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Ein Augenzeuge aus Schorndorf berichtet, was wirklich vorgefallen ist

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
SCHORNDORF
dpa
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Die kleine Stadt Schorndorf bei Stuttgart ist am vergangenen Wochenende zu unfreiwilliger und trauriger Ber├╝hmtheit gelangt.

Es habe Massenkrawallen w├Ąhrend des Stadtfestes gegeben, marodierende Horden von Asylsuchenden h├Ątten sich zusammengerottet und seien durch die Stadt gezogen, berichteten Medien. Schnell wurden Vergleiche zu den Ereignissen zu Silvester K├Âln oder G20 in Hamburg gezogen. Ein Augenzeuge berichtet, was wirklich passiert ist.

Wenn ich in den vergangenen zwei Tage in die sozialen Medien und einige Zeitungen geschaut habe, habe ich meinen Heimatort Schorndorf nicht wiedererkannt:

Horden von Migranten sollen bei unserem Stadtfest gew├╝tet haben. Ein marodierender Mob sei durch die Stra├čen gezogen. Die Polizei sei ├╝berfordert gewesen.

Alle, die jetzt von einem zweiten K├Âln oder Hamburg sprechen, muss ich aber entt├Ąuschen: Diese Sicht auf die Ereignisse ist v├Âlliger Quatsch und ma├člos ├╝bertrieben.

Fast alles wie immer

Wir haben uns am Samstag, wie jedes Jahr w├Ąhrend des Stadtfestes "Schorndorfer Woche", im Schlosspark in Schorndorf verabredet. Wir standen zusammen, haben Musik geh├Ârt. Wie viele andere auch.

In den Jahren zuvor ist es immer so gewesen, dass der Park um halb zw├Âlf von der Polizei so langsam ger├Ąumt wurde. In diesem Jahr nicht.

Ich kann nicht genau sagen warum die Polizei den Park dieses Jahr nicht ger├Ąumt hat. Aber wie jedes Jahr waren schon den ganzen Abend Polizisten in zivil und in Streifen unterwegs. Sie kontrollierten auf Drogen und schickten Minderj├Ąhrige nach Hause.

Auch am Freitag wurde der Park nicht ger├Ąumt, aber alles ist friedlich geblieben.

Von organisiertem Krawall kann man nicht reden

Am Samstag ist es dann sp├Ątabends zu einer Rangelei an einem etwas abgelegen Ort des Parks gekommen. Zu der Zeit waren in jedem Fall keine 1000 Menschen mehr im Park. Die meisten davon waren Sch├╝ler der st├Ądtischen Schulen. Und nicht auff├Ąllig viele mit Migrationshintergrund, wie in manchen Medien berichtet worden war.

Ich stand ungef├Ąhr 50 Meter von der Rangelei entfernt. Schnell bildete sich ein Pulk, 300 Menschen, w├╝rde ich sch├Ątzen. Schaulustige vor allem. Und dann kam es zu vereinzelten Flaschenw├╝rfen aus der Menge. Aber von einer organisierten Horde oder einer gezielten Randale kann keine Rede sein.

Es war eben wie jedes Jahr, Alkohol war im Spiel. Vereinzelt haben angetrunkene Jugendliche die Polizisten angep├Âbelt, die vermutlich nicht damit gerechnet hatten, dass sich da eine Gruppe bildet.

Tempor├Ąre ├ťberforderung der Polizei

Die Polizei hat dann Verst├Ąrkung angefordert und kam mit schwerer Ausr├╝stung dazu. Es gab eine Festnahme. Aber zu dem Zeitpunkt hatte sich die Rangelei schon wieder weitgehend aufgel├Âst. 200 Meter weiter hatte man ohnehin sehr wenig davon mitbekommen.

Das Problem war, denke ich, dass die Rangelei in einem abgelegeneren Teil des Parks stattfand und die Polizei zu Anfang mit wenigen Beamten vor Ort war. Ich w├╝rde von einer tempor├Ąren ├ťberforderung sprechen. Es waren aber absolut keine Massenkrawalle. Von einem Ausnahmezustand kann niemand sprechen.

Neu und schlimmer als in den Vorjahren war, dass Flaschen geworfen wurden. Das war das einzige.

Es wurden Zusammenh├Ąnge hergestellt, wo keine sind

Es wurde dann ohnehin leer im Park und wir sind noch in die Stadt in eine Bar. Dass dort Banden marodiert h├Ątten, habe ich nicht mitbekommen. Und auch sonst niemand, den ich kenne.

In der Polizeimeldung wurden alle Ereignisse der "Schorndorfer Woche" zusammengefasst und ein zu dunkles Bild gezeichnet.

Die einzelnen ├ťbergriffe, laut Polizei durch Migranten, sind nat├╝rlich inakzeptabel. Aber dies mit dem oben beschriebenen Vorfall im Park zu vermischen ist unredlich und schlichtweg falsch. Auch, dass 1000 Asylsuchende oder generell Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt und im Park organisiert gew├╝tet h├Ątten, entspricht nicht der Wahrheit.

Die einzelnen Vorkommnisse wurden in vielen Beitr├Ągen nicht als unterschiedliche Vorf├Ąlle an anderen Orten und Zeitpunkten voneinander getrennt, sondern als ein "Gro├čereignis" dargestellt.

Dass es zu einer Rangelei im Park und wohl auch vereinzelt zu Besch├Ądigungen an Polizeiautos in der Nacht kam, hat aber nichts mit den sexuellen ├ťbergriffen auf dem Stadtfest zu tun. So schlimm es auch ist, dass so etwas passiert, aber Ausma├če wie in der K├Âlner Silvesternacht hatte es definitiv nicht.

Viele in der Stadt haben erst am Tag danach ├╝berhaupt von den Ausschreitungen erfahren.

Wer Schondorf nun missbraucht, um gegen Migranten und Fl├╝chtlinge Stimmung zu machen, f├Ąllt auf eine L├╝ge rein.

Ja, es gab Streit und Flaschenw├╝rfe im Park, vermutlich unter Alkoholeinfluss. Schorndorf ist aber weder mit K├Âln, noch mit Hamburg zu vergleichen. Leider wurde von vielen ma├člos ├╝bertrieben und Zusammenh├Ąnge hergestellt, wo keine sind.

Den Ausnahmezustand hat es schlicht und ergreifend nicht gegeben, bereits am Tag danach wurde auf dem Stadtfest schon wieder friedlich gefeiert.

Der Text wurde von Marie-Theres R├╝ttiger aufgezeichnet.

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(mf)