BLOG

Lass den Papa mal machen...

04/08/2017 10:31 CEST | Aktualisiert 04/08/2017 11:24 CEST
Getty

Ich habe es getan. Ich habe meine beiden ein- und zweijährigen Töchter „alleine" gelassen. Bei meinem Mann, ihrem Vater. Für ein langes Wochenende, Freitag bis Montag, vier Tage und drei Nächte lang. Wohoooo.

Nein, ich musste nicht arbeitsbedingt weg. Ich wollte weg. An erster Stelle stehen. Ohne die verschiedensten Bedürfnisse zuerst bedienen zu müssen. Daher bin ich wirklich alleine gefahren, ganz bewusst und so zum ersten Mal in meinem Leben.

Und was habe ich dann da so gemacht, ganz ohne ersichtliche Aufgabe? Das war nicht so schwer, wie ich anfangs erwartet hatte. Ich habe geschlafen, früh, lange, oft. Ich habe gegessen, warm, frisch, ansehnlich. Ich habe gebadet, alleine, lange, mit eigenem Schaum.

Ich habe Ausstellungen besucht und Wanderungen mitgemacht, aufmerksam, achtsam, nach meinen Interessen. Ich habe Sport gemacht, bewusst, lange, intensiv. Ich bin einfach nur ich gewesen und nicht die Mama von. Ich war an der Reihe - niemand sonst.

Immer wieder höre ich von Freundinnen mit Kindern verschiedenster Altersstufen ähnliche Geschichten. Die Mütter sind an der Front, allzeit im Dienst und oft kurz vorm Zusammenbruch.

Die Mütter kümmern sich, um die Betreuung zu Hause, um den richtigen Betreuungsplatz, um die Eingewöhnungsphasen, um stets passend gefüllte Kleiderschränke, Schuhe, Windeln, Arzttermine, Geburtstagsfeiern und Einladungen, Elternabende, Hausaufgabenbetreuung, um den Einkauf, vollwertige Mahlzeiten, passende Windeln, benötigte Arzneimittel, wertvolle und altersgerechte Spielzeuge, Bastelsachen, Freizeitaktivitäten, soziale Kontakte, Schwimm- und Sporttaschen, Geschenke, Geldangelegenheiten, Schriftverkehr, Urlaubsplanung.

Wir Mütter arbeiten, von zu Hause, halbtags, Vollzeit, zwischendurch, immer

Die Mütter stillen, tragen, trösten, vermitteln, schlichten, erziehen, singen, tanzen, wiegen, kämpfen, halten, drücken, trennen, vertragen, verarzten, bespassen, planen, denken, rotieren. Die Mütter arbeiten, von zu Hause, halbtags, Vollzeit, zwischendurch, immer. Das Rollenbild steht.

Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass in aller Regel die halbwegs modernen Väter einen ganz großartigen Teil zu alldem beitragen und selbstverständlich auch aktiv und wohlwollend an dem bestmöglichen Aufziehen der Kinder teilhaben.

Meist müssen sie eben auch aus wirtschaftlichen Gründen den Großteil des Tages außer Haus verbringen. Natürlich wollen sie ihre Frauen entlasten und tun ihr Möglichstes. Doch den Großteil erledigen irgendwie doch die Mütter, oder?

Mehr zum Thema: Warum Burn-out für mich zum Mutter-sein dazugehört

Das stimmt mich oft nachdenklich. Zusammen mit meiner akuten Erschöpfung war mein kleiner Ausflug aus dem Mama-Alltag so auch eine Art Experiment im ganz Kleinen. Bevor ich mich entschloss, diesen Kurzurlaub anzutreten, habe ich mich mit meinem Mann und einigen anderen Mamas dazu ausgetauscht.

Die Begeisterung stand meinem Mann nun erst mal nicht ins Gesicht geschrieben, das sei mal sicher. Auch von einigen Freundinnen erntete ich Gegenwind. „Hmmm, das könnte ich meinen aber nicht machen lassen, so allein mit den Kindern!", „Ach echt jetzt, du willst die Kleinen alleine lassen?"

