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Licht und Schatten Kapitel 8

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Aus Kapitel 8 Heilung ?, Teil 2

„Ich würde gerne mit Ihnen über Ihr Land sprechen, da ist mir einiges unklar", sagte Timo zu Hakan Koçak. „Jederzeit", antwortete Hakan, „wenn Sie Zeit haben, können wir das gleich tun, hier ist noch lange geöffnet." Als Evamaria nickte, stimmte Timo zu und Nursel besorgte Tschaj und Kekse. „Nach dem Putschversuch hat sich wohl einiges in Ihrem Heimatland geändert, aber ich begreife nicht den radikalen Umschwung", begann Timo das Gespräch. „Dafür muss ich etwas weiter ausholen", antwortete Hakan nachdenklich. „Erdoğan hat ein Trauma. In einfachen Verhältnissen aufgewachsen schaffte er es 1994 zum Oberbürgermeister von Istanbul, wurde aber wegen seiner radikal islamischen Einstellung 1998 zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Im Gefängnis wurde er aber behandelt wie ein Pascha: Die Wächter durften nicht rauchen und nicht die Beine überschlagen, weil es Erdoğan nervt, wenn man die Beine überschlägt und raucht, und seine Zelle, oder besser sein kleines Apartment, wurde mit einem Riegel von innen verschlossen. Nach seiner Entlassung im nächsten Jahr gegründete er rechtzeitig vor der schweren Wirtschaftskrise mit dramatischen Auswirkungen auf Löhne und Beschäftigung die AKP, die 2002 einen überragenden Sieg errang. Kluge Maßnahmen führten zu ausländischen Investitionen und hohem Wirtschaftswachstum bei niedriger Inflation. Diese Erfolge machten die Partei bei der Bevölkerung so beliebt, dass sie stets die absolute Mehrheit im Parlament gewann.

Erdoğan ging sogar auf die PKK zu, um eine Lösung des Kurdenkonfliktes zu erreichen. Leider hat er diese hoffnungsvolle Entwicklung vor kurzem ins Gegenteil verkehrt. Die enge Kooperation mit Fethullah Gülen und seiner moderat islamischen Bewegung stärkte Erdoğan, bis diese Bewegung Korruption in seiner Umgebung aufdeckte. Von da an herrschte erbitterte Feindschaft zwischen den beiden. Den riesigen Präsidentenpalast mit 1.100 Zimmern hat das oberste Verwaltungsgericht der Türkei zum Schwarzbau erklärt, was allerdings keine Folgen hatte. 2013 gab es in Istanbul Demonstrationen gegen ein geplantes Bauprojekt auf dem Gelände des Gezi-Parks, die mit einem gewaltsamen Polizeieinsatz beendet wurden. Daraus entstanden in mehreren Großstädten Demonstrationen gegen die als autoritär empfundene Politik der AKP und sie wurde immer mehr zum Feindbild der aufgeklärten Bevölkerung. Der Putschversuch im Juli verstärkte Erdoğans Trauma massiv, denn nur durch Zufall entging er dem Tod durch die Putschisten. Seitdem sieht er nicht nur in Gülen sondern überall Feinde und will die unbegrenzte Macht für sich. Die angestrebte Verfassungsänderung ist sein Vehikel dafür, wenn sie durchkommt, ist er ein absoluter Diktator ohne jedes Kontrollgremium und ich fürchte, er wird das erreichen.

Uns beide sollte das eigentlich gar nicht interessieren, denn wir mussten unsere türkischen Pässe abgeben, als wir Deutsche wurden, und können an der Abstimmung nicht teilnehmen, aber unsere Eltern werden es tun und wir versuchen immer wieder, sie über die Konsequenzen aufzuklären. Sie sind zwar schon hier geboren, aber von unseren eingewanderten Großeltern, die nie ein Wort Deutsch gelernt haben, vollkommen türkisch beeinflusst worden. Wie die meisten Türken der ersten Generation sind die vor fünfzig Jahren aus den Dörfern Anatoliens oder den Armenvierteln der türkischen Städte gekommen und haben durch Ablehnungserfahrungen einen Minderwertigkeitskomplex bekommen. Viele fühlen sich nur unter den andern Türken wohl, mit denen sie ohne Kontakt zu Deutschen in ihren Ghettos leben. In diesem islamisch-konservativ geprägten Milieu, aus dem auch Erdoğan stammt, kommt seine ‚Starker-Mann-Rhetorik' besonders gut an. Deshalb sind so viele Türken in Deutschland für ihn. Doch auch wir lieben die Türkei, weil unsere Eltern Kindheits- und Urlaubserinnerungen mit dem Land verbinden und wir Verwandte und Freunde dort haben. Das ist der Zwiespalt, in dem viele von uns leben."

