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Liebe im Herbst, Kapitel 3

26/03/2016 16:46 CET | Aktualisiert 27/03/2017 11:12 CEST
Tooga via Getty Images

Aus Kapitel 3 Wiedersehen

Fabian

Endlich lief der Zug in Weimar ein. Als ich aus der Tür sprang, stand Dagmar fast vor mir und nahm mich in die Arme. „Herzlich willkommen in meiner Stadt", rief sie, doch meine Antwort wurde durch ihre Küsse erstickt, ich konnte ihr kaum die Rosen in die Hand drücken.

Dagmar

Jetzt wurde die Sehnsucht in mir übermächtig, ich zog ihn aufs Sofa, wo er mich innig küsste und meine Brüste streichelte. „Komm!", sagte ich und führte ihn nach oben ins Schlafzimmer. In Nullkommanix waren wir aus den Sachen und lagen auf dem Bett, wo er mich zärtlich streichelte, bis ich es nicht mehr aushielt und ihn zu mir zog. Auch jetzt bewegte er sich behutsam, bis sich alles um mich drehte und ich aufschrie. Da sank er stöhnend auf mich und ich dachte erstaunt: „Alle Männer stöhnen im Orgasmus." Als wir zur Ruhe gekommen waren, überlegte Fabian eine Weile, dann sagte er: „Jetzt ist nichts mehr zwischen uns wie vorher, wir haben uns auf der höchsten Ebene erkannt, die zwischen zwei Menschen möglich ist. Ich habe diese Begegnung stets als ein herrliches Geschenk der Natur angesehen, bei dem beide vollkommen unverstellt aus sich heraus gehen, aber wenn man das erste Mal in dieser Weise zueinander findet, ist es eine unbeschreibliche Offenbarung, hab' Dank für deine Liebe, mein Liebling."

Fabian

Ich musste mich überwinden, weiter zu sprechen: „Mit dir ist es genauso überwältigend wie mit Angelica, obwohl die letzte innige Begegnung mit ihr erst vier Jahre her ist. Denn in den letzten zwei Jahren blieben uns wegen ihrer Krankheit nur noch die Hände. Du hast zwar gesagt, dass du sie mir nicht ersetzen kannst, das habe ich auch nie erwartet. Aber du gibst mir ebenso viel Liebe wie sie und ich liebe dich auch schon genauso, wie ich sie geliebt habe, das muss ich dir noch sagen. Doch lass die Vergangenheit, wir haben uns gefunden und eine schöne Zukunft steht vor uns, wenn wir das wollen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich in meinem Alter und nach wundervollen Jahrzehnten mit Angelica noch mal über beide Ohren verlieben kann. " „Ja, so wollen wir es halten", antwortete sie glücklich, „mir geht es doch schon lange ebenso und nun lass' uns etwas essen."

Dagmar

Bald hatten wir die Lebensmittel im Kühlschrank und das Geschirr gespült. Als ich ins Schlafzimmer kam, lag Fabian schon bis an die Nasenspitze zugedeckt im Bett. Weil ich nicht sah, ob er etwas anhatte, zog ich ein langes Nachthemd mit tiefem Ausschnitt an und wandte mich zu ihm. Da fühlte ich, dass er einen Pyjama trug. Um ihn zu reizen, sagte ich leise: „Gute Nacht, mein Herr, schlafen Sie gut." „Wollten wir nicht die Züchtigkeit außen vor lassen", fragte er lachend, zog mir das Hemd aus und begann, mich am ganzen Körper zu streicheln. „Dann aber vollkommen unzüchtig, mein Herr", antwortete ich und zog ihm den Pyjama aus, wobei ich zufrieden seinen Zustand bemerkte. „Und nun dürfen Sie mir gerne einen kurzen Besuch abstatten." „Wenn ich zu Ihnen komme, dann nicht für einen Kurzbesuch", war seine Antwort, „dann möchte ich schon die ganze Nacht mit Ihnen verbringen." Ich konnte es ja kaum erwarten, ihn zu fühlen und sagte nur: „Nun komm endlich", da war er schon bei mir und verstand es wieder, mich behutsam zu stimulieren, bis ich mehr wollte. Er merkte das und wurde intensiver, bis es unwahrscheinlich schön war. Wie vorhin schmiegten wir uns aneinander und küssten uns, bis wir in dieser Lage einschliefen.

