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Digitalisierung - Hamburgs Schüler drohen den Anschluss zu verlieren

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DIGITAL SCHOOL
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Egal ob im Studium, im Berufsleben oder in der Freizeit: die Digitalisierung hat unser Leben erfasst und trotz gelegentlicher Skepsis ergreifen wir vielfach die sich bietenden Chancen. Wir sind bereit uns anzupassen und weiterzuentwickeln. Nur der Hamburger Senat tut sich damit schwer, insbesondere wenn es um die jüngste Generation geht: Hamburgs Schülerinnen und Schüler.

Viele sehen in der Digitalisierung eine große Chance. Laut Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel MdB können wir unseren Wohlstand nur beibehalten, wenn unsere Innovationskraft nicht schwächer wird. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz folgt der Kanzlerin und will Hamburg deshalb zur Innovationsmetropole ausbauen. Doch an zukünftige Innovationen ist gar nicht zu denken, wenn man beachtet wie altmodisch der Unterricht an vielen Schulen der Hansestadt gestaltet ist.

Sicherlich ist die Umstellung des Schulwesens kein einfacher Prozess und braucht seine Zeit. Wenn es jedoch wie in Hamburg zum Stillstand kommt, die Digitalisierung an Schulen links liegen gelassen wird, dann ist das nicht nur ärgerlich, dann ist das schlicht untragbar und muss geändert werden. Aus Sicht vieler Schüler sind Investitionen in die Digitalisierung der Schulen durchaus wichtig und dringend notwendig. Wir wollen den Anschluss nicht verpassen.

Manch eine Schule hat bereits in allen Klassenräumen SmartBoards installiert. Andernorts finden sich nur eine Handvoll dieser Geräte für alle Schülerinnen und Schüler. Zudem fehlt eine einheitliche Kommunikationsplattform, die es Schülern, Lehrern und Eltern möglich macht, beispielsweise ausgefallene Stunden rechtzeitig zu kommunizieren. Stattdessen müssen die Schulen hier improvisieren und kommunizieren mit Schülern und Eltern per Whatsapp.

Sicherlich hat es seine Berechtigung, Altgriechisch oder Latein an Schulen zu unterrichten. Doch verpassen wir eine Chance, wenn wir unseren Schülern nicht wenigstens auch die Möglichkeit anbieten, bereits in jungen Jahren eine Programmiersprache zu lernen und vertiefende Medienkompetenzen zu erwerben.

Für Hamburgs rot-grünen Senat ist das leider ferne Zukunftsmusik. Die Infrastruktur der meisten Schulen ist noch nicht fit gemacht worden für die fortschreitende Digitalisierung, Computing als Unterrichtsfach klingt aus Sicht der interessierten Hamburger Schüler eher wie Utopia. Und was die Förderung der Medienkompetenz angeht, so streicht der Senat gerade die Mittel der Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein. So viel ist klar: mit dieser Schulpolitik verlieren Hamburgs Schüler nicht nur international, sondern selbst national den Anschluss.

Dabei geht es auch anders: In den USA werden beispielsweise schon große Bereiche des Schulwesens durch digitale Medien unterstützt. Zum Einsatz kommen Lernsoftwares, die den Lehrern schon vor Beginn der Unterrichtseinheiten einen Blick auf die Hausaufgaben gewähren, wodurch sie sich individueller auf Schwächen der Schüler einstellen können. Matheaufgaben werden am Computer bearbeitet, der die Lösungen überprüfen und weitere Aufgaben mit passendem Schwierigkeitsgrad anbieten kann.

Immerhin, es gibt erste Pilotprojekte. Unter dem Titel „Start in die nächste Generation" und mit dem Prinzip „Bring your own device" sollten Möglichkeiten der Modernisierung des Unterrichts getestet werden. Dies wurde wissenschaftlich begleitet. Doch nun verweigert die Schulbehörde die Veröffentlichung des Evaluationsberichts. Und bei aller Unterstützung für solche Pilotprojekte: die Bildung unserer Schüler darf nicht davon abhängen, ob die Eltern über die notwendigen Mittel verfügen, passende technische Geräte anzuschaffen.

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