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Die Vegan-Pioniere: Sie machen Druck!

17/01/2015 16:19 CET | Aktualisiert 19/03/2015 10:12 CET

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Deutschlands erste und bislang einzige vegane Werbeagentur und Druckerei macht mächtig Druck.

Vegan ist sprichwörtlich in aller Munde. Eine Mensa nach der anderen bietet vegane Speisen an, überall schießen vegane Restaurants wie Pilze aus dem Boden und eine vegane Supermarktkette eröffnet europaweit ihre Filialen. Keine Frage: vegan ist angesagt. Und wer bisher über die Pflanzenesser nur müde lächelte, erkennt spätestens jetzt, dass man sie ernst nehmen sollte. Immer mehr konventionelle Restaurants bespicken ihre Speisekarten mit rein-pflanzlichen Gerichten und im Sommer 2014 stellte sich selbst Starkoch Alfons Schuhbeck im ZDF dem Duell mit einem Vegan-Koch - und verlor. Aber ist es nur ein neuer Trend, der vor etwa drei Jahren einsetzte und sicher in zwei bis drei Jahren auch wieder vergessen sein wird? Mitnichten. Vegane Unternehmen gibt es schon wesentlich länger. Sie legten die Grundsteine für den veganen Boom, den wir heute erleben.

Im 3. Teil unserer Serie „Die Vegan-Pioniere" besuchen wir die bis heute einzige vegane Werbeagentur und Druckerei Deutschlands: Voice-Design.

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Ich habe mich mit dem Gründer und Inhaber, Andreas Bender, in einem Café verabredet. Als ich es betrete winkt er mich auch schon zu sich an den Tisch. Für einen Unternehmer sieht er sehr jung aus, denke ich mir. Ob das die gesunde Ernährung macht? Kaffee trinkt er schon mal keinen. Ein Glas Wasser steht vor ihm auf dem Tisch. Ich kann allerdings nicht anders und bestelle mir eine Tasse schwarzes Gold. Nein, das habe keine gesundheitlichen Gründe, lacht Bender. Kaffee schmecke ihm einfach nicht. Dennoch möchte ich von ihm wissen, wie alt er ist. Seine Antwort kann ich kaum glauben: 37 Jahre. Geschätzt hätte ich ihn auf Ende zwanzig. Aber spätestens mit seiner Erzählung, wie alles begann, hätte ich dann auch bemerkt, dass Ende zwanzig unrealistisch ist.

"Also eigentlich begann alles schon vor zwanzig Jahren", sagt er. "Damals war ich noch ein Teenager. Denn die Grundlage für mein Unternehmen war ausgerechnet ein nur Verluste einfahrendes Magazin."

"Auch ich bin nicht perfekt"

Böse Zungen würden Andreas Bender als Gutmenschen bezeichnen, denn er engagiert sich an allen denkbaren Fronten. Seit vielen Jahren setzt er sich für Menschenrechte, Tierrechte und die Natur ein. Er geht gegen Abschiebung, Tierversuche oder die Atomkraft auf die Straße, isst möglichst regional, bio und vegan, vermeidet wo es möglich ist Plastik und achtet auf die Arbeitsbedingungen, unter denen seine Kleidung produziert wurde.

"Aber auch ich bin nicht perfekt und werde es auch niemals sein", betont Bender. "Unser Leben ist eine riesige Baustelle. Nur lasse ich meine Baustelle eben nicht brach liegen sondern nehme mir immer wieder einen neuen Teilbereich vor und versuche, wenigstens diesen fertigzustellen. Dann kommt der nächste Bereich dran." Wichtig sei vor allen Dingen, dass man ein Problem als solches erkenne. Wenn man dann noch daran arbeite, sei schon viel gewonnen.

