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Mit Merkel ist kein Staat zu machen

15/03/2017 11:18 CET | Aktualisiert 15/03/2017 11:18 CET
Eric Vidal / Reuters

Die aktuelle deutsche Innen- und Außenpolitik und im Speziellen der Konflikt mit der Türkei rücken in immer stärkerem Maße die ewigen Fragen nach den Aufgaben und der angemessenen Außendarstellung eines Staates ins Rampenlicht.

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Was die staatlichen Aufgaben betrifft, so ist dies natürlich ein sehr weites Feld, angefangen beim Fundamental-Anarchisten (der jegliche Art von Staat kategorisch ablehnt, jedoch gleichzeitig auf frische Brötchen und eine funktionierende Toilette Wert legt) bis hin zum Befürworter des totalen Staats (in welchem er die Brötchen - sofern es denn welche gibt - zugeteilt und seine Toilettengänge videoüberwacht bekommt).

Seine Ursache findet das Vorhandensein einer derart weiten Spanne in der unterschiedlichen Persönlichkeitsstruktur der jeweiligen Bürger, je stärker der eigene Unabhängigkeitsdrang und je größer das eigene Selbstbewusstsein, desto weniger Staat wünscht sich üblicherweise der jeweilige Bürger.

In der Realität sucht jedoch üblicherweise die Mehrzahl der Menschen Orientierung und ein Regelwerk in Form von organisierten Verbänden, mit dem Nationalstaat, den großen Parteien und Religionsgemeinschaften an der Spitze bis hinunter zu den Kleingärtnervereinen, der Biertrinkerpartei und der Kirche des fliegenden Spaghettimonsters.

Als Belohnung für die Teilnahme erhält das jeweilige Individuum dann gefühlte oder „echte" Sicherheit und ein Gefühl von Rückhalt und Identität.

An diesem Punkt muss ich mich gerade schmunzelnd daran erinnern, wie ich als Azubi in der Buchhaltung bei Erklärung des Aufbaus meiner Lohnsteuerkarte scherzhaft äußerte, ich würde gerne aus diesem komischen Lohnsteuerverein austreten - und damit unbeabsichtigt fast ein Weltbild ins Wanken brachte. „Aber das ist doch kein Verein!" hieß es daraufhin sofort empört, und ein „Ih, Sie sind ja gar nicht in der Kirche!" wurde noch schnell hinterher geschoben.

Doch unabhängig von der Frage, wie viel organisierte Hilfestellung und Orientierung das jeweilige Individuum auf seinem Weg durchs Leben nun auch braucht, so denke ich, dass ein Staat die folgenden Regeln nicht verletzen sollte.

1. Ein Staat sollte ein gesundes Maß an Stärke demonstrieren und zumindest versuchen den Eindruck zu erwecken, seine Grenzen verteidigen zu können. Ein Staat kann in der Innen- und Außendarstellung, auch wenn dies natürlich nicht mit mathematischen Formeln zu definieren ist, zu stark oder zu schwach auftreten.

Für den Fall, dass er zu schwach auftritt, sinkt sein Ansehen in In- und Ausland und im schlimmsten Fall kommt es als Folge des entstandenen Machtvakuums zu einem Bürgerkrieg oder einem Angriff auf sein Territorium.

Generell wird es als normaler angesehen, dass ein Staat zu stark auftritt, da es schließlich ein sehr steiniger Weg an die Spitze einer Staatsgang ist und der Gangleader meist für viele Millionen Homies spricht.

2. Ein Staat sollte das Gefühl vermitteln, dass das Wohl der eigenen Bürger im Fokus seines Handels steht.

3. Ein Staat sollte ein positives Gefühl von Identität schaffen.

Gleichen wir nun diese Punkte mit der aktuellen Situation in der Türkei und Deutschland ab.

Recep Erdogan macht die Türkei gerade bei einer sich wieder verschlechternden Wirtschaftslage zu einem weit weniger demokratischen Land und erweckt bei Teilen seiner Bevölkerung Träume von einem großosmanischen Reich.

Da er glaubt, die EU und im Speziellen das sich immer noch in der moralischer-Größenwahn-Falle befindliche Deutschland in der Hand zu haben, tritt er weitaus stärker auf, als seine Situation dies eigentlich hergäbe.

Dem durchschnittlichen Türken winken also weniger persönliche Freiheit und - besonders wenn er in der Touristikbranche arbeitet - weniger Einkommen, aber abhängig von seiner Einstellung bekommt er gleichzeitig auch einen als sehr positiv empfundenen Boost seiner türkischen Identität, was vielen, sogar wenn sie in einem anderen Land wie z.B. in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, wichtiger ist, so dass alles andere - zumindest für den Moment - übertüncht wird. Erdogan = starke Türkei und deshalb ich = Supertürke, genauer brauch ich das jetzt gerade nicht.

