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Olivenöl & Bluthochdruck: Darum hat es bisher nicht geklappt!

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OLIVENOEL
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Medizinische Studien belegen die effektive Wirkung von Olivenöl bei Bluthochdruck, Cholesterin und Diabetes. In der medialen Begeisterung geht oft ein wichtiges Detail dieser Studien unter: nur Olivenöle mit einem hohen Gehalt der antioxidativ wirkenden Polyphenole, Vitamin E und Sterine führen zu diesen positiven Ergebnissen. Gängige Olivenöle aus dem Supermarkt haben aber etwa ein Zehntel dieser Antioxidantien und sind wirkungslos in der Therapie von Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Die Doppel-Blind-Studie von Perez Jimenez der Universität Cordoba zeigt, dass Polyphenol-reiches Olivenöl zu einer erheblichen Verbesserung der Herz-Kreislauf-Krankheiten führt. In konkreten Zahlen:
  • 40 ml täglich an Polyphenol-reichem Olivenöl (Polyphenol-Gehalt 398 ppm) wirken deutlich
  • 40 ml täglich an Polyphenol-armen Olivenöl (Polyphenol-Gehalt 70 ppm) - was einem durchschnittlichen Supermarkt-Olivenöl entspricht- sind nahezu wirkungslos.

Wunderwaffe: Sekundäre Pflanzenstoffe

Sekundäre Pflanzenstoffe dienen ursprünglich der Immunabwehr und sorgen für die Robustheit und hohe Widerstandskraft des Olivenbaums und bleiben durch die Pressung im Olivenöl erhalten. Durch die Nahrung aufgenommen wirken sie als wertvolle Antioxidantien im menschlichen Körper weiter. Gut erforscht sind die im Olivenöl enthaltenen Polyphenole, Sterine und Vitamin E.

Polyphenole haben eine starke antimikrobielle und entzündungshemmende Wirkung. Sie schützen vor Zellschäden und regulieren den Cholesterinspiegel.

Sterine senken den Cholesterinspiegel im Blut, indem sie nur die LDL-Konzentration im Blut senken, während das gute HDL-Cholesterin gleich bleibt. Sie haben eine schützende Eigenschaft vor Prostata-, Dickdarm-, Brust- und Magenkrebserkrankungen. Schöner Nebeneffekt: Werden sie durch die Nahrung aufgenommen, so werden die Sterine in die Hautzellen transportiert und die Haut wird aufgefüllt und praller.

Vitamin E wirkt antioxidativ, indem es freie Sauerstoffradikale unschädlich macht, dadurch die Zellmembranen schützt und einem frühzeitigen Alterungsprozess entgegenwirkt. Vitamin E ist beteiligt an der Bildung von roten Blutkörperchen, Muskeln und anderen Geweben.

Selbst die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erkennt die signifikante positive Wirkung von Polyphenol-reichem Olivenöl auf Cholesterinwerte an. Je höher der Polyphenol-Gehalt des Olivenöls, desto stärker war der regulierende Einfluss auf den Cholesterinspiegel. Aber sie konstatierte auch, dass nicht jedes Olivenöl bzw. jede Olivensorte den erforderlichen Gehalt an Polyphenolen hat, damit der erwünschte gesundheitliche Nutzen eintritt.

Olivensorte entscheidet über gesundheitliche Wirkung

Es gibt zwischen 1000 und 2000 Olivensorten, wobei hier Unklarheit besteht, da die selben Sorten in verschiedenen Regionen auch mal unterschiedliche Namen tragen. Unter den Olivensorten bestehen enorme Unterschiede im Gehalt an Polyphenolen, Sterinen und Vitamin E.

Alte Olivensorten, wie die Chemlali Olive aus Tunesien, stammen aus einer Zeit, als es noch keine Hilfsmittel in Form von Pestiziden, künstliche Düngemittel und Bewässerung gab. Sie verfügen über eine natürliche hohe Widerstandskraft, die sich in einem außerordentlich hohen Gehalt an Polyphenolen, Vitamin E und Sterine widerspiegelt.

Die heute weitverbreiteten Olivensorten, wie die Arbequina Olive, haben einen geringen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen und sind dadurch empfindlich und anfällig. Durch den superintensiven Anbau sind sie jedoch profitabler und befinden sich aus diesem Grund in den meisten Olivenölen.

Nur die Frühernte konserviert die Antioxidantien

Ausgehend von der Olivensorte entscheidet der Erntezeitpunkt, wie viel von den wertvollen Polyphenolen, Vitamin E und Sterinen erhalten bleiben. Nur bei der Ersten Ernte / Frühernte zu Beginn der Erntesaison bleiben diese wertvollen Inhaltsstoffe erhalten. Während der normalen Ernten ist die Olive in ihrer Reifung deutlich fortgeschritten und beinhaltet nur noch knapp 10% der wertvollen Inhaltsstoffe.

Da mit zunehmender Reifung der Ölertrag auf das Doppelte ansteigt, wird der Löwenanteil des auf dem Massenmarkt erhältlichen Olivenöls durch die normale Ernte gedeckt. Zwangsläufig haben diese Olivenöle einen geringen Gehalt an Polyphenolen, Sterinen und Vitamin E. Und der positive gesundheitliche Effekt lässt trotz Schlagzeilen der wissenschaftlichen Studien auf sich warten.


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