Na aber Moment mal, was heißt denn hier alleine lassen? Ich wollte sie nicht an der A5 aussetzen, sondern sie ein spaßiges Wochenende mit ihrem Vater verbringen lassen, inklusive einer Oma-Übernachtung, der zweiten Oma und beiden Onkels sowie diversen Freunden bei Bedarf auf Abruf. Welche Kompetenzen habe denn ausschließlich ich im Vergleich zum Papa?

Ich habe geboren und gestillt - alles Weitere kann Papa ebenso

Na klar, die Mädchen wählen auch oft erst mal mich, wenn sie denn die Wahl haben, sie sind auf mich bezogen und wollen mich am allerliebsten immerzu um sich herum haben. Das ist richtig und gut und wunderschön - aber für mich eben nicht immer so darstellbar.

Die beiden wachsen in ein wunderbares, liebevolles und sorgsames Umfeld hinein und ihnen geschieht kein Leid, wenn ich mal nicht an erster Stelle für sie sorge.

Nun hatte ich also von beiden Seiten gehört, von Müttern, die oft überlastet und erschöpft sind und von Vätern, die sich gerne mehr einbringen würden. Die Mütter aber berichten oft von ernüchternden Erfahrungen, wenn sie denn mal Verantwortung abgeben wollten.

Da wüsste der Liebste oftmals nicht einmal, wo denn die T-Shirts im Schrank liegen, wie die lieben Kleinen am besten ins Bett gebracht werden, welches Essen sie mögen oder was man denn eigentlich den ganzen Tag lang so anstellen kann alleine mit einem oder gar mehreren Kindern. Das tägliche Mütterbusiness scheint so ein wenig ein Mysterium für den einen oder anderen Vater zu sein.

Mehr zum Thema: 20 Prozent aller Mütter sollten sofort eine Kur beantragen

Und ganz ehrlich, liebe Mamas, am eigenen Beispiel konnte ich es erkennen, vielleicht lassen wir sie auch einfach zu wenig? Vielleicht gehen wir zu streng mit ihnen ins Gericht, motzen zu schnell rum, erwarten zu viel, lassen ihnen zu wenig eigenen Spielraum?

Natürlich machen die Väter es anders und das ist auch gut so! Da gibt es vielleicht mal ein Eis mehr, dauernd den Schnuller, nur Pizza mittags, eine Stunde Fernsehen mehr als sonst, na und?

Es gibt aber auch mehr Abenteuer, mehr Beziehung, mehr Austausch, mehr Erfahrung, mehr Bewusstsein. Lasst sie machen, lasst los und lasst es zu. Euren Kindern wird es gut gehen und auch der coolste Dad wird doch dafür sorgen, dass ihnen nichts Schlimmes geschieht.

2017-06-20-1497957385-7066081-HuffPost1.png

Erste Worte, erstes Durchschlafen - und der erste Kita-Platz: All das ist Thema in unserer Eltern-Gruppe bei Facebook. Meldet euch hier an.

Ich weiß, dass ihr alle euer Bestes gebt und oft noch mehr als das, doch vergesst bitte euch selbst dabei nicht! Wenn ihr es eines Tages nicht mehr aus dem Bett schafft, die Kinder nur noch in den Senkel stellt, die Freude und die Kraft verliert, dann tut vorher etwas NUR FÜR EUCH.

Fangt klein an, wenn es nicht anders geht, aber tut es! Ihr seid wichtig, ihr seid wertvoll, ihr sollt nicht die letzten sein. Wenn ihr nicht mehr könnt, bricht alles zusammen. Vergesst euch bitte nicht, lasst die Väter ran und nehmt sie in die Pflicht. Sie können das, ich weiß es.

... der Papa macht das gut!

Der Beitrag erschien zuerst auf 2kindchaos.

Von Eve, Mutter und Bloggerin auf 2KindChaos.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino