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Tausende "besorgte Bürger" sind gekaufte Schauspieler

25/02/2016 11:35 CET | Aktualisiert 25/02/2017 11:12 CET
Francois Mori/AP

Die Geschäftsidee des amerikanischen Unternehmens Crowds on Demand besteht darin, gefälschte Demonstrationen zu organisieren. Das Unternehmen engagiert Schauspieler und beauftragt sie, für etwas zu demonstrieren oder gegen etwas zu protestieren, ganz so wie der Kunde von Crowds on Demand es eben haben will.

Wie solche gefälschten Bürgerproteste ablaufen, zeigt ein NBC-Bericht aus der Stadt Camarillo im US-Bundesstaat Kalifornien. Während einer Gemeindeveranstaltung im Dezember vergangenen Jahres erzählte Prince Jordan Tyson eine Geschichte, die sich später als Lüge herausstellte.

Erfolgloser Schauspieler spielt „besorgten Bürger"

Denn in Wirklichkeit ist Tyson kein besorgter Bürger aus Camarillo, sondern ein erfolgloser Schauspieler aus Beverly Hills, das knapp eine Stunde mit dem Auto entfernt liegt. Der Mann sagt, dass er dafür bezahlt worden ist, dass er ein Bauprojekt in Camrillo kritisierte. Tyson sollte sich auf der Gemeindeveranstaltung als besorgter Bürger ausgeben.

„Es war gespielt, die haben mir genau vorgegeben, was ich sagen soll", so der erfolglose Schauspieler aus Beverly Hills. Einen Teil seines Textes habe er von Adam Swart persönlich erhalten, dem CEO von Crowds on Demand.

Jemanden zu bezahlen, um vor einem Gemeinderat falsche Aussagen zu machen wird möglicherweise zu Betrugsvorwürfen führen

Der CEO Adam Swart sagt, dass er Schauspieler engagiert, um die Meinung von Politikern und Bürgern im ganzen Land zu beeinflussen. Er habe bei Dutzenden von Kampagnen für Politiker mitgearbeitet. Namen könne er nicht nennen, sonst würde ihn niemand mehr beauftragen, sagt der Chef von Crowds on Demand.

Laut Gesetz müssen politische Kampagnen ihre Ausgaben auflisten. Wenn sie nicht angeben, dass sie Crowds on Demand beauftragt haben, dann könnte dies nach Aussagen eines kalifornischen Beamten einen Gesetzesbruch darstellen.

Jemanden zu bezahlen, um vor einem Gemeinderat falsche Aussagen zu machen wird möglicherweise zu Betrugsvorwürfen führen, zu Vorwürfen vorsätzlicher Beeinträchtigung von Geschäftsbeziehungen, vielleicht zu Beschuldigungen wegen Verleumdung.

Bei manchen Veranstaltungen hier in Berlin, frage ich mich auch manchmal ob das alles echt ist

Das Unternehmen Crowd on Demand hat nach eigenen Angaben 20.000 Schauspieler in den ganzen USA unter Vertrag. Diese sind vertraglich dazu verpflichtet, über ihre Aufträge für Crowd on Demand zu schweigen.

Zwar scheint es Unternehmen wie Croud on Demand in Deutschland bisher nicht zu geben. Doch bis vor kurzen waren solche gefälschten Proteste in den USA auch nicht bekannt.

Crowd on Demand in Deutschland?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich bei manchen Veranstaltungen hier in Berlin auch schon gefragt, ob das alles echt ist. Vor zwei Wochen etwa war ich in der Rigaer Straße bei einer Demonstration gegen Polizeigewalt. Doch was ich dann in der hiesigen Presse lesen musste, hat mich schockiert. Ein Unbekannter hatte einer ARD-Reporterin mit Gewalt das Mikro entrissen.

Es macht natürlich überhaupt keinen Sinn, dass der Täter ein Linker gewesen sein soll. Denn statt über einen friedlichen Protest, berichtete die ARD-Journalistin nun über Gewalt gegen eine Frau. Auch der eigentliche Grund für unsere Demonstration, unser Eintreten gegen Polizeigewalt, geriet vollkommen in den Hintergrund. So viel Einfluss hatte ein einzelner (gekaufter?) Mann.

Journalisten und Blogger können sich noch so sehr bemühen, aktuelle Ereignisse so präzise wie möglich darzustellen. Wenn die handelnden Personen gar nicht echt sind, sondern gekaufte Schauspieler, dann geht ein guter Bericht am Ende trotzdem daneben.

Und das ist nur die Spitze des Public-Relations-Eisbergs. Von bezahlten Facebook-Schreibern fange ich erst gar nicht an.

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