Dagmar

Ich überlegte, wie der Tag weitergehen könnte. „Warst du schon mal in Weimar?", fragte ich Fabian, doch er antwortete, er habe nie die Gelegenheit gehabt. Darauf erklärte ich, ich wolle ihn mit dieser Stadt vertraut machen, die im 19. Jh. das kulturelle Zentrum Deutschlands war. Als ich im Internet fand, dass morgen Abend der „Rosenkavalier" gespielt wird, bestellte ich zwei Karten. Was möchtest du zuerst sehen", fragte ich, „Goethe, Schiller, die Bibliothek oder nur eine Stadtführung?" „Ich glaube, um zunächst einen Überblick zu bekommen, dürfte die allgemeine Führung wohl am besten sein", meinte er und wir fuhren los. Der Himmel war grau verhangen und es nieselte leicht.

„Weißt du, dass Goethe hier den größten Teil seines Lebens als Minister, Theaterintendant und Initiator der Bibliothek verbracht hat, jahrelang mit seiner Geliebten aus einfachen Verhältnissen zusammen lebte, einen Sohn mit ihr hatte und sie schließlich gegen alle Hofregeln heiratete?", fragte ich. „Nein, außer dass er hier seine meisten Werke geschrieben hat, weiß ich nichts über sein Leben", antwortete Fabian verlegen. „Dafür ist mir die ‚Weimarer Republik' ein Begriff. Nach dem ersten Weltkrieg hat das deutsche Parlament hier eine Weile getagt." „Na, das ist ja schon was, das viele in unserer Generation nicht wissen", lobte ich ihn. „Auch Schiller hat jahrelang hier gelebt und geschrieben und Franz Liszt und Richard Strauss haben hier einen Teil ihrer Werke geschaffen, wie den Rosenkavalier von Strauss, den wir morgen sehen."

Fabian

Am nächsten Morgen war ich eher wach und beobachtete Dagmars Schlaf, bis sie die Augen aufschlug. Einen Moment brauchte sie, um richtig wach zu werden, dann zog sie mich zu sich. „Du hast gestern von dem überwältigenden Erlebnis der innigen Begegnung gesprochen", sagte meine Geliebte dann nachdenklich, „und ich bin auch jedes Mal wieder glücklich, es zu fühlen. Aber ich kenne ein ebenso überwältigendes Gefühl, das die meisten Frauen haben, allerdings nur wenige Male im Leben. Es ist das unwahrscheinlich glückliche Erlebnis, ein Kind zur Welt zu bringen, einem neuen Menschen Leben zu schenken. Zwar ist es mit den schlimmsten Schmerzen verbunden, die ich jemals erlebt habe, aber sie werden überspielt von diesem unendlichen Glücksgefühl. Ihr Männer tut mir Leid, dass euch dieses Erlebnis verborgen bleibt." Erschüttert flüsterte ich: „Hab' Dank für diese Offenbarung, die mir bisher verborgen war, denn Angelica hat nie darüber gesprochen, obwohl sie zwei Kinder geboren hat", und küsste diese wundervolle Frau herzlich.

Fabian

Beim Frühstück sah ich, wie Dagmar heimlich eine Pille in den Mund steckte. „Musst du in deinem Alter noch die Pille nehmen?", lästerte ich, „Das solltest du gar nicht mitbekommen", antwortete sie ernst, „ja, ich muss regelmäßig diese Pillen nehmen, denn ich habe eine schwere Angina Pectoris. Nur damit kann ich noch eine Weile leben, doch die Gefahr eines Herzinfarktes nimmt immer mehr zu." Ich bekam einen fürchterlichen Schreck. Gerade hatte ich eine wundervolle Frau gefunden und nun war sie schwer krank und hatte vielleicht gar nicht mehr viel Zeit zum Leben. Ich umarmte und küsste sie. „Das soll unserer Liebe keinen Abbruch tun, ich werde dich immer lieben wie heute", stotterte ich. Da glänzten Tränen in ihren Augen und sie sagte leise „Danke, aber es war leichtsinnig zuzulassen, dass du dich in mich verliebst. Unsere Verbindung hat nicht die geringste Zukunft, wir sollten uns schnellstens trennen, bevor wir einander noch mehr verfallen", dann küsste sie mich innig.

