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Licht und Schatten Kapitel 4

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Leren Lu via Getty Images
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Aus Kapitel 4 Schulbeginn, Teil 2

Als Timo und Marcus Samstag früh in die Klinik kamen, erwartete Evamaria sie auf dem Bett sitzend und ging mit ihnen an einem Rollator ein paar Schritte auf dem Gang. Timo freute sich mit ihr über diesen Fortschritt und lobte ihre Energie. „Der Arzt hat mir diese Exkursionen vorgeschrieben, damit ich beweglich bleibe", erklärte sie, dann hob sie das Nachthemd hoch und zeigte ihre Beine.

Das linke Knie war durch einen übergreifenden Bügel ruhig gestellt, während rechts eine Schiene den Unterschenkel stabilisierte, die auch bis über das Knie ging. Wegen des Mittagessens und der anschließenden Bettruhe mussten die beiden nach einer Weile wieder gehen und die Eltern tauschten einen innigen Kuss. Timo informierte seine Frau, dass er morgen nicht kommen könne, weil er eine Übung beim THW habe, aber seine Eltern würde sie mit Markus besuchen.

Da er keine Lust zum Kochen hatte, aß er mit Marcus in einer Pizzeria und ging anschließend mit ihm ins Kino zu einem Abenteuerfilm. Danach war es Zeit, zu Kaffee, Kakao und Kuchen zu seinen Eltern zu fahren, wo sie bis zum Abendessen blieben. Der Tag hatte den Jungen so ermüdet, dass er gleich einschlief, als sie zu Hause waren. Timo dachte bei einem Glas Wein noch lange glücklich über die wieder gefundene Liebe zu Evemie nach. Wie froh war er, dass er neulich der erneuten Verführung durch seine Kollegin widerstanden hatte.

Sonntagvormittag besuchten Evamarias Eltern sie und sie berichtete über die gute Heilung. Die Mutter schimpfte wieder über die vielen Ausländer, die in der Stadt umherlaufen und im christlichen Deutschland den Islam verbreiten, während ihr Mann kein Wort dazu sagte. Auch Evamaria hatte keine Lust, auf diese Tiraden zu antworten. Nach einigem Geplauder verabschiedeten die Eltern sich wieder.

„Seltsam", dachte Evamaria, „ich habe zu Timos Mutter einen viel besseren Kontakt als zu meiner eigenen. Liegt das an ihrem fanatischen Glauben?" Am Nachmittag kamen Timos Eltern mit Marcus zu Besuch, wobei Oma Susanne begeistert über Marcus' Selbstständigkeit auf dem Schulweg berichtete. Nach einer Weile wurden die Besucher wieder zum Gehen aufgefordert, weil es Zeit für das Abendessen war.

Am nächsten Tag erschienen zwei Polzisten bei Evamaria und fragten, ob sie in der Lage sei, etwas über den Unfall zu sagen. Sie antwortete, dass sie selbst keinerlei Erinnerung daran habe, aber gehört habe, sie sei an der Einfahrt in den Tunnel auf die falsche Fahrbahn geraten. Sie kenne diese Strecke, weil sie sie schon oft gefahren sei und könne sich den Fehler nicht erklären.

Ob sie irgendwelche Mittel eingenommen habe, wollten die Beamten wissen, was Evamaria verneinte. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus werde sie wegen Verkehrsgefährdung angeklagt. Das Gleiche blühe dem Fahrer des Van, der durch seine viel zu hohe Geschwindigkeit maßgeblich zu dem Unfall beigetragen habe, erklärten die Beamten, bevor sie sich verabschiedeten.

Nachmittags in der Klinik fanden Timo und Marcus die Mutter mit dem Rollator auf dem Flur spazieren gehen. „Ich war schon den halben Vormittag unterwegs und habe nach dem Mittag zwei Stunden geschlafen, weil ich todmüde war, aber jetzt bin ich wieder fit", freute sie sich, nachdem Timo sie leicht geküsst hatte. In ihrem Zimmer konnten die beiden sich dann mit einem innigen Kuss richtig begrüßen und auch Marcus kam mit Wangenküssen nicht zu kurz.

Evemie berichtete, dass sie in einer Woche in eine Reha in Feuerbach verlegt werden solle, obwohl sie noch die Schienen an den Beinen habe. „Die sollen besser darauf eingerichtet sein, mich wieder zu mobilisieren, nachdem hier keine Behandlung mehr nötig ist", wusste sie. „Da werden wir dich auch jeden Tag besuchen", erwiderte Timo, bevor sie die Mutter verließen.