Und ja, größere Mengen real existierender Menschen rund um den Globus ticken auch im 21. Jahrhundert tatsächlich immer noch genau so - herrlich in diesem Zusammenhang übrigens der Satz „My governor can beat up your governor" (= mein Gouverneur kann deinen verprügeln, es handelt sich hierbei um einen in den USA recht bekannten Slogan, welcher entstand nachdem der professionelle Wrestler Jesse Ventura 1999 Gouverneur von Minnesota geworden war, und der auch auf T-Shirts, Tassen und Autoaufklebern vermarktet wurde).

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Kommen wir aber nun zum Land derjenigen, die schon länger in ihm wohnen. Ja, man merkt es intuitiv an diesem Merkel-Satz - irgendetwas läuft hier gerade gewaltig schief. Natürlich sind Grenzen auf unserem Planeten etwas Transitäres, weil ja von Menschen Geschaffenes, Grenzen haben sich immer verändert, und sie werden sich auch immer verändern - so ja auch die deutschen, zuletzt nach dem Mauerfall.

Philosophisch betrachtet: Nichts gehört irgendjemanden wirklich dauerhaft und im Endeffekt ist alles bestenfalls auf Lebenszeit geliehen. Jedoch: die Menschen, die in Deutschland leben sind größtenteils Deutsche, sie haben eine deutsche Identität und sie leben im Hier und Jetzt. Wer versucht, das zu negieren, der bewegt sich in ein gefährliches Niemandsland, in dem sowieso alles völlig egal ist, weil wir in 100 Jahren ja eh alle tot sind.

Es ist wohl etwas grundlegend falsch gelaufen

Nur wenige Menschen lassen sich nun einmal im Alltag von philosophischen Überlegungen leiten und denken in geschichtlichen Dimensionen, und wenn in Westeuropa Bewegungen entstehen, die sich ganz bewusst „Identitäre Bewegung" nennen - ohne dabei erörtern zu wollen, ob diese im Einzelnen nun national, nationalistisch oder nationalsozialistisch sind - dann liegt die Überlegung nahe, dass in den jeweiligen Staaten wohl etwas grundliegend falsch gelaufen sein muss und irgendeine grüne Nachwuchsjugend oder Antifa einmal zu oft „Fahnen runter zur EM, wer sowas macht, der ist ein Nazi" gegrölt hat.

Anstatt klare Regeln für die Einwanderung nach Deutschland zu schaffen und zu unterscheiden, begann die deutsche Regierung ab Herbst 2015 alle und alles in einen Topf zu werfen, und jeder der kam, der war ein „Flüchtling", oder besser noch, ein „Geflüchteter", weil „Flüchtling ja so negativ klingt".

Es kamen größtenteils junge Männer, gezeigt wurden aber traurige kleine Mädchen mit Kulleraugen, und wer zu Zeiten des medialen prä-Köln Verschweigekartells geringste Zweifel an den Absurditäten dieser Politik und ihrer Begründungen anmeldete, der war sofort ein Unmensch, den selbst am Strand angespülte Kinderleichen völlig kalt ließen.

Laut des Welt-Journalists Robin Alexander war es letztendlich die Angst vor der rechtlichen Verantwortung und derartigen Bildern und dem daraus folgenden Zorn der deutschen Moralistenelite, der Merkel die bereits in Auftrag gegebene Grenzschließung schließlich wieder abblasen ließ.

Im Oktober 2015 schwenkte Angela Merkel dann bei Anne Will stellvertretend für Deutschland - ohne hierbei überhaupt angegriffen geworden zu sein - komplett die weiße Fahne und erklärte, dass es völlig unmöglich sei, die 3000 Kilometer deutsche Grenze in moralisch akzeptabler Weise zu schützen.

Nach diesem in der Geschichte der BRD beispiellosen staatlichen Offenbarungseid verspürte dann wohl auch der eine oder andere Bundesbürger den dringenden Wunsch, es den Flüchtlingen und Migranten nachzutun und entweder seinen Pass wegzuwerfen oder sich schleunigst irgendwo ein neues Exemplar zu besorgen.

Da derartigen möglichen Fehlentwicklungen jedoch natürlich entgegengewirkt werden musste, betraten dann im Jahr 2016 staatliche geförderte Sprach- und Gesinnungswächter, allen voran die Amadeu-Antonio-Stiftung unter Leitung von Ex-Stasimitarbeiterin Anette Kahane, die Bühne.

Deren Ansatz ist hierbei recht schnell erklärt: Wir allein wissen, was die richtige Gesinnung ist, und wer nicht zu 100% für uns ist, der ist neurechts. Und damit wir auch ja nichts und niemanden vergessen, führen und veröffentlichen wir natürlich Listen.

Über viele Jahre bestand Angela Merkels „Stärke" in der Fähigkeit, in verhältnismäßig ruhigen Zeiten erst einmal abzuwarten und sich dann nach Studium von Meinungsumfragen entspannt in Windrichtung zu positionieren, um so ihre eigenen Umfragewerte weiter zu verbessern.