Sein erster Teilbereich waren Tierschutz und Tierrechte. Im Januar 1995 gab er die erste Ausgabe eines Tierrechtsmagazins heraus. Er nannte es "Voice", weil es als Stimme der Tiere dienen sollte. Das Magazin warf keinen müden Pfennig ab. Im Gegenteil: es kostete weit mehr, als es einbrachte. Um die Verluste etwas aufzufangen, verkaufte Bender Anzeigenplatz. Doch die veganen Firmen der 1990er Jahre waren werbetechnisch sehr schlecht aufgestellt: "Anzeigenvorlagen hatte nahezu niemand parat."

Also machte er ihnen das Angebot, eine Anzeige für kleines Geld zu gestalten. Und das funktionierte. Bald traten die Firmen auch mit der Frage an ihn heran, ob er ihnen neben den Anzeigen auch Flugblätter oder Kataloge gestalten könne. Das war im Jahr 2000 und die Geburt von Voice-Design.

Die ersten Jahre

Genau wie Andreas Bender entwickelte sich auch sein Magazin weiter. Neben Tierrechtsartikeln gesellten sich auch Beiträge zu Menschenrechts- und Umweltschutzthemen hinzu. Das Magazin wurde nach zehn Jahren eingestellt - Voice-Design blieb bestehen. "Voice-Design war anfangs eine Ein-Mann-Werbeagentur. Ich gestaltete und arbeitete mit Druckereien zusammen, die dann für mich produzierten", erzählt Bender.

Doch mit den Jahren wuchs das Unternehmen. Aus dem 1-Mann-Betrieb wurde ein 8-köpfiges Team, welches Kunden in aller Welt bedient. Die Firmenfläche verdreizehnfachte sich und es kamen immer mehr Maschinen dazu. "Wann immer ein paar Euro übrig waren, investierte ich, so dass wir heute eine dieser seltenen Mischungen aus Werbeagentur und Druckerei sind."

Ob solch ein Hybrid eher ein Vorteil oder ein Nachteil sei, will ich wissen. "Ganz klar ein Vorteil. Die meisten Werbeagenturen sind kreativ, haben aber keine Ahnung von der Produktion. Die Druckereien bekommen dann die Daten und müssen diese langwierig überarbeiten, damit sie überhaupt ordentlich gedruckt werden können. Wenn wir Mist bauen sollten, bekämen wir die Daten gleich vom Kollegen um die Ohren gehauen. Da auch unsere Kreativen hautnah an der Produktion arbeiten, wissen sie genau, was geht und was nicht."

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Von der Visitenkarte bis zum Werbefilm

Nach vierzehn Jahren ist das Portfolio auf einen beachtlichen Umfang angewachsen: Gestaltung, Offet- und Digitaldruck, Großformatdruck, Textildruck, Werbemittel, Webdesign, CDs und DVDs und nun auch noch Videoproduktion. Verzettelt man sich da nicht?

"Ja, wir sind jetzt auch in der Videoproduktion unterwegs, das ist richtig. Wir hatten im Mai 2013 die Möglichkeit, einmal für unseren Kunden SOKO Tierschutz reinzuschnuppern. Wir konzeptionierten einen Kampagnenfilm gegen Nerzöl, die Umsetzung erfolgte aber mit externen Kollegen. Nun haben wir einen neuen Mitarbeiter eingestellt, der sich in Sachen Videoschnitt, Special Effects usw. sehr gut auskennt, so dass wir mehr im eigenen Haus umsetzen können. Aber wir gehen die Sache langsam an. Das verringert die Stolpergefahr."

Dennoch ist die Produktpalette überraschend groß, hake ich nach.

"Ja und nein. Einerseits bieten wir viel an, das ist richtig. Andererseits ist diese Produktpalette in den vergangenen 14 Jahren natürlich gewachsen und nicht von jetzt auf gleich aus dem Boden gestampft worden. Das ist ein großer Unterschied."

"Es geht darum, wie die Gelder erwirtschaftet werden."

Apropos 'natürlich': Die gesamte Produktion soll so umweltfreundlich wie möglich vonstatten gehen. Wie klappt das denn in der Praxis mit der Nachhaltigkeit?

