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Interview mit Nusra-Kommandeur: Todenhöfer wurde vom Assad-Regime in die Irre geführt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TODENHFER
dpa
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Am 26.09.2016 veröffentlichte Jürgen Todenhöfer ein Interview auf Facebook. Dieses soll sein Gespräch mit einem angeblichen Kommandanten der Al-Nusra-Front, die sich in der Zwischenzeit Jabhat Fateh al-Sham nennt, zeigen.

Es gipfelt darin, dass Herr Todenhöfer aus dem Interview sogar den Beweis erbracht sehen will, dass die westlichen Politiker die Dschihadisten von der Nusra-Front aktiv unterstützen.

Zunächst ist festzustellen, dass Herr Todenhöfer sich aktuell in dem von der Regierung kontrollierten Stadtteil Aleppos aufhält. Er kann nur unter strenger Aufsicht und Kontrolle des syrischen Regimes und dessen Geheimdiensten operieren und recherchieren.

Bisher hat Herr Todenhöfer noch nie die von der Opposition gehaltenen Gebiete wie Idlib oder Ost-Aleppo bereist, um sich vor Ort einen Überblick über die Lage zu verschaffen und mit den verschiedenen Rebellengruppen zu sprechen.

Vom Assad-Regime in die Irre geführt

Laut Todenhöfer wurde das Treffen von einem angeblichen Rebellenkontakt arrangiert. Doch hier wurde er offensichtlich vom Assad-Regime in die Irre geführt. So wirken die Antworten auffallend gestellt und einstudiert.

Für Menschen, die sich intensiver mit dem Syrienkonflikt und den Rebellengruppen beschäftigen, wirft das Video zahlreiche Fragen und Widersprüche auf, die Todenhöfer nicht auflösen kann:

So stimmen die Aussagen des vorgeblichen Nusra-Kommandanten nicht mit den offiziellen Positionen von Al-Nusra überein. Stattdessen bestätigen sie die Propaganda des Assad-Regimes.

Ein Dschihadist wird niemals öffentlich zugeben, mit israelischen Offizieren - dem inoffiziellen Todfeind -, oder amerikanischem Militär in Aleppo vor Ort zusammen zu arbeiten. Dies würde seine Glaubwürdigkeit massiv gefährden.

Es befinden sich keine israelischen Offiziere in Aleppo

Dies ist genauso abstrus wie der Goldring an dem Finger eines Dschihadisten, denn gerade gläubige Muslime sollen keinen Goldschmuck tragen.

Widersprüchlich in Gänze ist schließlich, dass die Nusra-Front in einem Interview zugibt, die Hilfslieferungen an die Bevölkerung zu behindern. Ein solches Schuldeingeständnis würde der Nusra-Front jeglichen Rückhalt der Bevölkerung in den von der Opposition gehaltenen Gebieten kosten, da diese auf die Hilfslieferungen dringend angewiesen ist.

Auch unsere Kontakte in Ost-Aleppo konnten die Existenz dieses Nusra-Kommandanten nicht bestätigen, sondern bestätigen uns vielmehr, dass die Aussagen des Mannes komplett aus der Luft gegriffen und erfunden seien. So befinden sich in keiner Weise israelische oder sonstige Offiziere in Aleppo.

Sie gehen vielmehr davon aus, dass Herr Todenhöfer bewusst vom Regime manipuliert wurde und hier einen Regime-Anhänger interviewt hat. Er hielt sich im vom Assad-Regime kontrollierten Stadtteil von Aleppo auf und wurde von diesem zu einem gestellten Interviewtermin in einem "Steinbruch bei Aleppo" geladen, der entsprechend den Angaben aus dem Video der Gegend um die Zementfabrik zugeordnet werden konnte, das unter Regierungskontrolle steht.

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Ein von Rebellengruppen gehaltenes Gebiet hat Herr Todenhöfer jedenfalls nicht betreten. Auch die Nusra-Front hat zwischenzeitlich dementiert, von Jürgen Todenhöfer interviewt worden zu sein.

Für Todenhöfer stellt dieses Interview einen neuen Tiefpunkt seiner Syrienberichterstattung dar, nachdem bereits an der Glaubwürdigkeit seines Buches Inside IS große Zweifel aufgekommen waren.

Todenhöfer hat jegliche journalistische Sorgfaltspflicht vermissen lassen, die gerade der hochkomplexe syrische Konflikt gebietet: Weder konnte er seine Quelle verifizieren noch ist er den offensichtlich widersprüchlichen Antworten seines Interviewpartners nachgegangen.

In seiner Naivität hat er sich instrumentalisieren lassen und ist so zum Gehilfen der Assad-Propaganda geworden. Das Mindeste, das nun notwendig ist, ist eine Richtigstellung.

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