Von jetzt an ging Marcus alleine zur Schule und fand nachmittags problemlos den Weg zu Oma Susanne. Freitag brachte er ein Mädchen mit langen blonden Zöpfen mit. „Das ist Ronja, ich habe sie eingeladen", erklärte er der Oma, die sie auch mit Kakao und Kuchen versorgte. „Wissen denn deine Eltern, wo du bist?", fragte sie das Mädchen, worauf Marcus empört antwortete: „Natürlich hat sie Bescheid gesagt, sie darf bis sechs bleiben."

Danach spielten die beiden, bis Timo kam und Marcus' „Eroberung" freundlich begrüßte. Um 18 Uhr verabschiedete Ronja sich höflich und Marcus wollte sie nach Hause bringen, aber Timo stoppte ihn: „Wir müssen jetzt schnell in die Klinik fahren, sonst können wir Mama heute nicht mehr besuchen, das willst du doch auch? Vielleicht trefft ihr euch morgen Nachmittag, da habt ihr mehr Zeit."

Der Junge dachte einen Moment nach, dann entschied er sich für die Mutter. In der Klinik begegnete Evamaria ihnen mit dem Rollator, sie sei schon im ganzen Haus umhergelaufen und benutze auch den Fahrstuhl, erklärte sie. Timo lobte ihre Energie, doch sie antwortete, sie sei ja selbst daran interessiert, wieder richtig laufen zu können, sie werde immer mobiler.

Samstagvormittag brauchte Evamaria keinen Rollator mehr, sondern lief an zwei Krücken. „Erzähl Mama doch mal von deiner Freundin", forderte Timo den Sohn auf, und der berichtete begeistert: „Ronja ist sehr hübsch und klug, in der Schule sitzt sie neben mir. Sie wohnt nur drei Häuser weiter und weil wir uns gerne haben, gehen wir immer zusammen nach Hause. Heute Nachmittag kommt sie wieder zu mir und am Sonntag bin ich bei ihr eingeladen."

„Ich freue mich für dich", meinte die Mutter, „fotografiere sie doch mal mit deinem Handy und zeige sie mir." Um schon etwas arbeiten zu können, bat sie Timo, ihr den großen Zeichenblock und die Buntstifte mitzubringen, sie habe den Kopf voller Entwürfe, die sie zu Papier bringen wolle.

Wirklich kam Ronja am Nachmittag zu Marcus und brachte eine Schachtel Schokobons mit. Marcus hatte mit seinem Vater beraten, was er ihr bieten könne und sie entschieden sich für Legosteine. Unterbrochen von Kakao und Kuchen beschäftigten die beiden sich eifrig mit den Steinen, bis Marcus sie um 18 Uhr nach Hause brachte. Timo hatte anhand der Adresse herausgefunden, dass das Mädchen mit Nachnamen Blazejewski heißt, der Vater Steuerberater und die Mutter Buchhändlerin ist.

Sie bewohnten ein Einfamilienhaus drei Häuser von seinen Eltern entfernt. „Was hältst du von dieser Freundschaft?", fragte er seine Mutter und die antwortete lachend: „Das ist völlig harmlos, freu' dich, dass der Junge einen gleichaltrigen Freund gefunden hat. Ob das ein Mädchen oder Junge ist, spielt überhaupt keine Rolle."

Sonntag zeigte Marcus seiner Mutter das Foto, das er von Ronja gemacht hatte, und sie fand das Mädchen auch sehr hübsch. Bei Timos Eltern konnte er es kaum erwarten, dass das Mittagessen vorbei war. Oma Susanne gab ihm eine Packung Überraschungseier mit auf den Weg. Als er um 18 Uhr nach Hause kam, schwärmte er begeistert von dem großen Kinderzimmer des Mädchens und was für schöne Bilder sie mit ihrem Malset gezeichnet hätten, dann zeigte er seine und wurde dafür gelobt, sie waren wirklich sehenswert.

„Ronjas Eltern sind sehr nett", erklärte der Junge, „sie haben noch ein Baby von einem Jahr. Wir haben auch Kuchen und Kakao gekriegt, das hat gut geschmeckt." Timo sagte ihm, dass er in der Woche nur bis 17 Uhr mit Ronja zusammen sein könne, weil sie dann zu Mama fahren würden. Zu Hause schwärmte der Junge noch von seiner Freundin, bis er einschlief.

Montag wurde Evamaria in die Reha verlegt und ihre Männer durften sie nicht besuchen, da eine Reihe von Untersuchungen anstand. Abends erhielt Timo eine Mail von ihr, die Besuchszeiten seien länger als im Marienhospital. Da sie jeden Vormittag Mobilitätsübungen habe, seien Besuche erst nach der Mittagsruhe, aber bis abends um 21 Uhr möglich. Deshalb solle er mit Marcus morgen Nachmittag kommen.

