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Offener Brief an Ryanair-Chef Michael O'Leary

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MICHAEL O LEARY
reuters
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Lieber Michael,

Du hast es geschafft. Deine Fluglinie Ryanair ist die größte Europas. Noch größer als die Lufthansa, wenn man nach der Zahl der beförderter Passagiere geht.

Vor Jahren hast Du es vorausgesagt und keiner hat Dich ernst genommen. Jetzt fliegen über 100 Millionen Menschen pro Jahr mit Ryanair. Das ist ein großer Erfolg. Dein Erfolg.

Aber auch der Erfolg Deiner Mitarbeiter, die hart für Dich arbeiten, aber von Dir nicht immer so behandelt werden, wie sie es verdient hätten.

Und letztendlich auch ein Erfolg, den Du Deinen Passagieren zu verdanken hast, die günstige Ticketpreise schätzen und dafür einige Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen. Zum Beispiel ziemlich viele Verspätungen.

Es ist auffallend, wie unpünktlich Deine Flugzeuge sind. Und ich ahne, warum.
Die allermeisten Beschwerden erhalten wir wegen verspäteter oder ausgefallener Flüge von Ryanair. Ich glaube nicht, dass dies ein Zufall ist. Ich glaube, dass Du bewusst diese Verspätungen in Kauf nimmst, weil Du so noch mehr Geld verdienen kannst. Auf Kosten der Menschen, die darauf vertrauen, dass Du sie pünktlich und sicher an ihr Reiseziel bringst.

Deshalb schreibe ich Dir diesen Brief

Bitte versteh mich nicht falsch. So wie Du zu Hause in Irland bin ich auch auf einem Bauernhof aufgewachsen. Das war in der DDR. Wir beide wissen, was es heißt, hart zu arbeiten und das Geld zusammenzuhalten. Nicht immer klappt alles so, wie man es sich wünscht und ich ziehe den Hut vor dem, was Du in Deinem Leben geschafft hast.

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Eine Fluglinie mit vielen internationalen Routen zu leiten ist eine enorme Herausforderung, die von ungünstigen Umständen begleitet wird: Schlechtes Wetter, Streiks, Terrorwarnungen, kranke Piloten und so weiter.

Vor dieser Leistung habe ich großen Respekt

Du selbst sollst ein Vermögen von mehreren Hundert Millionen Euro besitzen. Ich gönne jedem seinen Reichtum, besonders, wenn der nicht auf Kosten anderer Menschen erwirtschaftet wurde. Man kann sich natürlich fragen, ob es möglich ist, auf anständige Weise reich zu werden. Ich glaube, das geht.

Lieber Michael, ich fürchte, Du gehörst nicht zu den Menschen, die das geschafft haben.
Viele Deiner Piloten sollen keinen Lohn erhalten, wenn sie wegen Krankheit ausfallen. Angeblich verdienen einzelne nicht mal 1.000 Euro im Monat. Außerdem gibt es da noch den Vorwurf, dass Du die Mehrzahl der Piloten in die Scheinselbstständigkeit zwingst.

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In Deutschland und Frankreich steht Ryanair deshalb unter Verdacht, Steuern und Sozialabgaben zu hinterziehen. Auch viele Flugbegleiter bei Ryanair werden nur für die reinen Flugstunden bezahlt. Wenn das Flugzeug am Boden steht und die Besatzung warten muss, gibt es kein Geld.

Und es heißt, dass Du Deine Piloten zwingst, möglichst wenig Treibstoff zu laden, weil Du Spritgeld sparen möchtest.

Das halte nicht nur ich für riskant, sondern auch einige Luftfahrt-Experten

„Bye bye Latehansa", hast Du einmal getönt. Dabei ist die LH laut unserer Statistik weniger verspätet, als ihr. Über Deine Sprüche habe ich eine Zeit lang gelacht. Auch Deine Ankündigungen von Toilettengebühren und Zuschläge für Dicke waren wirksame PR-Gags. Aber Dein Spruch „Für Billigflüge kriechen die Deutschen nackt über Glasscherben" ist respektlos.

Mehr und mehr finde ich bei Ryanair gar nichts mehr witzig. Wenn die Ausbeutung von Mitarbeitern so klar zum Geschäftsmodell gehört und die häufigen Verspätungen ganz augenscheinlich miteinkalkuliert werden, ist das schäbig.

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Ich bin nur eine deutsche Geschäftsfrau und Mutter, die versucht, ihre drei Söhne zu respektvollen, anständigen und trotzdem erfolgreichen Männern zu erziehen. Dass meine Jungs ein Gefühl für Fairness und Fleiß entwickeln, ist mir sehr wichtig. Aber was soll ich Ihnen sagen, wenn sie mitbekommen, wie einer wie Du auf Fairness pfeift und damit reich wird?

Michael, Ryanair und Dein Ego - Ihr beide seid jetzt groß genug. Verhalte Dich gegenüber Deinen Leuten und Deinen Kunden so, wie es sich für einen Marktführer gehört. Ich glaube, erst wenn Deine guten Geschäften auch anständige Geschäfte sind, wirst Du unschlagbar sein!

Alles Gute - Eve

Eve Büchner ist Gründerin von refund.me.

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