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Mit Merkel ist kein Staat zu machen

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
ANGELA MERKEL
Eric Vidal / Reuters
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Die aktuelle deutsche Innen- und Au├čenpolitik und im Speziellen der Konflikt mit der T├╝rkei r├╝cken in immer st├Ąrkerem Ma├če die ewigen Fragen nach den Aufgaben und der angemessenen Au├čendarstellung eines Staates ins Rampenlicht.

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Was die staatlichen Aufgaben betrifft, so ist dies nat├╝rlich ein sehr weites Feld, angefangen beim Fundamental-Anarchisten (der jegliche Art von Staat kategorisch ablehnt, jedoch gleichzeitig auf frische Br├Âtchen und eine funktionierende Toilette Wert legt) bis hin zum Bef├╝rworter des totalen Staats (in welchem er die Br├Âtchen - sofern es denn welche gibt - zugeteilt und seine Toiletteng├Ąnge video├╝berwacht bekommt).

Seine Ursache findet das Vorhandensein einer derart weiten Spanne in der unterschiedlichen Pers├Ânlichkeitsstruktur der jeweiligen B├╝rger, je st├Ąrker der eigene Unabh├Ąngigkeitsdrang und je gr├Â├čer das eigene Selbstbewusstsein, desto weniger Staat w├╝nscht sich ├╝blicherweise der jeweilige B├╝rger.

In der Realit├Ąt sucht jedoch ├╝blicherweise die Mehrzahl der Menschen Orientierung und ein Regelwerk in Form von organisierten Verb├Ąnden, mit dem Nationalstaat, den gro├čen Parteien und Religionsgemeinschaften an der Spitze bis hinunter zu den Kleing├Ąrtnervereinen, der Biertrinkerpartei und der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters.

Als Belohnung f├╝r die Teilnahme erh├Ąlt das jeweilige Individuum dann gef├╝hlte oder ÔÇ×echte" Sicherheit und ein Gef├╝hl von R├╝ckhalt und Identit├Ąt.

An diesem Punkt muss ich mich gerade schmunzelnd daran erinnern, wie ich als Azubi in der Buchhaltung bei Erkl├Ąrung des Aufbaus meiner Lohnsteuerkarte scherzhaft ├Ąu├čerte, ich w├╝rde gerne aus diesem komischen Lohnsteuerverein austreten - und damit unbeabsichtigt fast ein Weltbild ins Wanken brachte. ÔÇ×Aber das ist doch kein Verein!" hie├č es daraufhin sofort emp├Ârt, und ein ÔÇ×Ih, Sie sind ja gar nicht in der Kirche!" wurde noch schnell hinterher geschoben.

Doch unabh├Ąngig von der Frage, wie viel organisierte Hilfestellung und Orientierung das jeweilige Individuum auf seinem Weg durchs Leben nun auch braucht, so denke ich, dass ein Staat die folgenden Regeln nicht verletzen sollte.

1. Ein Staat sollte ein gesundes Ma├č an St├Ąrke demonstrieren und zumindest versuchen den Eindruck zu erwecken, seine Grenzen verteidigen zu k├Ânnen. Ein Staat kann in der Innen- und Au├čendarstellung, auch wenn dies nat├╝rlich nicht mit mathematischen Formeln zu definieren ist, zu stark oder zu schwach auftreten.

F├╝r den Fall, dass er zu schwach auftritt, sinkt sein Ansehen in In- und Ausland und im schlimmsten Fall kommt es als Folge des entstandenen Machtvakuums zu einem B├╝rgerkrieg oder einem Angriff auf sein Territorium.

Generell wird es als normaler angesehen, dass ein Staat zu stark auftritt, da es schlie├člich ein sehr steiniger Weg an die Spitze einer Staatsgang ist und der Gangleader meist f├╝r viele Millionen Homies spricht.

2. Ein Staat sollte das Gef├╝hl vermitteln, dass das Wohl der eigenen B├╝rger im Fokus seines Handels steht.

3. Ein Staat sollte ein positives Gef├╝hl von Identit├Ąt schaffen.

Gleichen wir nun diese Punkte mit der aktuellen Situation in der T├╝rkei und Deutschland ab.

