BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Eve Headshot

Lass den Papa mal machen...

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
VATER ELTERNZEIT
Getty
Drucken

Ich habe es getan. Ich habe meine beiden ein- und zweij├Ąhrigen T├Âchter ÔÇ×alleine" gelassen. Bei meinem Mann, ihrem Vater. F├╝r ein langes Wochenende, Freitag bis Montag, vier Tage und drei N├Ąchte lang. Wohoooo.

Nein, ich musste nicht arbeitsbedingt weg. Ich wollte weg. An erster Stelle stehen. Ohne die verschiedensten Bed├╝rfnisse zuerst bedienen zu m├╝ssen. Daher bin ich wirklich alleine gefahren, ganz bewusst und so zum ersten Mal in meinem Leben.

Und was habe ich dann da so gemacht, ganz ohne ersichtliche Aufgabe? Das war nicht so schwer, wie ich anfangs erwartet hatte. Ich habe geschlafen, fr├╝h, lange, oft. Ich habe gegessen, warm, frisch, ansehnlich. Ich habe gebadet, alleine, lange, mit eigenem Schaum.

Ich habe Ausstellungen besucht und Wanderungen mitgemacht, aufmerksam, achtsam, nach meinen Interessen. Ich habe Sport gemacht, bewusst, lange, intensiv. Ich bin einfach nur ich gewesen und nicht die Mama von. Ich war an der Reihe - niemand sonst.

Immer wieder h├Âre ich von Freundinnen mit Kindern verschiedenster Altersstufen ├Ąhnliche Geschichten. Die M├╝tter sind an der Front, allzeit im Dienst und oft kurz vorm Zusammenbruch.

Die M├╝tter k├╝mmern sich, um die Betreuung zu Hause, um den richtigen Betreuungsplatz, um die Eingew├Âhnungsphasen, um stets passend gef├╝llte Kleiderschr├Ąnke, Schuhe, Windeln, Arzttermine, Geburtstagsfeiern und Einladungen, Elternabende, Hausaufgabenbetreuung, um den Einkauf, vollwertige Mahlzeiten, passende Windeln, ben├Âtigte Arzneimittel, wertvolle und altersgerechte Spielzeuge, Bastelsachen, Freizeitaktivit├Ąten, soziale Kontakte, Schwimm- und Sporttaschen, Geschenke, Geldangelegenheiten, Schriftverkehr, Urlaubsplanung.

Wir M├╝tter arbeiten, von zu Hause, halbtags, Vollzeit, zwischendurch, immer

Die M├╝tter stillen, tragen, tr├Âsten, vermitteln, schlichten, erziehen, singen, tanzen, wiegen, k├Ąmpfen, halten, dr├╝cken, trennen, vertragen, verarzten, bespassen, planen, denken, rotieren. Die M├╝tter arbeiten, von zu Hause, halbtags, Vollzeit, zwischendurch, immer. Das Rollenbild steht.

Ich m├Âchte gar nicht in Abrede stellen, dass in aller Regel die halbwegs modernen V├Ąter einen ganz gro├čartigen Teil zu alldem beitragen und selbstverst├Ąndlich auch aktiv und wohlwollend an dem bestm├Âglichen Aufziehen der Kinder teilhaben.

Meist m├╝ssen sie eben auch aus wirtschaftlichen Gr├╝nden den Gro├čteil des Tages au├čer Haus verbringen. Nat├╝rlich wollen sie ihre Frauen entlasten und tun ihr M├Âglichstes. Doch den Gro├čteil erledigen irgendwie doch die M├╝tter, oder?

Ô×Ę Mehr zum Thema: Warum Burn-out f├╝r mich zum Mutter-sein dazugeh├Ârt

Das stimmt mich oft nachdenklich. Zusammen mit meiner akuten Ersch├Âpfung war mein kleiner Ausflug aus dem Mama-Alltag so auch eine Art Experiment im ganz Kleinen. Bevor ich mich entschloss, diesen Kurzurlaub anzutreten, habe ich mich mit meinem Mann und einigen anderen Mamas dazu ausgetauscht.

Die Begeisterung stand meinem Mann nun erst mal nicht ins Gesicht geschrieben, das sei mal sicher. Auch von einigen Freundinnen erntete ich Gegenwind. ÔÇ×Hmmm, das k├Ânnte ich meinen aber nicht machen lassen, so allein mit den Kindern!", ÔÇ×Ach echt jetzt, du willst die Kleinen alleine lassen?"