Wenn der Junge im Bett sei, könne er sie gerne abends noch einmal besuchen, damit sie beide endlich mal wieder Zeit füreinander hätten. So besuchten Timo und Marcus die Mutter am Dienstagnachmittag und fanden sie wieder in einem Einzelzimmer, dessen Aufpreis Timos Vater, wie schon im Hospital, bezahlte. Die beiden küssten sie herzlich und freuten sich über ihre zunehmende Mobilität.

Als der Junge um 19 Uhr nach einer Geschichte im Bett war, erklärte Timo ihm, er habe für zwei Stunden noch etwas zu erledigen. Im Notfall könne er ihn über sein Handy anrufen. Dann fuhr er mit einer Schachtel Mon Chéri in die Reha. Evemie saß auf dem Bett und ließ sich gerne von ihrem Mann umarmen und innig küssen. Doch das genügte Timo jetzt nicht mehr, er knöpfte ihr Nachthemd auf und liebkoste ihre Brüste, dann küsste er die Spitzen. „Weißt du, wie lange ich das vermisst habe?" flüsterte Evemie.

„Ja, ich habe die sieben Wochen schmerzlich gezählt", antwortete Timo und wühlte mit der Zunge ihren Mund auf, worauf sie ebenso leidenschaftlich antwortete. Lange gaben sie sich diesem Spiel hin, bis Evemie leise sagte: „Meine Mutter hat mich so aufgehetzt wegen deines Fehltritts, dass ich glaubte, ich könne dich überhaupt nicht mehr lieben. Erst in der Klinik ist mir brennend klar geworden, dass meine - und ich bin mir sicher, auch deine - Liebe viel größer ist, als ein kurzer Abweg.

Endlich kann ich wieder deine Zärtlichkeit mit allen Sinnen genießen und nun will ich dir ein bisschen davon zurückgeben." Sie öffnete seine Jeans und streichelte ihn, während sie sich innig küssten. Als Timo aufstöhnte, stieß Evemie ihm die Zunge tief in den Mund. Noch lange drückten sie sich aneinander und küssten sich, dann öffnete Evemie die Pralinenschachtel und fütterte ihren Mann mit den Köstlichkeiten.

Timo war wie erschlagen von diesem Liebesbeweis, schließlich stammelte er: „Danke meine ganz liebe Frau, ich bin so glücklich, wie liebevoll du mir meine Dummheit vergibst. Ich würde mich gerne bei dir bedanken, ist das denn möglich?" „Das möchte ich heute noch nicht wagen", antwortete Evemie nachdenklich. „Natürlich sehne ich mich auch danach und ich denke, es wird bald möglich sein, doch lass' mir bitte noch etwas Zeit, bis ich meines Körpers sicher genug bin.

Aber vielen Dank für dein Angebot." Mit diesen Worten küsste sie Timo noch einmal innig, dann überlegte sie eine Weile, bevor sie weitersprach: „Ich habe dir doch von der alten Dame erzählt, die mich nachts besucht hat. Sie hat mir klar gemacht, dass jeder Mensch tief in sich das Bedürfnis hat, die ganz innige Gemeinschaft mit mehreren Menschen zu erleben, weil er jedes Mal eine völlig neue Erfahrung erlebt.

Das hat mit Liebe nicht das Geringste zu tun, sondern nur mit körperlicher Neugier. Und ich muss gestehen, dass ich mich schon öfter bei attraktiven Kollegen gefragt habe, wie es mit ihnen im Bett sein könnte. Aufgrund meiner Erziehung habe ich mir diese Gedanken sehr schnell verboten, doch sie kamen immer wieder. Deshalb muss ich dir sagen, dass ich dir nicht garantieren kann, nicht auch mal mit einem anderen Mann intim zu werden, wenn das Bedürfnis dafür in mir übermächtig wird.

Die alte Dame hat es getan und trotzdem ihren Mann über alles geliebt. ‚Zu einer Krise gehören zwei', meinte sie. Und auch die Erinnerung an die Wahrsagerin auf Kreta hat mir geholfen ‚Sie müssen beide gemeinsam den Schatten über Ihrer Liebe verjagen, sonst geht sie verloren.' hat sie gesagt. Deshalb kann ich dir deinen Fehltritt nicht mehr übelnehmen, denn ich weiß, wie sehr du mich trotzdem liebst und dass ich möglicherweise auch nicht unfehlbar bin."

