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Berlin trauert - und beweist Haltung

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BREITSCHEIDPLATZ
Pacific Press via Getty Images
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Es schmerzt. Der Anblick des Tatorts, die Gedanken an die Toten, die an Leib und Seele Verletzten, die Hinterbliebenen und Angehörigen. Für sie gibt es in dieser Zeit keinen Trost. Und doch ist es wichtig, dass die öffentliche Anteilnahme da ist. Dass sie spürbar ist.

Sie ist spürbar bei den zahllosen Gedenkgottesdiensten und Schweigeminuten in unserem Land und überall auf der Welt. Sie ist spürbar bei den großen Gedenkfeiern, bei denen die politische Führung des Landes ihre Anteilnahme bekundet.

Sie ist aber vor allem spürbar bei den Menschen unserer Stadt. Und in die Anteilnahme mit den Opfern mischt sich immer auch Mut und Dankbarkeit. Mut, dem menschenverachtenden Terror entgegenzutreten und unsere freie Gesellschaft zu verteidigen. Und Dankbarkeit den vielen Helfern, die selber Furchtbares erlebt haben und trotzdem weitermachen.

Wir sind Ziel der Terroristen

Der Anschlag am Breitscheidplatz macht begreifbar, was unsere Sicherheitsbehörden seit Jahren mit dem Begriff "abstrakt hohe Terrorgefahr" meinen. Als wirtschaftlich starkes Land im Herzen Europas, als politische Führungsnation sind wir Ziel der Terroristen. Und zwar ganz unabhängig davon, wie sich unsere Regierung politisch verhält.

Zur Erinnerung: Es stehen keine deutschen Soldaten in Syrien oder dem Irak. Der Terror des sogenannten Islamischen Staates ist auch deswegen so erschreckend, weil er keine politischen Ziele erreichen will - mit ihm ist nicht zu verhandeln. Er will töten. Er will Angst verbreiten und vor allem: Hass. Er will damit die Grundlagen unserer freiheitlichen Demokratie zerstören, weil er sich vor dem fürchtet, was unsere Gesellschaft ausmacht: Freiheit, Demokratie und Menschenrechte.

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Der Ruf nach Konsequenzen mag angesichts der noch immer unübersichtlichen Lage verfrüht sein. Aber er ist wohl auch richtig. Ohne mutmaßen zu wollen, wie dieser konkrete Anschlag hätte verhindert werden können, müssen wir wieder mehr für unsere Sicherheit tun. Das bedeutet mehr Polizei in Bund und Ländern. Es bedeutet bessere Ausrüstung. Es bedeutet, sehr viel mehr als bisher die technischen Möglichkeiten für die Überwachung von Verdächtigen zu nutzen.

Wir müssen in Zukunft genauso konsequent abschieben, wie wir helfen

Und wir brauchen eine neue Ehrlichkeit in der Flüchtlingspolitik: Wer kein Bleiberecht in unserem Land erhalten kann, muss unser Land verlassen. Wir müssen in Zukunft genauso konsequent abschieben, wie wir helfen. Der breite Konsens für humanitäre Hilfe für Flüchtlinge darf nicht durch den Missbrauch unserer offenen Gesellschaft beschädigt werden.

Eines muss bei allen Maßnahmen aber klar sein: Dieser feige Mord an unschuldigen Menschen darf kein Anlass sein, unsere Werte aufzugeben.

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Ja, wir sind verwundbar. Das hat der perfide Angriff auf das Herz unserer Stadt, auf das politische und gesellschaftliche Zentrum unseres Landes und auf ein Symbol unserer christlich-abendländischen Tradition gezeigt. Attentäter und Mörder - zumal Einzeltäter - können uns treffen. Aber sie werden uns nicht besiegen.

Wenn wir den Zusammenhalt, die Stärke und Solidarität dieser Tage gemeinsam und entschlossen im Kampf gegen Terror, Extremismus und Hass in die Zukunft tragen, haben die Täter versagt. Dann gewinnen wir.

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