"Ich spreche ungern von Nachhaltigkeit", antwortet Bender. "Das wird gerne - so wie in Ihrer Frage auch - auf Umweltschutz heruntergebrochen. Dabei geht wirkliche Nachhaltigkeit viel weiter. Außerdem ist Nachhaltigkeit momentan so sehr gefragt, dass gleichzeitig unheimlich viel Greenwashing betrieben wird. Unter Corporate Social Responsibility (CSR) wird beispielsweise die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen als Teil des nachhaltigen Wirtschaftens verstanden. Dieser Begriff ist weltweit etabliert, wird aber sehr unterschiedlich definiert und teilweise auch irreführend ausgelegt."

Die Corporate Social Responsibility betreffe das Kerngeschäft, welches durch die Globalisierung ökonomische, ökologische und soziale Zustände weltweit beeinflusse. Viele Unternehmen verwechselten dies jedoch mit Corporate Citizenship, eine zusätzliche Aktivität (Spenden, Sponsoring etc.). "Sie geben sich als Wohltäter, weil sie der Tafel ein Auto finanzieren, dabei bräuchte Deutschland eventuell gar keine Tafel, wenn die Unternehmen verantwortungsvoll geführt würden", so Bender. "Es geht nicht nur darum, was mit den erwirtschafteten Geldern geschieht, sondern vor allem auch darum, wie sie überhaupt erst erwirtschaftet werden. Um Missverständnissen vorzubeugen sprechen immer mehr Unternehmen nur noch von der Corporate Responsibility (CR), also der Verantwortung für die Folgen der unternehmerischen Aktivitäten. Das Unternehmen soll zeigen, dass sich ethische Standards (soziale wie auch ökologische) und wirtschaftliche Erfolge nicht ausschließen müssen."

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Bender: "Rotaugenfrösche sind so farbenfroh wie unsere Kreativität - und wir tun alles, um ihren Lebensraum zu schützen."

Daher auch der Voice-Design-Slogan „überraschend ethisch"?

"Richtig", so Bender. "Die Werbebranche ist ja nicht gerade bekannt dafür, besonders gewissenhaft zu arbeiten. Werbeagenturen gelten als Lügner, die alles verkaufen - Hauptsache, es bringt Geld ein. Und spätestens seit dem Aufkommen der Onlinedruckereien hat auch die Druckereibranche Kratzer im Lack. Da geht es ja nur noch um die Massenabfertigung. Weder die Druck- und Verarbeitungsqualität kann im gleichen Maße wie bei einer normalen Druckerei sichergestellt werden, noch kann eine inhaltliche Prüfung von Auftraggeber und Auftrag erfolgen. Das ist etwas, was wir partout nicht haben wollen. Wir halten die Qualität hoch und werden nicht für Unternehmen arbeiten, gegen die wir am Wochenende demonstrieren."

"Wir arbeiten nicht für jeden."

Sie lehnen also Aufträge ab?

"Öfter als uns lieb ist", antwortet Bender. "Und es waren schon wirklich lukrative Aufträge dabei. Aber wir arbeiten eben weder für Faschisten noch für die Pharma- oder Atomindustrie. Es ist nur immer wieder erschreckend, dass diese Firmen bei uns nachfragen. Schließlich verstecken wir unsere Firmenphilosophie nicht."

Müssen also alle Kunden vegan leben?

"Nein. Aber wir wollen nicht unter der Woche das Geschäft der Firmen ankurbeln, gegen die wir am Wochenende auf die Straße gehen. Wir arbeiten zum Beispiel seit vielen Jahren für die Firma GRAWE. Das ist kein ausgesprochen veganes Unternehmen. Was deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter essen, entzieht sich vollends meiner Kenntnis. Aber wenn wir Werbung für deren Kabel und Steckverbindungen drucken, haben wir keine Gewissensbisse. Gleiches gilt für die Umweltschutzorganisation Robin Wood oder Panduit, ein weltweit führender Ent­wick­ler und Anbieter im Bereich der Op­ti­mie­rung phy­si­ka­li­scher Infrastruktur. Sie alle bezeichnen sich nicht als vegan, aber ihr Geschäftsgebiet steht unseren ethischen Ansichten nicht entgegen. Also arbeiten wir sehr gerne für sie."

