz zum Gefühl ist die Lebenswirklichkeit gleich geblieben. Man sorgt sich um seine Zukunft und sucht Geborgenheit. Die Shell-Jugendstudie belegt, dass die moderne Jugend sich nach so etwas langweiligem wie Familie sehnt. Der Staat soll sich immer noch verlässlich um grundlegendste Bedürfnisse kümmern. Bewährtes zu behalten und Neues abzuwägen ist weiterhin ein beliebtes Konzept. Klingt das nicht recht - Achtung - konservativ?

Ich oute mich als wertkonservativ

Es klingt vielleicht ein wenig abgedroschen, doch aus meiner Sicht darf man deutlich zwischen struktur- und wertkonservativ unterscheiden.

Ich für meinen Teil oute mich als wertkonservativ: ich treffe mich gerne mit meiner Familie, habe nur eine Freundin, will selbst gerne irgendwann Familie gründen, engagiere mich ehrenamtlich, achte die Gesetze und finde das Konzept der christlichen Nächstenliebe gut. Meine politischen Entscheidungen wäge ich gerne anhand meiner grundsätzlichen moralischen Vorstellungen ab und lasse mich nicht groß davon beeindrucken, ob etwas schon die letzten 30 Jahre so war.

Erst denken, ja. Aber sobald eine Idee überzeugt, dann sollte sie nicht aus Strukturerwägungen abgelehnt, sondern in Angriff genommen werden. Diese Form von Konservatismus lehne ich ab.

Vielleicht muss man „konservativ" neu denken

Unterm Strich habe ich kein Problem damit, als konservativ abgestempelt zu werden. Vielleicht sollte man sich jedoch dem Zeitgeist beugen und den Begriff in die Mottenkiste packen. Vielleicht muss man „konservativ" neu denken und kommunizieren, um sich nicht ständig in Schubladen wiederzufinden. Am wichtigsten ist jedenfalls die Haltung, die sich dahinter verbirgt. Und für die werde ich so oder so weiterhin Werbung machen.

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