Recep Erdogan macht die T├╝rkei gerade bei einer sich wieder verschlechternden Wirtschaftslage zu einem weit weniger demokratischen Land und erweckt bei Teilen seiner Bev├Âlkerung Tr├Ąume von einem gro├čosmanischen Reich.

Da er glaubt, die EU und im Speziellen das sich immer noch in der moralischer-Gr├Â├čenwahn-Falle befindliche Deutschland in der Hand zu haben, tritt er weitaus st├Ąrker auf, als seine Situation dies eigentlich herg├Ąbe.

Dem durchschnittlichen T├╝rken winken also weniger pers├Ânliche Freiheit und - besonders wenn er in der Touristikbranche arbeitet - weniger Einkommen, aber abh├Ąngig von seiner Einstellung bekommt er gleichzeitig auch einen als sehr positiv empfundenen Boost seiner t├╝rkischen Identit├Ąt, was vielen, sogar wenn sie in einem anderen Land wie z.B. in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, wichtiger ist, so dass alles andere - zumindest f├╝r den Moment - ├╝bert├╝ncht wird. Erdogan = starke T├╝rkei und deshalb ich = Supert├╝rke, genauer brauch ich das jetzt gerade nicht.

Und ja, gr├Â├čere Mengen real existierender Menschen rund um den Globus ticken auch im 21. Jahrhundert tats├Ąchlich immer noch genau so - herrlich in diesem Zusammenhang ├╝brigens der Satz ÔÇ×My governor can beat up your governor" (= mein Gouverneur kann deinen verpr├╝geln, es handelt sich hierbei um einen in den USA recht bekannten Slogan, welcher entstand nachdem der professionelle Wrestler Jesse Ventura 1999 Gouverneur von Minnesota geworden war, und der auch auf T-Shirts, Tassen und Autoaufklebern vermarktet wurde).

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Kommen wir aber nun zum Land derjenigen, die schon l├Ąnger in ihm wohnen. Ja, man merkt es intuitiv an diesem Merkel-Satz - irgendetwas l├Ąuft hier gerade gewaltig schief. Nat├╝rlich sind Grenzen auf unserem Planeten etwas Transit├Ąres, weil ja von Menschen Geschaffenes, Grenzen haben sich immer ver├Ąndert, und sie werden sich auch immer ver├Ąndern - so ja auch die deutschen, zuletzt nach dem Mauerfall.

Philosophisch betrachtet: Nichts geh├Ârt irgendjemanden wirklich dauerhaft und im Endeffekt ist alles bestenfalls auf Lebenszeit geliehen. Jedoch: die Menschen, die in Deutschland leben sind gr├Â├čtenteils Deutsche, sie haben eine deutsche Identit├Ąt und sie leben im Hier und Jetzt. Wer versucht, das zu negieren, der bewegt sich in ein gef├Ąhrliches Niemandsland, in dem sowieso alles v├Âllig egal ist, weil wir in 100 Jahren ja eh alle tot sind.

Es ist wohl etwas grundlegend falsch gelaufen

Nur wenige Menschen lassen sich nun einmal im Alltag von philosophischen ├ťberlegungen leiten und denken in geschichtlichen Dimensionen, und wenn in Westeuropa Bewegungen entstehen, die sich ganz bewusst ÔÇ×Identit├Ąre Bewegung" nennen - ohne dabei er├Ârtern zu wollen, ob diese im Einzelnen nun national, nationalistisch oder nationalsozialistisch sind - dann liegt die ├ťberlegung nahe, dass in den jeweiligen Staaten wohl etwas grundliegend falsch gelaufen sein muss und irgendeine gr├╝ne Nachwuchsjugend oder Antifa einmal zu oft ÔÇ×Fahnen runter zur EM, wer sowas macht, der ist ein Nazi" gegr├Âlt hat.

Anstatt klare Regeln f├╝r die Einwanderung nach Deutschland zu schaffen und zu unterscheiden, begann die deutsche Regierung ab Herbst 2015 alle und alles in einen Topf zu werfen, und jeder der kam, der war ein ÔÇ×Fl├╝chtling", oder besser noch, ein ÔÇ×Gefl├╝chteter", weil ÔÇ×Fl├╝chtling ja so negativ klingt".

