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Joseph Blatter: Ehrbarer Kaufmann buchstabiert man anders!

24/09/2015 20:42 CEST | Aktualisiert 24/09/2016 11:12 CEST
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„Aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe". Das war die Erklärung von Herrn Blatter bei seinem Rücktritt vor ein paar Monaten.

Mit seinem Verhalten davor und danach hat er nicht nur nachhaltig den Fußball, die von ihm vertretene Organisation (FIFA) und sein eigenes Ansehen geschädigt, sondern wurde auch in keiner Weise den Maßstäben gerecht, welche man von einem Ehrbaren Kaufmann erwartet.

Ehrbar heißt nämlich nicht, sich mit aller Macht und so lange es geht, an seinen Posten zu klammern, sondern kann wie folgt „buchstabiert" werden:

Ehrlich währt am Längsten

Nicht Manipulieren und Täuschen, nicht Bereichern (in die Tasche anderer greifen) und nicht Lügen.

Sondern einfach die Wahrheit sagen, zu seinem Wort stehen und auch Fehler zugeben. Nicht nur den in den aktuellen Skandal verwickelten Menschen rund um die FIFA fällt es anscheinend immer schwerer, sich an diese einfachen Prinzipien zu halten, auch weil sie persönliche Vorteile behalten wollen.

Die entsprechende Hemmschwelle wird immer kleiner, der Weg von „Schwarzfahren" oder Falsch Parken zu Steuerhinterziehung und gefälschten Doktor-Arbeiten wird immer kürzer.

Da Menschen in Führungspositionen eine besondere Verantwortung und Vorbildfunktion tragen, sind diese ganz besonders gefordert, Ehrlichkeit vorzuleben und in ihrem Umfeld einzufordern. Und wenn man Organisationen - siehe FIFA - mit hoher Öffentlichkeitswirkung repräsentiert, kann man nicht ehrlich genug sein.

H alten an Gesetze, Regeln und Vereinbarungen

Ist wie Ehrlichkeit eigentlich eine Selbstverständlichkeit, nicht nur für Führungskräfte und Unternehmer. Und auch wenn Verhaltensregeln aufgeschrieben werden, sind diese oft das Hochglanz-Papier nicht wert, auf dem sie stehen, zusätzlich noch unter nichtssagenden Überschriften wie „Compliance" oder „Corporate Governance" versteckt.

Auch hier gilt ganz besonders das Prinzip des Vorlebens der Verantwortlichen auf allen Ebenen und in allen Bereichen.

Da es aber nicht überall „Heilige" gibt, bedarf es natürlich auch entsprechender Mechanismen und Kontrollen, um Missbrauch zu verhindern. Und wenn es nur das klassische „Vier-Augen-Prinzip" in der Geschäftsführung, die Einführung von Wertgrenzen bei Unterschriftsregelungen, oder regelmäßige, externe Revisionen.

Und diese laufend und unabhängig, und nicht wie jetzt bei der FIFA, wo erst auf Druck von der Justiz eine entsprechende Untersuchungs-Kommission eingeführt wurde, die dann auch noch aus eigenen - vielleicht sogar befangenen - Funktionären besteht.

R espekt

Mitarbeiter/innen mit Wertschätzung führen und ihre Leistung honorieren, Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern (Kunden, Lieferanten,...) auf „Augenhöhe" und auch die Leistung von Wettbewerbern anerkennen.

Andere Menschen nicht herabwürdigen und ganz besonders auch deren kulturelle Eigenheiten akzeptieren. Das sind die Merkmale von Respekt, wobei anständige Behandlung von Menschen nicht gleichbedeutend mit „in Watte packen" oder „Weggucken" ist.

Bei Fehlverhalten und/oder mangelnder Leistung bedarf es klarer Worte, aber hier ist das „Wie" entscheidend. Emotionale Ausbrüche und Schuldzuweisungen sind fehl am Platz.

Stattdessen hilft sachliche Argumentation weiter, das Aufzeigen von „Soll und Ist" und das Anbieten von Lösungs- und Verbesserungsmöglichkeiten.

B escheidenheit

Präsidenten oder Vorstände fliegen First Class und übernachten in Luxus-Suites, ihre Mitarbeiter/innen dürfen es sich aber in der Tourist-Class „bequem" machen und bei „Bed & Breakfast" absteigen.

Führungskräfte die so handeln, sind sich entweder nicht bewusst, wie verheerend sich so ein Verhalten auf das Engagement ihrer Mitarbeiter/innen auswirken kann, oder es ist ihnen schlichtweg egal.

Dass damit automatisch die emotionale Bindung an den Arbeitgeber verloren geht, sich viele Beschäftigte sogar in die innere Kündigung zurückziehen und nur noch Dienst nach Vorschrift machen, ist die logische Konsequenz.

A chtung

Natürlich ist der Kernzweck eines Unternehmers, eines Kaufmanns, die Erzielung eines angemessenen Gewinns, aber nicht aus purem Egoismus und „koste es was es wolle".

Das Schaffen und Schützen von Arbeitsplätzen und der sorgsame Umgang mit den benötigten Ressourcen müssen neben dem wirtschaftlichen Erfolg gleichberechtigt im Mittelpunkt der unternehmerischen Aktivitäten stehen.

Rücksichtslose Ausbeutung von Menschen und Natur sind ebenso zu ächten, wie das schamlose Ausnutzen der vom Staat und der Gesellschaft bereitgestellten Mittel und Einrichtungen.

Der Ehrbare Kaufmann leistet seinen angemessen Beitrag zur Bewältigung von sozialen Missständen genauso, wie er darauf achtet, für nachfolgende Generationen ein „bestelltes Haus" zu hinterlassen.

R edlichkeit

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Diese Empfehlung von Erich Kästner fasst vielleicht am besten die Charaktereigenschaften eines Ehrbaren Kaufmanns zusammen.

Aufrichtig sein, loyal zu seinem Unternehmen stehen, keine Vorteile aus seinem Amt ziehen, das entgegengebrachte Vertrauen anderer nicht missbrauchen. Und wenn ich an die FIFA denke, Menschen eben nicht durch besondere „Wohltaten" korrumpieren und dadurch von sich abhängig machen.

Vielleicht wäre es auch für Herrn Blatter besser gewesen, sich schon viel früher an die beschriebenen Tugenden zu erinnern. Und es ist vollkommen egal, ob man direkt in die angeprangerten Machenschaften involviert war, oder nicht.

Verantwortung für Missbrauch in der eigenen Organisation zu übernehmen, ist für Menschen an der Spitze schon auch Teil des Amtes, gerade, wenn man den Ruf dieser schützen und auch als Ehrbarer Kaufmann bezeichnet werden möchte.

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