Na aber Moment mal, was hei├čt denn hier alleine lassen? Ich wollte sie nicht an der A5 aussetzen, sondern sie ein spa├čiges Wochenende mit ihrem Vater verbringen lassen, inklusive einer Oma-├ťbernachtung, der zweiten Oma und beiden Onkels sowie diversen Freunden bei Bedarf auf Abruf. Welche Kompetenzen habe denn ausschlie├člich ich im Vergleich zum Papa?

Ich habe geboren und gestillt - alles Weitere kann Papa ebenso

Na klar, die M├Ądchen w├Ąhlen auch oft erst mal mich, wenn sie denn die Wahl haben, sie sind auf mich bezogen und wollen mich am allerliebsten immerzu um sich herum haben. Das ist richtig und gut und wundersch├Ân - aber f├╝r mich eben nicht immer so darstellbar.

Die beiden wachsen in ein wunderbares, liebevolles und sorgsames Umfeld hinein und ihnen geschieht kein Leid, wenn ich mal nicht an erster Stelle f├╝r sie sorge.

Nun hatte ich also von beiden Seiten geh├Ârt, von M├╝ttern, die oft ├╝berlastet und ersch├Âpft sind und von V├Ątern, die sich gerne mehr einbringen w├╝rden. Die M├╝tter aber berichten oft von ern├╝chternden Erfahrungen, wenn sie denn mal Verantwortung abgeben wollten.

Da w├╝sste der Liebste oftmals nicht einmal, wo denn die T-Shirts im Schrank liegen, wie die lieben Kleinen am besten ins Bett gebracht werden, welches Essen sie m├Âgen oder was man denn eigentlich den ganzen Tag lang so anstellen kann alleine mit einem oder gar mehreren Kindern. Das t├Ągliche M├╝tterbusiness scheint so ein wenig ein Mysterium f├╝r den einen oder anderen Vater zu sein.

Ô×Ę Mehr zum Thema: 20 Prozent aller M├╝tter sollten sofort eine Kur beantragen

Und ganz ehrlich, liebe Mamas, am eigenen Beispiel konnte ich es erkennen, vielleicht lassen wir sie auch einfach zu wenig? Vielleicht gehen wir zu streng mit ihnen ins Gericht, motzen zu schnell rum, erwarten zu viel, lassen ihnen zu wenig eigenen Spielraum?

Nat├╝rlich machen die V├Ąter es anders und das ist auch gut so! Da gibt es vielleicht mal ein Eis mehr, dauernd den Schnuller, nur Pizza mittags, eine Stunde Fernsehen mehr als sonst, na und?

Es gibt aber auch mehr Abenteuer, mehr Beziehung, mehr Austausch, mehr Erfahrung, mehr Bewusstsein. Lasst sie machen, lasst los und lasst es zu. Euren Kindern wird es gut gehen und auch der coolste Dad wird doch daf├╝r sorgen, dass ihnen nichts Schlimmes geschieht.

2017-06-20-1497957385-7066081-HuffPost1.png
Erste Worte, erstes Durchschlafen - und der erste Kita-Platz: All das ist Thema in unserer Eltern-Gruppe bei Facebook. Meldet euch hier an.


Ich wei├č, dass ihr alle euer Bestes gebt und oft noch mehr als das, doch vergesst bitte euch selbst dabei nicht! Wenn ihr es eines Tages nicht mehr aus dem Bett schafft, die Kinder nur noch in den Senkel stellt, die Freude und die Kraft verliert, dann tut vorher etwas NUR F├ťR EUCH.

Fangt klein an, wenn es nicht anders geht, aber tut es! Ihr seid wichtig, ihr seid wertvoll, ihr sollt nicht die letzten sein. Wenn ihr nicht mehr k├Ânnt, bricht alles zusammen. Vergesst euch bitte nicht, lasst die V├Ąter ran und nehmt sie in die Pflicht. Sie k├Ânnen das, ich wei├č es.

... der Papa macht das gut!

Der Beitrag erschien zuerst auf 2kindchaos.

Von Eve, Mutter und Bloggerin auf 2KindChaos.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.