„Das lässt mich vieles klarer sehen, vielen Dank für die umfassende Erläuterung", bedankte sich Timo, „Wie wird es weiter gehen?" „Zurzeit ist das schwer zu sagen", antwortete Hakan. „Dem Land droht jetzt wieder eine massive Wirtschaftskrise, denn es importiert viel mehr Güter, als es exportiert und der Tourismus geht stark zurück. Die Lira hat 30 Prozent an Wert verloren, das macht die Importe bedeutend teurer. Zusätzlich ziehen immer mehr Investoren ihr Geld ab. Die massenhaften Entlassungen und Festnahmen tausender Beamter, Richter, Journalisten und Militärs schwächen nicht nur den Staatsapparat und die Zivilgesellschaft, sondern auch das Vertrauen der Märkte. Die wirtschaftliche Talfahrt könnte den Wohlstand des Landes gefährden und damit auch Erdoğans Machtgrundlage."

„Wir haben viel gelernt, noch einmal herzlichen Dank für Ihre Erläuterungen, ich staune über Ihren umfassenden Überblick und wir sollten in Verbindung bleiben", meldete sich Evamaria und die Koçaks stimmten zu, bevor man sich verabschiedete und nach Hause fuhr. Beim Abendessen fragte Timo seine Frau, ob sie morgen den Wagen nehmen wolle, doch sie lehnte dankend ab: „Ich finde keinen Parkplatz bei uns und komme mit der Bahn in einer halben Stunde zur Arbeit, während du damit doppelt so lange brauchen würdest und den Wagen parken kannst." Timo dankte ihr und sie gingen bald ins Bett, der Tag hatte sie ermüdet.

Montag war der erste normale Tag im Leben der Familie seit elf Wochen. Der Wecker klingelte um 6 Uhr, sie gingen nacheinander ins Bad, Timo bereitete das Frühstück für alle, dann duschte er. Um 7:45 waren sie fertig, Marcus ging zur Schule und Timo setzte Evemie an der U-Bahn ab. Sie wurde im Modehaus stürmisch begrüßt und besonders gelobt, als sie die Entwürfe zeigte, die sie in der letzten Zeit gezeichnet hatte. Um 16 Uhr war sie wieder zu Hause, wo Marcus kurz danach mit Ronja aus der Schule kam und mit ihr nach ein paar Keksen mit Kakao bis 18 Uhr spielte Als Timo nach Hause kam, erzählte sie von der Begrüßung in der Firma und wie froh sie sei, wieder schöpferisch tätig zu sein.

Kurze Zeit später rief Oma Theresa völlig aufgelöst an: „Das Krankenhaus hat mir eben mitgeteilt, dass bei Manuel die Atmung ausgefallen ist, er aber noch am Leben gehalten wird." „Lass' uns mit ihr zur Klinik fahren", schlug Timo vor, sie holten die Oma ab und waren nach fünfzehn Minuten im Krankenhaus. „Er war doch schon so gut beisammen und erinnerte sich an vieles, das ist jetzt alles umsonst", klagte die alte Dame verzweifelt. In der Klinik fanden sie Manuel mit einer Maske auf Mund und Nase an ein Beatmungsgerät angeschlossen, er schien sehr schwach zu sein, doch als er die Besucher sah, ging ein Lächeln über sein Gesicht. „Offenbar hat der starke Blutverlust vor zwei Wochen das Atemzentrum unbemerkt so geschädigt, dass es jetzt vollkommen ausgefallen ist, leider ist der Patient nicht mehr zu retten", sagte der Arzt. „Nur mit diesem Gerät halten wir ihn noch am Leben. Wenn Sie sich verabschieden wollen, ist es jetzt möglich, allerdings kann er wegen der Maske nicht sprechen."

