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Der Minijob ist für viele Frauen eine Falle

29/11/2017 16:22 CET | Aktualisiert 29/11/2017 16:22 CET
RUNSTUDIO via Getty Images

  • Viele Frauen hoffen, durch Minijobs Beruf und Familie besser zu vereinbaren

  • Als alleinige Einnahmequelle aber bergen sie oft existenzgefährdende Risiken

  • Es gibt beste Voraussetzungen, um aus einem Nebenjob mehr zu machen

Sie verdienen maximal 450 Euro im Monat, sind häufig nicht eigenständig krankenversichert und haben weder Anspruch auf Arbeitslosengeld noch Rente. Zur dann oft fehlenden Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter kommt hinzu, dass viele Minijobbende aus Unkenntnis Nachteile in ihrem Arbeitsverhältnis in Kauf nehmen:

Häufig wissen Arbeitgeber und Beschäftigte nicht, dass Minijobbende den gleichen Anspruch haben auf zum Beispiel den Mindestlohn, bezahlten Urlaub oder geregelte Arbeitszeiten wie andere Beschäftigte auch.

Mehr zum Thema: Gesetzlicher Mindestlohn gilt auch für Mini-Jobs

Einerseits: Minijobs können für Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie Rentnerinnen und Rentner rentabel sein, vor allem deshalb, weil sie in der Regel noch anderweitig abgesichert sind. Sie profitieren als Beschäftigte von Minijobs, weil üblicherweise keine Sozialabgaben und Steuern vom Lohn abgezogen werden und sie brutto für netto erhalten.

Der Rentenanspruch wächst durch einen Minijob nur minimal

Auch für arbeitslose Menschen, insbesondere Langzeitarbeitslose, kann der Minijob unter Umständen einen ersten Schritt beziehungsweise Wiedereinstieg ins Erwerbsleben darstellen und die Integrationschancen erhöhen.

Andererseits aber, das darf nicht verkannt werden, droht Altersarmut: Von einem Minijob bleibt im Alter nur eine Minirente, und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, auf zusätzliche staatliche Hilfe (Grundsicherung) angewiesen zu sein. Ein Jahr im Minijob schafft einen zusätzlichen Rentenanspruch von circa 4 Euro.

Fast zwei Drittel aller Minijobber sind Frauen. Männer dagegen sind meist sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Frauen entscheiden sich in bestimmten Situationen ihrer Erwerbs- und Lebensbiografie häufig für eine geringfügige Beschäftigung, weil sie vermeintlich nur mit einem Minijob die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf realisieren können.

Mehr zum Thema: Minijob statt Führungsposition: Immer mehr Frauen sind berufstätig

Außerdem versprechen sich viele Frauen vom Einstieg in den Minijob eine Brücke in eine sozialversicherungspflichtige Teil- oder Vollzeitbeschäftigung. Aber den wenigsten gelingt es, diese Brücke zu bauen.

Somit gehen Frauen auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive in die sogenannte "Minijobfalle", denn je länger sie im Minijob bleiben, desto geringer wird für sie die Option, die eigene Existenz oder die ihrer Familie durch ihre Erwerbstätigkeit zu sichern.

Die Frauen in sogenannten "Minijobs pur" haben keine weiteren Erwerbseinkommen, sie leben in der Regel in einem Haushalt, in dem der Partner das Familieneinkommen sichert. Sie sind stärker mit den negativen Auswirkungen von Minijobs auf ihre Erwerbsbiografie konfrontiert als Männer, die eher "Minijobs on top" als Einnahmequelle neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nutzen.

Beschäftigte sollten ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis haben!

Der Bundesagentur für Arbeit ist es ein Anliegen, umfassend über die Zusammenhänge zu informieren und auch den Dialog mit Beschäftigten und Arbeitgebern zu vertiefen, um gemeinsam Wege in die existenzsichernde Beschäftigung zu finden.

Zum Nutzen der Beschäftigten: eigene Alterssicherung durch vollwertige Rentenbeitragszeiten, eigener Krankenversicherungsschutz, Anspruch auf Arbeitslosengeld nach einem Jahr sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, um nur einige Vorteile zu nennen.

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Und zum Nutzen der Unternehmen: leichtere Personalrekrutierung, insbesondere bei qualifizierten Fachkräften, größere Bindung an den Betrieb, weniger Fluktuation, Know-how bleibt im Unternehmen, mehr Arbeitszufriedenheit und Identifizierung der Beschäftigten, um auch hier nur einige zu nennen.

Der demografische Wandel, die anhaltend hohe Arbeitskräftenachfrage und der spürbare Fachkräftebedarf der Unternehmen sorgen aktuell für beste Voraussetzungen, um aus einem Minijob mehr zu machen:

Beschäftigte sollen in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis ein auskömmliches Einkommen haben, und Betriebe brauchen engagierte, zuverlässige und eingearbeitete Fachkräfte.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Xing.de.

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