„Wie lange hast du das schon?", wollte ich wissen. „Wohl schon länger", antwortete sie nachdenklich, „aber die Beschwerden fingen vor anderthalb Jahren an und werden immer stärker." „Und wie sind die Aussichten auf Heilung", fragte ich weiter. „Ziemlich negativ", antwortete sie langsam. „Es ist eine seltene Form der Krankheit, mit der die Medizin kaum Erfahrungen hat. Sporadische Krämpfe in den Herzkranzgefäßen lösen Durchblutungsstörungen des Herzmuskels aus, was zu vorübergehendem Herzstillstand führt. Die Folge sind anfallartige Schmerzen in der Brust, im schlimmsten Fall ist ein Herzinfarkt möglich. Die Pillen minimieren die Krämpfe durch Dämpfung des nervösen Systems, so dass ich ein einigermaßen normales Leben führen kann und es sogar gewagt habe, mit dir eine neue Liebe zu beginnen, was eigentlich verantwortungslos ist.

Dagmar

Es bewegte mich, wie ernst Fabian meine Krankheit nahm. Sicher war es verantwortungslos, ihn in mich verliebt zu machen und ihm mit meinem wahrscheinlichen Tod neues Leid zu bereiten. Aber für mich ist es doch wundervoll, bis zu meinem Ende einen lieben Menschen um mich zu haben, ist das sträflicher Egoismus? Zumindest kann ich ihm so lange noch alle meine Liebe geben, das ist ja auch etwas Gutes für ihn, um ihn aus seiner Einsamkeit zu befreien. „Weißt du denn genau, wie die Krankheit heißt?", fragte Fabian in meine Gedanken hinein und ich fragte, warum er das wissen wolle. „Weil wir im Internet danach forschen können, da gibt es sicherlich detaillierte Informationen. Wähl' den Namen auf deinem Tablet an." Als ich „Vasospastische Angina pectoris" eingab, bekam ich eine Seite mit vielen medizinischen Einrichtungen. „Doch unter der Überschrift „Ausblicke" wurde auf eine neu entwickelte hoffnungsvolle Operation hingewiesen. Unverblümt wurde berichtet, dass eine Reihe von Patienten die Operation nicht überlebt habe.

Fabian

„Schau mal, da ist ein Link", sagte ich und zeigte auf einen blau geschriebenen Namen. Als Dagmar es anklickte, öffnete sich das Portal des kardiologischen Instituts in Seattle, auf der eine neue Bypass-Operation mit ihren Erfolgschancen und Risiken beschrieben wird. Auch die Kosten von 10.000,- $ für Vorbereitung, Operation und eine zweiwöchige Reha wurden genannt. „Das können wir vergessen", sagte ich enttäuscht, „so viel kann ich nicht aufbringen." Da nahm ich sie in die Arme. „Vergiss nicht, dass ich dich liebe und noch lange mit dir zusammen leben will. Da ist es doch klar, dass ich dich nicht verlieren will und für dein langes Leben etwas tue. Speichere die Adresse, kopiere die wichtigsten Angaben nach Word und drucke sie aus. Dann beschaff' dir unverzüglich einen Termin bei deinem Arzt und hol' seinen Rat ein. Wenn er einverstanden ist, buchen wir die Operation in Seattle und ich begleite dich."

Dagmar

„Und wenn ich dabei draufgehe?", fragte ich mit einem bangen Gefühl. „Das bestreiten die Leute in Seattle nicht", sagte Fabian, „ich glaube aber, das hängt vom Zustand des Patienten ab. Natürlich musst du selbst entscheiden, ob du das 30-prozentige Risiko eingehen willst, bei der Operation draufzugehen oder mit 100-prozentiger Sicherheit in den nächsten Jahren qualvoll stirbst. Wie du dich auch entscheidest, ich werde dir auf jeden Fall beistehen." „Ich glaube, du hast Recht, hab' Dank für deine harten Worte", antwortete ich nachdenklich, „ich werde gleich um einen Termin beim Arzt bitten." Ich bekam den Arzt selbst an den Apparat, der sehr interessiert war und mich für morgen früh um 8 Uhr bestellte. Ich druckte die Kopien aus den Webseiten für ihn aus.

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© Copyright 2015 Ernst-Günther Tietze, Hamburg, www.eg-tietze.de

Der Roman „Liebe im Herbst" beschreibt auf 208 Seiten die neu entstehende Liebe zwischen zwei Senioren. Er wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:

Als Taschenbuch für 8,- Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9527-9

Als e-Book für 1,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9205-5

Das vorliegende Kapitel 3 umfasst im Buch 12 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.

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