Theresa schossen die Tränen aus den Augen, dann nahm sie sich zusammen und sprach ihren Mann an: „Ich habe dich immer sehr geliebt und weiß, dass du mich ebenso geliebt hast, wir hatten viele schöne Jahre miteinander. Ich will dich nicht verlieren, aber der Arzt sagt, es gibt keine Hoffnung, weil deine Atmung zerstört ist. Deshalb will ich dir jetzt ‚Auf Wiedersehen' sagen, irgendwann sehen wir uns an einem wunderschönen Ort wieder." Sie konnte nicht weiter sprechen, weil das Schluchzen sie überwältigte. Nun sprach Evamaria ihren Stiefvater an: „Auch ich habe dich immer gern gehabt, denn du hast mir den Vater ersetzt und mich vieles gelehrt. Einmal hast du mich sogar vor einer Entführung gerettet. Hab' vielen Dank für die Güte und Zuwendung, die du mir gegeben hast. Wenn du Muttis und meine Worte verstanden hast, schließ' doch bitte deine Augen zweimal." Wirklich plinkerte der Patient zweimal mit den Augen.

„Wir müssen jetzt eine Entscheidung treffen", nahm der Arzt das Wort. „Nach übereinstimmender Meinung mehrerer Kollegen wird der Patient ohne die künstliche Beatmung nach wenigen Minuten ersticken. Wir halten ihn nur am Leben, um Ihnen den Abschied zu ermöglichen. Sind Sie mit dem Ausschalten des Gerätes einverstanden und dürfen wir danach Organe des Toten zur Spende entnehmen?" „Wir beide haben sowohl Patientenverfügungen unterschrieben, die eine künstliche Lebensverlängerung ausschließen, als auch Organspenderausweise", erinnerte sich Theresa, doch Timo meinte: „Fragen wir den Patienten doch selber. Opa Manuel, hast du gehört, dass dir nicht mehr zu helfen ist und bist du einverstanden, die künstliche Beatmung auszuschalten, dich sterben zu lassen und deine Organe zu spenden? Du musst dir darüber klar sein, dass das eine unwiderrufliche Entscheidung ist." Es dauerte einen Moment, bis Manuel zweimal deutlich plinkerte. Theresa schluchzte auf, dann beugte sie sich über ihren Mann und küsste ihn auf die Stirn, Evamaria tat es ihr nach.

„Weil Ersticken ein schlimmer Tod ist, werden wir den Patienten mit einer Spritze narkotisieren, wenn Sie einverstanden sind", meldete sich der Arzt wieder. „Es wird etwas dauern, bis sie wirkt, erst dann schalten wir das Gerät aus. Als Ehefrau müssen Sie noch zwei Erklärungen unterschreiben, für das Abstellen der Beatmung und für die Organspende, dann können Sie hier warten oder wir benachrichtigen Sie, wenn der Patient gestorben ist." „Ich will bis zum Schluss bei ihm bleiben, aber ihr könnt gehen", sagte Theresa, „ich melde mich dann." „Ich bleibe bei dir und werde auch danach mit zu dir kommen ", entschied Evamaria und wandte sich an ihre Männer: „Ihr beide fahrt am besten nach Hause, denn Marcus muss ins Bett." Timo strich dem Patienten und seiner Schwiegermutter über die Haare und küsste seine Frau. Auch Marcus küsste die Mutter, dann fuhren sie nach Hause.

„Warum muss Opa sterben?" fragte Marcus unterwegs und Timo musste nachdenken, bis er eine Antwort fand: „Wenn wir atmen, gibt das Atemzentrum im Gehirn ständig Befehle an die Lungen, ohne dass wir das merken. Der Opa hatte einen starken Blutverlust im Gehirn, der das Atemzentrum anscheinend geschädigt und jetzt völlig zerstört hat, so dass er nur noch durch das Gerät beatmet wurde und keine Aussicht hat, wieder selbstständig zu atmen, Deshalb hat er zugestimmt zu sterben, ohne das Gerät wäre er schon tot gewesen." „Es ist schade, dass er sterben muss, denn ich habe ihn gerne gehabt", meinte der Junge und Timo sagte: „Ich auch." Zu Hause machte er das Abendbrot für sie beide und las dem Jungen anschließend eine lange Bettgeschichte vor. Als er auch schlafen gehen wollte, rief Evemie an, Manuel sei friedlich eingeschlafen und sie werde über Nacht bei ihrer Mutter bleiben. „Ich wünsche euch, dass ihr einigermaßen schlafen könnt", sagte Timo.