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Aber die meisten Kunden sind vegan?

"Vielleicht nicht die meisten, aber viele sind vegan", bestätigt Bender. "Wir arbeiten zum Beispiel seit fast zehn Jahren für Alpro und Provamel, die Marktführer im Bereich Soja-Produkte. Einer unserer ältesten Kunden ist Deutschlands erster veganer Onlineshop Radix und erst kürzlich gewannen wir Wilmersburger als Kunden. Sie produzieren Käsealternativen.

Aber um auf Ihre eigentliche Frage zurückzukommen: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das ist ganz klar. Wir können uns nicht auf diesem Planeten bewegen, ohne Spuren zu hinterlassen. Aber wir bewegen uns so, dass wir immer etwas weniger Schaden anrichten. Wie ich schon sagte: Es gibt viele Baustellen - wichtig ist, sie zu erkennen und nach und nach abzuarbeiten."

Sehnen im Papier, Knochen im Leim

Nun mal Butter bei die Fische: Was ist denn an Voice-Design besonders ethisch - abgesehen davon, dass Sie nicht jeden Auftrag akzeptieren? Sie kochen doch auch nur mit Wasser oder druckt die Konkurrenz auf fleischhaltigem Papier?

"Sie glauben nicht, wie nah Sie dran sind", antwortet Bender schmunzelnd. "Papier kann tatsächlich tierliche Stoffe enthalten. Gelatine zum Beispiel. Und die wird aus Schlachtprodukten von Schweinen, Rindern, Fischen und anderen Tieren hergestellt. Auch Klebstoffe können Knochen enthalten. Wenn wir Schreibblöcke oder Aufkleber produzieren, können unsere Kundinnen und Kunden sicher sein, dass die Produkte 'clean' sind. Genau wie unsere Farben und alles andere auch. Abgesehen davon arbeiten wir mit besonders umweltfreundlichen Materialien aus fairer Produktion."

Moderne Sklaverei

"Faire Produktion" ist ein gutes Stichwort. Das erinnert mich direkt an die schrecklichen Nachrichtenmeldungen über abgebrannte Textilfabriken in Bangladesh mit unzähligen Toten. Immer wieder ertönte ein Aufschrei. Aber hat sich dadurch etwas gändert? Und woher bezieht Voice-Design seine Textilien? Wie sicher sind Sie sich, dass die T-Shirts nicht aus solchen Fabriken stammen?

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"Sehr sicher", sagt er selbstbewusst. "Aber so hart es klingen mag: das Problem ist nicht der Brand. Ein Feuer kann überall ausbrechen. Das Problem sitz viel tiefer: Die Menschen dort sind keine Arbeiter, sondern moderne Sklaven. Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes eingesperrt. Wenn dann ein Feuer ausbricht, zeigt sich erst, wie es den Menschen dort jeden Tag ergeht. Wir brauchen faire und sicherer Arbeitsbedingungen, faire Löhne, Versammlungsfreiheit und vieles mehr. Und zwar nicht nur auf dem Papier. Es gibt viele Institutionen, die vorgeben, so etwas sicherzustellen. Aber nur die wenigsten halten das, was sie versprechen. Oftmals gilt es schon als fair, wenn die laschen Gesetze des Drittweltstaates eingehalten werden. Da kann ich nur lachen! Jetzt wird man schon zertifiziert, wenn man sich ans Gesetz hält..."

Links: Modische Kleidung aus Biobaumwolle und fairer Produktion.

