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Kiffen macht dumm!

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KIFFEN
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Es scheint, als würde die Huffington Post Deutschland zum Vorreiter der Hanf-Legalisierungs-Debatte werden wollen. In immer kürzer werdenden Abständen erscheinen hier Artikel mit Titeln wie „10 Krankheiten, bei deren Behandlung Cannabis helfen kann" oder „7 Gründe, warum Deutschland die Cannabis-Legalisierung braucht".

Den Kommentaren zu diesen Artikeln bei Facebook kann man entnehmen, dass viele Leser etwas genervt sind von dieser, ja ich würde schon fast „Werbung" sagen. Und auch mir geht es so, dass ich mir eine etwas kritischere Darstellung wünsche - und das, obwohl ich gegen eine Legalisierung gar nichts einzuwenden hätte.

Vor allem geht es mir so, seit ich den Artikel „Studie belegt: Kiffende Schüler sind schlauer" gelesen habe, der eigentlich nur aus Fehlschlüssen und unrichtigen Behauptungen besteht.

„Der wohl größte Mythos, der sich um Marihuana rankt, lautet: Kiffen macht dumm. Und dabei fehlt es nicht nur an Beweisen für diese Theorie - sie ist auch längst widerlegt worden", ist da zu lesen. Als Beleg hierfür wird, natürlich ohne genaue Quellenangabe, eine schweizer Studie aus dem Jahr 2007 angeführt, in der gezeigt worden sei, dass kiffende Schülerinnen und Schüler schlauer seien als ihre nicht-kiffenden Mitschüler.

Ein genauerer Blick auf die Studie, bei der über 5.000 Schülerinnen und Schüler untersucht wurden (die Studie findet ihr hier), zeigt, dass die Studie eben kein Beleg für die These „Kiffen macht schlau" ist, wie das obige Zitat suggeriert.

Die Studie zeigt zunächst nur eine Sache: Schülerinnen und Schüler, die Kiffen, aber keine Zigaretten konsumieren, sind im Schnitt schlauer (gemessen in Schulnoten) als Kinder, die kiffen und rauchen oder gar nicht kiffen. Das bedeutet aber nur, dass die erste Gruppe etwas intelligenter ist, nicht, dass sie durch das Kiffen so geworden ist. Tatsächlich haben die kiffenden Nicht-Raucher auch ein besseres Verhältnis zu ihren Freunden, die Studie zeigt aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Schüler dieser Kategorie auch andere illegale Drogen konsumieren.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, „dass der frühe Cannabis-Konsum mit problematischem Konsum von mehreren anderen Drogen in Verbindung steht und dass Heranwachsende, die kiffen und Tabak rauchen, häufiger auch zu übermäßigem Alkoholkonsum neigen als diejenigen, die nur Cannabis rauchen."

Und die Studie zeigt auch, dass die kiffenden Schüler ein schlechteres Verhältnis zu ihren Eltern haben. Wie die Kausalverhältnisse aber tatsächlich sind, kann die Studie nicht sagen.

Nun zeigt diese Studie also, dass kiffende Jugendliche recht schlau sind. Was ist nun aber mit der Behauptung, dass die Beweise für die „Kiffen-macht-dumm-Theorie" fehlen? Tatsächlich gibt es eine Langzeitstudie (die findet ihr hier), bei der über 1.000 Probandinnen und Probanden über 38 Jahre lang untersucht wurden.

Das eindeutige Ergebnis dieser Studie ist: Kiffen macht dumm - und das lässt sich an einem sinkenden IQ ablesen. Und: Je früher man mit dem Kiffen beginnt und je mehr Cannabis man konsumiert, desto größer sind auch die Auswirkungen.

Und ganz ehrlich: Ich finde das nicht überraschend. Der Konsum von Drogen ist nun mal nicht gerade gesundheitsfördernd. Aber solange man sich der Gefahren bewusst ist und man es sich zu Herzen nimmt, dass man nicht jeden Tag kifft oder säuft oder andere Drogen konsumiert, ist gegen gewisse Substanzen meiner Meinung nach nichts einzuwenden.

Ja, ich würde sogar sagen, man könnte Cannabis ruhig legalisieren und in Apotheken verkaufen. Denken Sie nur an die Steuereinnahmen! Und wie sich die Apothekerinnen und Apotheker freuen würden, die ja sonst immer über ihre Geschäfte zu klagen wissen!

Eines möchte ich aber nicht: Dass Cannabis als das harmloseste Wundermittel aller Zeiten angepriesen wird. Übermäßiger Drogenkonsum ist ungesund - egal um welche Droge es sich handelt - und allzu einseitige Berichterstattung nervt!