„Ich weiß überhaupt nicht, wie es jetzt weitergehen soll", klagte Theresa, als die beiden Frauen in ihrer Wohnung waren. „Nun, zunächst ändert sich nichts für dich", tröstete Evamaria ihre Mutter. „Du bist schon zwei Wochen alleine und ich denke, du wirst hier weiter leben wollen. Natürlich kümmern wir uns um dich. Du verdienst einigermaßen und Manuel hat einen Rentenanspruch, von dem du als Witwe 60 Prozent bekommst. Ich meine, er hatte auch eine Lebensversicherung, schau doch mal in seine Unterlagen." Theresa ging ins Nebenzimmer und kam mit einem Ordner wieder, den sie ihrer Tochter gab. „Schau", rief die nach einer Weile, „hier ist eine Lebensversicherung über 100.000,- Euro, damit kannst du ganz ordentlich leben. und hier ist auch euer gemeinsames Testament, das dich zunächst als Alleinerbin einsetzt. Nimm jetzt erst mal eine Woche Urlaub, du musst mit der Bank und den Behörden allerlei klären und die Beisetzung auf den Weg bringen. Wir können dich dabei unterstützen, soweit unsere Arbeit das zulässt. Wenn du jetzt schlafen gehen willst, bleibe ich bei dir und begleite dich morgen zum Krankenhaus und den anderen Stellen." „Du bist ein Engel" flüsterte Theresa und umarmte ihre Tochter, „es ist spät und wir sollten wirklich schlafen gehen."

Beim Frühstück am Dienstag fragte Marcus seinen Vater „Ist der Opa jetzt im Himmel", worauf Timo meinte, das glaube er bestimmt. Im Büro suchte er ein Bestattungsunternehmen in der Nähe, vereinbarte für den Nachmittag einen Besuch und informierte seine Frau telefonisch. Theresa nahm Urlaub für die restliche Woche und Evamaria für den angebrochenen Tag, dann begleitete sie die Mutter zur Klinik, wo sie die Todesbescheinigung erhielten und erfuhren, dass sie für die Sterbeurkunde auch Personalausweis, Geburtsschein und Heiratsurkunde brauchten. Mit diesen Dokumenten besuchten sie das Standesamt und erhielten die Urkunde. Damit und mit dem Testament beantragten sie beim Nachlassgericht einen Erbschein. Da Theresa eine Kontovollmacht hatte, ließ sie Manuels Guthaben auf ihr Konto übertragen. Bei Manuels Supermarktkette beantragten sie die Auflösung des Arbeitsvertrages und die Auszahlung der Sterbeprämie.

Bei den vielen Erledigungen hatten sie nicht bemerkt, dass es schon Nachmittag geworden war, und weil sie Hunger hatten, lud Theresa die Tochter in ein Café ein. „Ich weiß nicht, wie ich das alles ohne deine Hilfe hätte schaffen können", sagte sie leise und ergriff Evamarias Hand, „hab' ganz herzlichen Dank, mein liebes Mädchen." Die Tochter drückte die Hand und antwortet ebenso leise: „Er war doch wie ein Vater zu mir und ich habe ihn immer gern gehabt." Dann fuhren sie zum Bestattungsunternehmen, wo nach kurzer Zeit auch Timo mit Marcus eintraf, den er von der Schule abgeholt hatte. Theresa suchte einen schönen Sarg aus und vereinbarte die Beisetzung für Donnerstagnachmittag, nachdem sie telefonisch mit dem Pfarrer die Trauerfeier vereinbart hatte. Sie bedankte sich noch einmal und verabschiedete sich, sie wolle jetzt alleine sein.

Abends besuchte der Pfarrer sie, um über den Verstorbenen und ihre Ehe mit ihm für seine Predigt zu sprechen. Theresa hörte aus seinen Fragen einen Tadel heraus, dass sie sich von ihrem ersten Mann geschieden und ohne den Segen der Kirche einen anderen geheiratet hatte. „Ich hätte ihn gerne mit dem Segen der Kirche geheiratet, aber die Kirche hat es mir verwehrt", antwortete sie erregt, „und zusätzlich haben Sie mich nach der Heirat vom Abendmahl ausgeschlossen. Ich habe es allerdings die ganze Zeit über in Kirchen genommen, wo mich niemand kennt." Als der Pfarrer erwiderte, damit habe sie zusätzliche Sünden auf sich geladen, rief sie „Das war es mir wert und schließlich ist Christus für unsere Sünden gestorben." „Aber nur nach Beichte und Lossprechung durch einen Pfarrer", erwiderte der Mann. „Da kann man glatt zum Protestanten werde", rief Theresa, „Sie bekommen wohl überhaupt nicht mit, was Papst Franziskus denkt und sagt!" „Dieser Papst ist eine Fehlbesetzung, der unsere ganze Kirche durcheinander bringt", antwortete der Geistliche, „er sollte schnellstens zurücktreten und Platz machen für Fähigere im Sinn des Amtes. Für den Bestand unserer Kirche geht es um weit wichtigere und ernsthaftere Dinge als um die Befindlichkeit geschiedener Frauen. Wenn Sie weiter in Sünde leben wollen, kann ich Ihnen nicht helfen." Damit verließ er die Wohnung, ohne Theresa die Hand zu geben. „Wäre die ganze Kirche so wie dieser Mann, würde ich sicherlich Protestantin werden, doch ich glaube an einen Wandel durch den Papst", dachte Theresa, bevor sie ins Bett ging.