Woher weiß man dann, wem man vertrauen kann, will ich wissen. "Informieren, recherchieren, nachhaken", antwortet Bender. "Das ist viel Arbeit, kostet Zeit. Aber wenn man es ernst meint, ist man auch bereit, diese Zeit zu investieren. Wir bieten momentan nur Textilien von einer Hand voll Herstellern an. Aber damit können wir fast jeden Kundenwunsch erfüllen und uns sicher sein, dass hier keine Menschen ausgebeutet werden. Und die meisten Textilien sind außerdem noch bio."

Ist vegan ein Trend?

Sie sprachen eben von Firmen, die Nachhaltigkeit als Trend ansehen und Greenwashing betreiben. Sehen Sie auch den Veganismus als Trend an?

"In gewisser Weise schon. Und ich bin mir noch nicht so sicher, was ich davon halten soll."

Warum?

"Nun ja, wir kennen das von der Mode", sagt Bender. "Alle tragen schwarz. Dann kommen die Designer und erklären Rot zur Farbe des Sommers 2015 und schwupps trägt jeder Rot. Da denkt niemand groß drüber nach - die Menschen schwimmen mit dem Strom. Früher war vegan nicht 'in'. Ganz im Gegenteil. Ein Veganer war ein Außenseiter. Von wenigen Ausnahmen abgesehen konntest du davon ausgehen, dass ein vegan lebender Mensch sich wirklich Gedanken gemacht hat und aus tiefer Überzeugung vegan wurde. Heute bin ich mir da nicht so sicher. Manche finden es sicher nur cool, weil sie überall von vegan hören und wissen, dass ihr Idol vegan lebt. Ob nun Spiderman Tobey Maguire, 'Captain' Johnny Depp oder der Comedian Kaya Yanar. Der Vorteil ist allerdings, dass mehr Menschen durch diesen 'Trend' offener sind für diese sozial gerechtere, umweltfreundlichere, gesündere und natürlich nicht zuletzt tierfreundlichere Lebensweise. Vielleicht machen sich doch mehr Menschen ernsthafte Gedanken darüber, als ich denke. Ich hoffe es."

Von der Schattenseite des veganen Booms

Sie selbst wurden vor etwas mehr als 19 Jahren vegan. Damals sah es in den Geschäften sicher noch anders aus.

"Ganz anders! Als ich vegan wurde, gab es in den Supermärkten noch nicht einmal Sojamilch", erzählt Bender. "Aber so sehr ich mich darüber freue, dass es nun so einfach geworden ist, sich auch mit Alternativen für Fleisch, Milch, Käse usw. einzudecken, so kritisch sehe ich das auch. Denn die Schattenseite dieses Booms ist, dass nun die Pioniere der veganen Wirtschaft - also die veganen Geschäfte und Versände, die schon seit vielen jahren ums Überleben kämpfen und einen entscheidenden Beitrag zum heutigen Boom beigetragen haben - von Aldi & Co. verdrängt werden."

Ja, das wird wohl so kommen. Wie in jeder anderen Branche auch. Die Kleinen fallen hinten runter.

"Verstehen Sie mich nicht falsch", schiebt Bender nach. "Die Menschen sollten immer dort abgeholt werden, wo sie stehen. Also auch im Supermarkt. Aber ich sehe diese Entwicklung eben auch kritisch. Ich kaufe meine Lebensmittel immer noch lieber bei einem Vegan-Versand oder meine Elektrogeräte beim kleinen Händler vor Ort, als bei den großen Ketten."

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Für den Münchner Vegan-Supermarkt und Onlineshop Radix produzierte Voice-Design diese konturgefräste, mannshohe Logo-Figur.

Was bringt die Zukunft?

Wo sehen Sie den Veganismus im Jahr 2015, 2020 und 2025?

"Das ist schwer zu sagen. Ich denke - ich hoffe! - dass die vegane Lebensweise weiter auf dem Vormarsch sein wird und die Menschen auf Dauer ein anderes Verhältnis zu nicht-menschlichen Tieren und der Natur im Allgemeinen aufbauen."

