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Zehn Jahre Islamkonferenz - der gescheiterte Dialog

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ISLAMKONFERENZ
dpa
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Seit nunmehr zehn Jahren existiert die Deutsche Islamkonferenz (DIK). Sie ist mit großen Ansprüchen gestartet: „Die Konferenz soll zu einer verbesserten religions- und gesellschaftspolitischen Integration der muslimischen Bevölkerung in Deutschland beitragen" hieß es zum Auftakt in einem Positionspapier. Was ist geblieben? Nicht viel, findet Falko Liecke, Kreisvorsitzender der CDU im Berliner Bezirk Neukölln.

Es war richtig, einen Dialog mit der Religion zu suchen, die mehr als alle anderen seit Jahren die öffentliche Debatte in unserem Land bestimmt. Doch bereits zu Beginn knirscht es: Wenn die teilnehmenden Islamverbände erst dazu getrieben werden müssen anzuerkennen, dass die Religionsfreiheit dort endet, wo sie im Konflikt mit den Werten unseres Grundgesetzes steht, ist das ein Problem.

Einziger nennenswerter Erfolg der Islamkonferenz bisher: Es gibt Lehrstühle für islamische Theologie in Deutschland. Für ganze zehn Jahre ist das ziemlich mager.
Was sind das eigentlich für Verbände, die ihren Islam vertreten? Von über vier Millionen Muslimen in Deutschland vertreten sie eine verschwindend geringe Minderheit. Genaue Zahlen? Gibt es nicht.

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Es spricht Bände, dass diese meist konservativen bis reaktionären Verbände letztlich durchgesetzt haben, dass Einzelpersonen und kritische Stimmen - ja sogar die neuen Lehrstühle für islamische Theologie - ausgeschlossen wurden. Der Islamkonferenz konnte das nur schaden.

Das Grundgesetz ist keine Verhandlungsmasse

Diese Abwehrhaltung der Verbände gegenüber säkularen Tendenzen zeigt sich immer wieder. Bis heute liegt kein klares und vor allem bedingungsloses Bekenntnis zum Grundgesetz vor. Solange diese Verfassungstreue von den Verbänden als Verhandlungsmasse gesehen wird, kann es doch keinen Dialog auf Augenhöhe geben.

Mit einem Partner, der ständig fordert aber keine Zugeständnisse macht, ist kein Dialog möglich. Und wo bleibt eigentlich der Aufschrei der Islamverbände, wenn mal wieder eine Hetzpredigt in einer Neuköllner Moschee im Internet auftaucht? Ich vernehme da zumeist nur Schweigen, während die Empörungsmaschine gegen Islamkritiker schnell hochgefahren wird. Gleiches gilt für die Frage der Religionsfreiheit in den Herkunftsländern.

Wann hat sich mal ein Islamverband für einen Kirchenbau in der Türkei eingesetzt? Ich kann mich nicht erinnern. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die vielen kleinen Verbände nicht einmal untereinander einig sind, ob und wie ein säkularer Islam in Deutschland möglich sein kann.

Islamverbände werden aus dem Ausland gesteuert

Die Ereignisse nach dem brutal niedergeschlagenen Putschversuch in der Türkei zeigten es uns allen ganz klar: Viele, insbesondere die großen Verbände, werden noch immer aus dem Ausland gesteuert. Das betrifft ganz offenkundig den Verband DITIB, der direkt aus der Türkei finanziert wird.

Kurz nach dem Putschversuch wurde die politische Linie Erdoğans in allen DITIB-Moscheen als vorgeschriebene Predigt heruntergebetet. Die Imame von DITIB werden aus der Türkei entsandt und vom türkischen Staat bezahlt. DITIB ist strukturell, finanziell und ideologisch direkt von der türkischen Religionsbehörde Diyanet abhängig.

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Das zeigt sich auch daran, dass zwei von sieben Vorstandsmitgliedern in der DITIB-Zentrale türkische Religionsattachés sind. Letztlich gibt es große Schnittmengen zwischen den konservativen Islamverbänden und den beängstigenden Massenkundgebungen zur Huldigung des türkischen Staatspräsidenten Erdoğan in Deutschland.

Gibt es den säkularen Islam?

Die deutsche Gesellschaft hingegen hat sich in den letzten Jahren stark bewegt. Über unterschiedliche Beteiligungsmodelle wie Beiräte sind den Islamverbänden - teilweise sogar ohne, dass sie als Religionsgemeinschaft anerkannt sind - viele Mitsprachemöglichkeiten eingeräumt worden.

In Nordrhein-Westfalen dürfen sie sogar Lehrer mit auswählen.

Sie finden, das geht zu weit? Sie haben Recht! Solange weder ein akzeptables Rollenbild der Frau, noch eine konsistente Haltung zum Islamismus erkennbar ist, solange Verbände gestärkt werden, die Muslime aktiv von der Mehrheitsgesellschaft ausgrenzen und „Blut und Boden" sowie Märtyrerrhetorik pflegen, ist jedes Zugeständnis eine Niederlage für unsere säkulare Demokratie.

Wenn man sich nur diese Verbände ansieht, darf man zu Recht die Frage stellen, ob es einen säkularen Islam überhaupt gibt. Es gibt ihn. Aber man findet ihn nicht in den Islamverbänden, sondern bei engagierten Muslimen aus der Nachbarschaft. Sie gilt es zu stärken.

Wir brauchen eine Islamkonferenz 2.0

Was aber bedeutet das für die Islamkonferenz? Was bedeutet es für die Integration der Muslime in Deutschland? Der Ansatz der Islamkonferenz ist richtig. Aber sie muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden.

Der für mich wichtigste Punkt: Die Finanzierung aus dem Ausland muss gestoppt werden. Es gibt viele Moscheevereine, die gute Arbeit leisten. Sie betreiben Jugendarbeit, kümmern sich um Deradikalisierung und Prävention und vermitteln ihren Mitgliedern Werte und Halt in einer für viele noch immer fremden Gesellschaft.

Dieses gute Engagement wird jedoch zunichte gemacht, wenn die finanzielle und strukturelle Abhängigkeit aus dem Ausland nicht endet. Was spricht eigentlich gegen eine Finanzierung der Moscheegemeinden aus den eigenen Mitgliedern heraus? Ich kann mir sogar eine Unterstützung durch die Bundesrepublik vorstellen, wenn wir damit nur die türkischen Staatsprediger und islamistischen Hetzer aus den Moscheen heraushalten können.

Eine Bereitschaft der Verbände dazu ist nicht ansatzweise zu erkennen. Warum eigentlich nicht?

Der deutsche Staat muss mit denen sprechen, die einen aufgeklärten und säkularen Islam in Deutschland leben wollen.

Er muss mit denen sprechen, die sich klar vom Einfluss ausländischer Mächte lossagen. Und er muss mit denen sprechen, die einen Islam vermitteln, der auf Gleichberechtigung und Menschenwürde setzt.

Das bedeutet nicht, die Islamverbände auszugrenzen. Im Gegenteil: nur im kritischen Dialog wird es Fortschritte geben. Wenn aber auch in Zukunft die progressiven Kräfte ausgeschlossen werden, ist über die Islamkonferenz nur eines zu sagen: Sie ist gescheitert.

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