In Bezug auf Griechenland zeigte sie sogar einmal übertriebene Härte, dies höchstwahrscheinlich aber auch nur, weil die Umfragen es gerade hergaben. In einer echten Krisensituation jedoch, wenn eine echte innerliche Überzeugung und die Stärke, auch unpopuläre Entscheidungen, die zunächst und vielleicht auch dauerhaft Stimmen kosten, zu treffen gefragt sind, da wird der Unterschied zwischen einem Politiker des Kalibers eines Helmut Schmidts und einer Angela Merkel überdeutlich.

Herbst 2015 - glückliche Erinnerungen?

Einige deutsche Bessermenschen mögen ja auch heute noch glücklich in den Erinnerungen des Jahres 2015 schwelgen, als sie sich jubelnd mit Blumen und Teddybären bewarfen, Luftballons verteilten, sich selbst beklatschten und verzückt den totalen Flüchtling tanzten, und sich dabei auch weiterhin der schönen Illusion hingeben, dass die Völker dieser Welt auch heute noch voller Bewunderung auf diese neue moralische Herrenrasse schauen.

Na wie jetzt, ruft da jetzt etwa einer „Angela Merkel zerstört Deutschland"? Na, sowas kann doch im Ernst keiner gesagt haben. Und außerdem war's der Trump. Na also. Der Trump. Na, das sagt doch schon alles. Und diese komischen Osteuropäer, die zählen natürlich auch nicht. Wer hat die eigentlich in die EU gelassen?

Doch wie sieht es inzwischen für Angela Merkel aus? Nachdem sie sich in ihrem früheren politischen Leben noch vehement und in deutlichen Worten gegen eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei ausgesprochen hatte - Stichwort „dann weiß man doch, was es bedeutet, wenn noch 25 Millionen türkische Bauern dazu kommen sollen" („Heute Show" vom 23.10.2015, ab 10:15) - musste sie sich anschließend auf den Weg nach Canossabul machen und eine unheilige Allianz mit Erdogan eingehen, bei der sie sich weder zwingend in einer Position der Stärke befand noch derzeitig befindet. Denn egal in welche Richtung sie sich auch bewegt - sie kann nicht gewinnen.

Das wiederum ist jetzt natürlich auch ein unschönes Bild, aber zum Glück für Merkel zumindest keines, das man online stellen kann.

Doch während die ganzen „bösen Jungs und Mädchen" der deutschen Presse - allen voran der Panzer fahrende und oben ohne reitende Putin - vor Vitalität und Tatendrang nur so zu strotzen scheinen, da ist der bleichen Kanzlerin ihr biologisches Alter dem mathematischen inzwischen weit, ja wirklich sehr weit, enteilt. Hier jetzt einfach mal blöd in den Raum gefragt: Wenn heute ein Krieg ausbräche, wer hätte diese Frau dann gerne an der Spitze seines Teams?

Und für den Fall, dass dieser Artikel für einige Leser bisher immer noch nicht anschaulich genug gewesen sein sollte, so können wir zum Abschluss Angela Merkels katastrophale deutsche Außendarstellung natürlich auch noch einmal spaßeshalber auf den Schulhof projizieren.

Angela, was ist deine Nationalität? Na, von hier so irgendwo.

Angela, in welche Klasse gehst du? In eine, die es schon länger gibt.

Angela, was machst du so? Ich bin Sprecherin einer konservativen Schülergruppe, find' aber utopische linksgrüne Politik irgendwie schöner. Wobei, so richtig glaub' ich ja eigentlich nicht, dass die auch funktioniert. Na ja, die andern werden schon in fünf Jahren sagen, dass ich gut war. Da glaube ich ganz fest dran.

Angela, hast du einen Spitznamen? Ja, sie nennen mich „Mutti". Ja, ich weiß, das ist nicht wirklich sexy. Aber daran kann ich nichts machen, damit muss ich leben.

Angela, bist du auf Tinder? Nee, dieses Internetzeugs ist für mich Neuland, ich kenn' nur Facebook. Aber Facebook ist schön wie eine Waschmaschine.

Angela, wo wohnst du? In einem schönen großen Haus. Kommt doch einfach alle mal vorbei. Wem's gefällt, der kann auch gleich bei uns einziehen.

Angela, seid ihr etwa reich? Ja, sehr reich. Reich jenseits der menschlichen Vorstellungskraft.

Angela, habt ihr denn auch eine Alarmanlage? Nein, sowas brauchen wir doch nicht, wir können ein so großes Haus doch eh nicht vernünftig schützen.

Angela! Ja?

Ja, und was käme wohl dann? Nun, sie ahnen es natürlich schon:

Du gibst mir jetzt sofort dein Geld und dein Handy, du Opfer.

My governor can - get beaten up by your governor.

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