Ich hake nach: Wie sieht denn die in Ihren Augen perfekte Gesellschaft aus?

"Ich sehe das Problem in der Grundeinstellung der meisten Menschen. Im Egoismus. Ganz oben stehen sie selbst. Und ob sie irgendwem sonst Rechte zugestehen, hängt davon ab, ob das ihr eigenes Leben - oder sagen wir besser: ihren eigenen Lebenswandel - beeinträchtigen könnte."

Sprechen Sie jetzt von Tierschutz?

"Nein, es geht hier gar nicht um Tierschutz. Wenn, dann geht es um Tierrechte. Tierschutz hat etwas mit Gefühlen zu tun. Der Tierschützer schaut erstmal, um welches Tier es sich handelt. Ein Hund oder eine Katze ist für ihn in der Regel mehr wert als ein Rind, ein Schwein oder ein Huhn. Hund und Katze dürfen keinesfalls schlecht gehalten oder gar getötet werden. Sie werden immer schön gestreichelt und verhätschelt. Rind, Schwein und Huhn hingegen will der Tierschützer essen. Aber sie sollen bis zu ihrem Tod möglichst wenig leiden."

Tierrechte seien hingegen etwas grundlegend anderes, so Bender. Sie hätten weniger mit Gefühlen als mit Gerechtigkeit zu tun. "Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir unsere Menschenrechte begründen", so Bender. Diese Gründe seien dann 1:1 auf Tiere übertragbar.

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Textilfabrik in Dhaka, Bangladesh. Foto: NaZemi

"Wir halten ja nicht einmal die Menschenrechte ein"

Das Problem sitze aber sogar noch viel tiefer: "Wir halten ja nicht einmal die Menschenrechte ein. Alle Welt rennt in diese unsäglichen PRIMARK-Läden. So eine Filiale macht bis zu 900.000 Euro Umsatz am Tag. Das müssen Sie sich mal vorstellen: fast eine Million Euro Umsatz täglich. Und das mit Ausbeutungskleidung zu Dumpingpreisen. Warum gibt es noch immer die Textilfabriken, die die Menschen ausbeuten? Warum dürfen Textilien aus solchen Fabriken noch immer hier gehandelt werden? Warum dürfen Produkte verkauft werden, die uns oder der Natur großen Schaden anrichten? Warum arbeiten unsere Volksvertreter nicht für das Volk, sondern für Großkonzerne und verkaufen damit unsere Sicherheit und unsere Gesundheit?

Ganz einfach: Weil unsere eigenen Ethik-Standards in die Tonne getreten werden, sobald wir uns umstellen müssten oder weniger Geld in unser Säckel fließen würde.

Unsere Gesellschaft muss sich darüber klar werden, dass wir mit Egoismus nicht weiterkommen. Denn wenn jeder sich selbst der Nächste ist, dann sind alle um dich herum deine Feinde. Wer will denn so leben?"

Ich spüre deutlich, dass ihm das Thema sehr wichtig ist und ihn aufwühlt. Ein wirklich eleganter Übergang zur nächsten Frage ist kaum möglich. Also stelle ich sie einfach: Wohin sich die Gesellschaft entwickeln sollte, wissen wir nun. Wo sehen Sie Voice-Design 2015, 2020 und 2025?

„Also 2015 sehen wir uns in einer großen Party wieder, denn das ist ja unser Jubiläumsjahr. Das heißt, wir werden jeden Monat mit einem super Angebot aufwarten und in einem großen Gewinnspiel ein verlängertes, veganes Wohlfühl-Wochenende im Berliner Bio-Hotel essentis verlosen. Natürlich hoffen wir, dass unsere Qualität und Ehrlichkeit von unseren Kundinnen und Kunden weiterhin honoriert wird und es uns 2020 und 2025 immer noch geben wird."

Nächsten Samstag:

Im 4. Teil der Serie "Die Vegan-Pioniere" erfahren Sie, welche Pioniere den Markt mit veganen Innovationen versorgen.

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