Es kamen gr├Â├čtenteils junge M├Ąnner, gezeigt wurden aber traurige kleine M├Ądchen mit Kulleraugen, und wer zu Zeiten des medialen pr├Ą-K├Âln Verschweigekartells geringste Zweifel an den Absurdit├Ąten dieser Politik und ihrer Begr├╝ndungen anmeldete, der war sofort ein Unmensch, den selbst am Strand angesp├╝lte Kinderleichen v├Âllig kalt lie├čen.

Laut des Welt-Journalists Robin Alexander war es letztendlich die Angst vor der rechtlichen Verantwortung und derartigen Bildern und dem daraus folgenden Zorn der deutschen Moralistenelite, der Merkel die bereits in Auftrag gegebene Grenzschlie├čung schlie├člich wieder abblasen lie├č.

Im Oktober 2015 schwenkte Angela Merkel dann bei Anne Will stellvertretend f├╝r Deutschland - ohne hierbei ├╝berhaupt angegriffen geworden zu sein - komplett die wei├če Fahne und erkl├Ąrte, dass es v├Âllig unm├Âglich sei, die 3000 Kilometer deutsche Grenze in moralisch akzeptabler Weise zu sch├╝tzen.

Nach diesem in der Geschichte der BRD beispiellosen staatlichen Offenbarungseid versp├╝rte dann wohl auch der eine oder andere Bundesb├╝rger den dringenden Wunsch, es den Fl├╝chtlingen und Migranten nachzutun und entweder seinen Pass wegzuwerfen oder sich schleunigst irgendwo ein neues Exemplar zu besorgen.

Da derartigen m├Âglichen Fehlentwicklungen jedoch nat├╝rlich entgegengewirkt werden musste, betraten dann im Jahr 2016 staatliche gef├Ârderte Sprach- und Gesinnungsw├Ąchter, allen voran die Amadeu-Antonio-Stiftung unter Leitung von Ex-Stasimitarbeiterin Anette Kahane, die B├╝hne.

Deren Ansatz ist hierbei recht schnell erkl├Ąrt: Wir allein wissen, was die richtige Gesinnung ist, und wer nicht zu 100% f├╝r uns ist, der ist neurechts. Und damit wir auch ja nichts und niemanden vergessen, f├╝hren und ver├Âffentlichen wir nat├╝rlich Listen.

├ťber viele Jahre bestand Angela Merkels ÔÇ×St├Ąrke" in der F├Ąhigkeit, in verh├Ąltnism├Ą├čig ruhigen Zeiten erst einmal abzuwarten und sich dann nach Studium von Meinungsumfragen entspannt in Windrichtung zu positionieren, um so ihre eigenen Umfragewerte weiter zu verbessern.

In Bezug auf Griechenland zeigte sie sogar einmal ├╝bertriebene H├Ąrte, dies h├Âchstwahrscheinlich aber auch nur, weil die Umfragen es gerade hergaben. In einer echten Krisensituation jedoch, wenn eine echte innerliche ├ťberzeugung und die St├Ąrke, auch unpopul├Ąre Entscheidungen, die zun├Ąchst und vielleicht auch dauerhaft Stimmen kosten, zu treffen gefragt sind, da wird der Unterschied zwischen einem Politiker des Kalibers eines Helmut Schmidts und einer Angela Merkel ├╝berdeutlich.

Herbst 2015 - gl├╝ckliche Erinnerungen?

Einige deutsche Bessermenschen m├Âgen ja auch heute noch gl├╝cklich in den Erinnerungen des Jahres 2015 schwelgen, als sie sich jubelnd mit Blumen und Teddyb├Ąren bewarfen, Luftballons verteilten, sich selbst beklatschten und verz├╝ckt den totalen Fl├╝chtling tanzten, und sich dabei auch weiterhin der sch├Ânen Illusion hingeben, dass die V├Âlker dieser Welt auch heute noch voller Bewunderung auf diese neue moralische Herrenrasse schauen.

