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Die 5 wichtigsten Thesen zur Zukunft unserer Arbeitswelt

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Zwei Tage lang beschäftigten sich Journalisten, Unternehmen, Business Developer, Designer und Coder beim Burda Hackday in München mit dem Thema „The Future of Work". Bevor die Teams am Sonntag, 24. April, ihre Projekte vorstellten, blieb noch etwas Zeit für ein Panel, in dem Experten ihre Sicht auf die Arbeitswelt der Zukunft diskutierten. Martina Schraudner (Professorin am Fraunhofer Institut), Nicolas Dittberner (Udacity) und Sven-Anwar Bibi (IXDS) sprachen darüber, wie wir in Zukunft arbeiten werden und welche Fähigkeiten wir uns aneignen sollten. Moderiert wurde die Diskussion von Autor und Dozent Maximilian Gaub.

„The Future of Work": Fünf Thesen

1. Frauenpower dank flacher Hierarchien

In 20 Jahren, so Martina Schraudner, werden wir vermehrt in Netzwerken agieren. „Kunden, Zulieferer, Dienstleister - sie alle werden zwar gemeinsam, aber nicht unter einem Dach arbeiten", sagt die Professorin, die am Fraunhofer Institut die Karrieren weiblicher Führungskräfte erforscht. Besonders für Frauen ist das eine gute Nachricht. „Bislang gelten in Unternehmen drei Skills als karriererelevant: Durchsetzungskraft, Netzwerke, und schnelle Entscheidungen - alles Attribute, die männlichen Führungskräften zugeordnet werden. Bei den weiblichen assoziierten die Befragten vor allem Empathie, Kommunikationsstärke, soziale Kompetenzen: Fähigkeiten, die in flachen Hierarchien, in Netzwerken relevanter werden." Doch auch Männer können von der Veränderung profitieren. Martina Schraudner erklärt: „Letztendlich bedeuten mehr Frauen immer auch, dass sich auch Männer, die eben nicht nur nach den typischen Karrieremustern arbeiten wollen, willkommen sind. Letztendlich geht es auch hier um mehr Perspektivenvielfalt."

2. Roboter können uns nicht ersetzen

Neben Netzwerken wird auch künstliche Intelligenz in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Müssen wir uns vor Algorithmen, Robotern & Co. fürchten? Werden sie „echte" Mitarbeiter ersetzen? Nein, sagt Martina Schraudner. Es wird noch immer Fähigkeiten geben, die Menschen Robotern voraus haben - zwischenmenschliche Kompetenz, zum Beispiel. „Denn darin sind Roboter wohl nicht sonderlich stark. Zudem geht es dann zunehmend um Emotionen", erklärt die Professorin. „Denn wenn immer mehr Projekte in Netzwerken abgewickelt werden, dann folgen wir jemandem nicht mehr aufgrund einer Hierarchie - sondern aufgrund ihrer oder seiner Vision, Empathie, Begeisterungsfähigkeit. Dann geht es nicht mehr um Key Performance Indicators, sondern um Key Emotion Indicators bei der Bewertung von Führungskräften." Im besten Fall wird die künstliche Intelligenz unsere Arbeit vereinfachen und uns mehr Zeit für die verbleibenden Aufgaben einräumen.

Life-Work-Balance statt Work-Life-Balance?

3. Life-Work statt Work-Life-Balance

Die Agentur IXDS experimentiert schon jetzt mit der 32-Stunden-Woche - mit Erfolg. „Wir glauben, dass ein weiterer freier Tag pro Woche jedem die Option gibt, seine Kompetenzen und Skills zu erweitern. Und damit meine ich nicht unbedingt professionelle Fähigkeiten. Sondern die Kompetenz, sich über seine eigene Lebensidee klar zu werden", erzählt Sven-Anwar Bibi. Life-Work-Balance statt Work-Life-Balance also? Die Arbeit ist ein großer Teil unseres Lebens, sollte im besten Fall jedoch nicht alles für uns sein. „Wenn wir unsere Kinder in Zukunft fragen, wie sie leben wollen, werden die noch mehr als die heutige Generation antworten: Wir wollen leben und arbeiten. Das ist konträr zu dem, was unsere Eltern sagten, als sie Kinder waren. Denn die wollten viel arbeiten, Geld verdienen, aufsteigen - und ein besseres Leben haben als deren Eltern. Aber nun erleben wir einen Wandel in der Wahrnehmung, was es bedeutet, in diesen Zeiten ein Mensch zu sein."

4. Neugier wird zum wichtigsten Skill

Sven-Anwar Bibi ist sich sicher: In Zukunft werden Neugier und Lernbereitschaft noch viel entscheidender sein als bisher. „Neues zu erleben, zu verstehen und in einen neuen Kontext zu setzen", das sei besonders wichtig, erklärt er. „Du musst ständig lernbereit sein. Weil sich Technologien rasant entwickeln. Aber auch, weil wir zunehmend mit anderen Kulturen arbeiten."

5. Die Zukunft startet jetzt

...sagt Nicolas Dittberner. Und er muss es wissen. Er arbeitet für die Online-Akademie Udacity, die unter anderem Kurse für Data Analysten, Web Developer und Tech Entrepreneure anbietet. Auch er sagt: „Kreativität, Unternehmergeist und Neugierde sind Eigenschaften, mit denen wir uns im Zeitalter der künstlichen Intelligenz behaupten können." Wichtig ist, dass wir nicht auf die Veränderungen der Zukunft warten und uns erst dann weiterbilden, wenn es schon zu spät ist. Lebenslanges Lernen ist das Stichwort. „Allein im Jahr 2015 war der technologische Fortschritt so groß wie zwischen 2000 und 2010", erklärt Nicolas Dittberner. „Jeder, der beruflich mit Technologie zu tun hat, sollte sich also auch nach der Ausbildung oder Universität in seinem Bereich regelmäßig weiterbilden, denn die digitale Transformation entwickelt sich rasant weiter."

Weitere Thesen und die Experten-Interviews in voller Länge finden Sie auf dem Blog des Hackday-Panel-Moderators Maximilian Gaub. www.worldofmencraft.com