Timo konnte lange nichts sagen, weil seine geliebte Frau ihm ihr ganzes Innenleben offenbart hatte. Zum zweiten Mal an diesem Abend überraschte sie ihn vollkommen. Er küsste sie dankbar, dann antwortete er nachdenklich: „Ich danke dir für deine Erklärung, die mich begreifen lässt, warum ich mit Uta schlafen musste, obwohl ich dich liebe."

„Dazu habe ich eine heikle Frage: Wie ist es denn dazu gekommen?", überwand Evamaria sich zu fragen, nachdem sie eine Weile nach Worten gesucht hatte. „Ja, ich glaube, du solltest alles genau wissen", antwortete Timo langsam, dann berichtete er die ganze Geschichte der Verführung und auch Utas Versuch, ihn noch einmal einzufangen:

„Zwei Wochen nach meinem Fehltritt traf ich sie wieder. Ich war frustriert über deine schroffe Ablehnung und den Scheidungswunsch und sehnte mich nach etwas Wärme, so folgte ich ihrem Angebot, gemeinsam Kaffee zu trinken, wobei sie meine Einsamkeit sehr einfühlsam bedauerte. Und auch in Ihre Wohnung folgte ich ihr, wo sie mich nach einem Cognac auf der Couch verführen wollte.

Sie hatte mich schon entblößt, aber im letzten Moment sah ich dein trauriges Gesicht vor mir und kam zur Besinnung. ‚Du bist und bleibst ein Versager!', rief sie mir nach, als ich die Wohnung verließ, aber ich war unwahrscheinlich glücklich, dieser Versuchung widerstanden zu haben."

Atemlos hörte Evemie zu, bis sie antwortete: „Da habe ich dich schon damals völlig falsch eingeschätzt. Diese Frau hat dich ja nach Strich und Faden verführt. Ich finde es toll, dass du dich beim zweiten Mal standhaft gewehrt hast, bitte verzeih' mir meine blöde Reaktion." „Na ja, immerhin habe ich mich beim ersten Mal verführen lassen und es genossen, obwohl ich dir Treue versprochen habe, ich bin dankbar, dass du es mir verzeihst.

Jetzt hoffe ich, dass ich nicht noch einmal in die Verlegenheit kommen werde, die Erkenntnis auszunutzen, die du mir eben genannt hast, aber das Bewusstsein deiner Liebe wird mir genügend Kraft geben, solchen Versuchungen zu widerstehen. Auf der anderen Seite muss ich es tolerieren, wenn auch dir einmal die Hormone durchgehen. Wichtig ist doch nur, dass unsere Liebe nicht darunter leidet."

„Wie entwickelt sich denn die Freundschaft unseres Sohnes?", wollte Evemie noch wissen und Timo berichtete ihr von den beruhigenden Worten seiner Mutter und Marcus' begeisterten Nachmittagen, was Evamaria zufrieden zur Kenntnis nahm. Als eine Schwester an die Tür klopfte, die Besuchszeit sei zu Ende, lachte sie: „Ist ja nett, dass sie anklopft." Die beiden küssten sich noch einmal herzlich und Timo verabschiedete sich mit den Worten „Bis morgen und schlaf' gut!", von seiner Frau.

Nachdem er sich zu Hause überzeugt hatte, dass sein Sohn fest schlief, dachte er bei einem Glas Wein noch lange über Evemies überraschende Eröffnungen nach und dankte Gott für ihre wieder gefundene Liebe. Erst spät schlief er ein und träumte von einem Urlaub mit Evemie an einem einsamen Strand, wo sie nackend badeten und sich im flachen Wasser liebten. Als er mitten in der Nacht aufwachte, war der Traum noch in seinen Gedanken und er wusste, die Krise zwischen ihnen war überwunden.

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© Copyright 2017 Ernst-Günther Tietze, Hamburg, www.eg-tietze.de

Der Roman „Licht und Schatten" beschreibt auf 192 Seiten die entstehende Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die zu einer erfüllten Ehe führt, bis ein Seitensprung des Mannes die Harmonie zerstört. Erst eine Reihe schwerwiegender Ereignisse bringt die Frau dazu, die eigene verschüttete Liebe auszugraben und den gekränkten Stolz zu überwinden, bis sie feststellen muss, dass sie auch fehlbar ist. Überrascht begreifen beide Partner, dass diese Turbulenzen ihre liebevolle Gemeinschaft gefestigt haben, so dass sie sich für die neuen Anforderungen gewappnet fühlen, die auf sie zukommen.

Der Roman wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:
Als Taschenbuch für 8,99 Euro mit ISBN Nr. 978-3-7450-3356-4
Als e-Book für 1,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7450-3624-4

Das vorliegende Kapitel 4 umfasst im Buch 15 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.