Na wie jetzt, ruft da jetzt etwa einer ÔÇ×Angela Merkel zerst├Ârt Deutschland"? Na, sowas kann doch im Ernst keiner gesagt haben. Und au├čerdem war's der Trump. Na also. Der Trump. Na, das sagt doch schon alles. Und diese komischen Osteurop├Ąer, die z├Ąhlen nat├╝rlich auch nicht. Wer hat die eigentlich in die EU gelassen?

Doch wie sieht es inzwischen f├╝r Angela Merkel aus? Nachdem sie sich in ihrem fr├╝heren politischen Leben noch vehement und in deutlichen Worten gegen eine EU-Vollmitgliedschaft der T├╝rkei ausgesprochen hatte - Stichwort ÔÇ×dann wei├č man doch, was es bedeutet, wenn noch 25 Millionen t├╝rkische Bauern dazu kommen sollen" (ÔÇ×Heute Show" vom 23.10.2015, ab 10:15) - musste sie sich anschlie├čend auf den Weg nach Canossabul machen und eine unheilige Allianz mit Erdogan eingehen, bei der sie sich weder zwingend in einer Position der St├Ąrke befand noch derzeitig befindet. Denn egal in welche Richtung sie sich auch bewegt - sie kann nicht gewinnen.

Das wiederum ist jetzt nat├╝rlich auch ein unsch├Ânes Bild, aber zum Gl├╝ck f├╝r Merkel zumindest keines, das man online stellen kann.

Doch w├Ąhrend die ganzen ÔÇ×b├Âsen Jungs und M├Ądchen" der deutschen Presse - allen voran der Panzer fahrende und oben ohne reitende Putin - vor Vitalit├Ąt und Tatendrang nur so zu strotzen scheinen, da ist der bleichen Kanzlerin ihr biologisches Alter dem mathematischen inzwischen weit, ja wirklich sehr weit, enteilt. Hier jetzt einfach mal bl├Âd in den Raum gefragt: Wenn heute ein Krieg ausbr├Ąche, wer h├Ątte diese Frau dann gerne an der Spitze seines Teams?

Und f├╝r den Fall, dass dieser Artikel f├╝r einige Leser bisher immer noch nicht anschaulich genug gewesen sein sollte, so k├Ânnen wir zum Abschluss Angela Merkels katastrophale deutsche Au├čendarstellung nat├╝rlich auch noch einmal spa├česhalber auf den Schulhof projizieren.

Angela, was ist deine Nationalit├Ąt? Na, von hier so irgendwo.

Angela, in welche Klasse gehst du? In eine, die es schon l├Ąnger gibt.

Angela, was machst du so? Ich bin Sprecherin einer konservativen Sch├╝lergruppe, find' aber utopische linksgr├╝ne Politik irgendwie sch├Âner. Wobei, so richtig glaub' ich ja eigentlich nicht, dass die auch funktioniert. Na ja, die andern werden schon in f├╝nf Jahren sagen, dass ich gut war. Da glaube ich ganz fest dran.

Angela, hast du einen Spitznamen? Ja, sie nennen mich ÔÇ×Mutti". Ja, ich wei├č, das ist nicht wirklich sexy. Aber daran kann ich nichts machen, damit muss ich leben.

Angela, bist du auf Tinder? Nee, dieses Internetzeugs ist f├╝r mich Neuland, ich kenn' nur Facebook. Aber Facebook ist sch├Ân wie eine Waschmaschine.

Angela, wo wohnst du? In einem sch├Ânen gro├čen Haus. Kommt doch einfach alle mal vorbei. Wem's gef├Ąllt, der kann auch gleich bei uns einziehen.

Angela, seid ihr etwa reich? Ja, sehr reich. Reich jenseits der menschlichen Vorstellungskraft.

Angela, habt ihr denn auch eine Alarmanlage? Nein, sowas brauchen wir doch nicht, wir k├Ânnen ein so gro├čes Haus doch eh nicht vern├╝nftig sch├╝tzen.

Angela! Ja?

Ja, und was k├Ąme wohl dann? Nun, sie ahnen es nat├╝rlich schon:

Du gibst mir jetzt sofort dein Geld und dein Handy, du Opfer.

My governor can - get beaten up by your governor.

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Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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