Am Donnerstagnachmittag kam die Trauergemeinde in der Friedhofskapelle zusammen. Neben Timos Familie waren auch seine Eltern, Manuels Chef und Kollegen, Theresas Nachbarn und Evamarias Vater gekommen, der sich neben Theresa setzte. „Ich achte deine Trauer, denn ich bin sicher, dass ihr euch sehr geliebt habt. Liebe ist doch der Weg, wie man lebendig bleiben kann, nachdem man gegangen ist, und ich werde deine Liebe zu Manuel immer achten", sagte er leise und strich ihr über die Haare, was sie sich ohne Weiteres gefallen ließ. Die Begräbnisfeier entsprach der Ordnung der katholischen Kirche mit Liedern, Gebeten, Schriftlesung, Ansprache und Aussegnung. Als der Pfarrer sagte, Theresas Ehe mit dem Verstorbenen sei nicht gesegnet gewesen, weil sie eine frühere gesegnete Ehe aufgelöst habe, rief sie laut in den Saal: „Diese Gemeinheit hätten Sie sich sparen können!", und die Zuhörer klatschten Beifall. Auf dem Weg von der Kapelle zur Grabstätte legte Evamarias Vater den Arm um seine von ihm geschiedene Frau und sie ließ es geschehen. Gemeinsam warfen sie ihre Blumen auf den Sarg in der Grube, was Evamaria erfreut zur Kenntnis nahm. Beim anschließenden Leichenschmaus flüsterte Moritz Theresa ins Ohr: „Nicht nur weil wir nach dem Kirchenrecht noch verheiratet sind, biete ich dir jede Hilfe an, wenn du sie brauchst. Ich lebe schon lange alleine", worauf sie ebenso leise antwortete, sie werde sicherlich gerne darauf zurückkommen.

Auf dem Heimweg fragte Timo seine Frau, ob sie das Gespräch zwischen ihren beiden Eltern beobachtet habe und sie antwortete, sie habe sogar gesehen, wie Moritz ihr auf dem Weg den Arm umgelegt habe. „Ich hätte absolut nichts dagegen, wenn die beiden wieder zueinander fänden, wo meine Mutter jetzt alleine ist und ihre starre Haltung aufgegeben hat", fügte sie hinzu. „Trotzdem sollten wir uns mehr um sie kümmern, sie öfter mal einladen oder besuchen", meinte Timo, „gerade jetzt dürfen wir sie nicht sich selbst überlassen." „Du bist ganz lieb", meinte Evamaria und küsste ihn auf die Wange, „aber wir müssen aufpassen, dass wir einen eventuellen Neuanfang zwischen meinen Eltern nicht stören."
Zu Hause fand Evamaria einen Brief von der Staatsanwaltschaft, man habe wegen ihrer schweren Verletzung auf eine Anklage wegen Verkehrsgefährdung verzichtet.

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© Copyright 2017 Ernst-Günther Tietze, Hamburg, www.eg-tietze.de

Der Roman „Licht und Schatten" beschreibt auf 192 Seiten die entstehende Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die zu einer erfüllten Ehe führt, bis ein Seitensprung des Mannes die Harmonie zerstört. Erst eine Reihe schwerwiegender Ereignisse bringt die Frau dazu, die eigene verschüttete Liebe auszugraben und den gekränkten Stolz zu überwinden, bis sie feststellen muss, dass sie auch fehlbar ist. Überrascht begreifen beide Partner, dass diese Turbulenzen ihre liebevolle Gemeinschaft gefestigt haben, so dass sie sich für die neuen Anforderungen gewappnet fühlen, die auf sie zukommen.

Der Roman wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:
Als Taschenbuch für 8,99 Euro mit ISBN Nr. 978-3-7450-3356-4
Als e-Book für 1,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7450-3624-4

Das vorliegende Kapitel 8 umfasst im Buch 16 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.