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Licht und Schatten Kapitel 6

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Aus Kapitel 6 Nue Liebe, Teil 2

Evamaria legte sich sofort ins Bett und schlief ein, während Timo den Jungen versorgte. Dann setzte er sich zu seiner Frau ins Schlafzimmer und beobachtet ihren Schlaf. Hatte er sie gestern Abend überanstrengt? Aber sie hatte es doch auch gewollt. Auf jeden Fall musste sie sich noch schonen, bis ihre Beine wieder vollkommen verheilt wären. Plötzlich hörte er seine Frau laut stöhnen. Sacht strich er ihr über die Haare, da erwachte sie und brauchte einen Moment, bis sie zu sich kam und sich umsah. „Schön, dass du bei mir bist", sagte sie langsam, „du hast mich wieder vor dem Bären gerettet." „Welch Bär?", fragte Timo erstaunt und sie antwortete: „Der riesige Bär, der mich in die Beine beißt und den du mit der Axt erschlägst. Ich hatte diesen Alptraum schon am ersten Abend in der Klinik, als mir die Beine wehtaten, und das war jetzt wieder der Fall, aber du hast mich immer gerettet." „Erzähl' ein bisschen mehr", bat Timo und sie berichtete von den Alpträumen in der Klinik. „Gut dass ich dir helfen konnte", meinte Timo, bevor sie noch einmal einschlief.

Nach einer Stunde erwachte Evamaria wieder und sah Timo noch neben sich sitzen. „Hast du meinen Schlaf beobachtet?", fragte sie. „Nein, ich habe ihn bewacht, damit der Bär dir nichts mehr zuleide tut", antwortete er lachend. „Habe ich mich denn ordentlich benommen?", wollte sie wissen. „Ja, du hast so ruhig und brav geschlafen wie ein Baby, dabei kein bisschen geschnarcht oder sowas." „Da bin ich froh", meinte Evemie und fuhr fort: „Ich stehe jetzt auf und wir essen Abendbrot. Wenn möglich, sollten wir den Jungen dazu holen. Und dann lege ich mich schnell wieder lang, für heute müssen wir auf weitere Aktivitäten verzichten. Bist du mir sehr böse deswegen?" „Überhaupt nicht!", erwiderte Timo, „ich bin doch dankbar, dass wir uns gestern Abend so wundervoll finden konnten. Und ich mach' das Abendbrot fertig, du bleibst noch so lange im Bett." Nach zehn Minuten hatte er Stullen geschnitten und Tee gekocht, dann holte er seine Frau und den Sohn zu einem gemütlichen Essen. Als alles aufgegessen war, half er Evemie im Bad, danach führte er sie wieder ins Bett und brachte Marcus mit einer Geschichte zum Schlafen. Dann brachte er die Küche in Ordnung, hörte die Abendnachrichten und ging auch schlafen, Evemie schlief schon. Da er in der letzten Nacht lange nachgedacht hatte, schlief er schnell ein.

Sonntag früh war Evemie zuerst wach und schaute auf ihren schlafenden Mann, den die aufgehende Sonne strahlend beleuchtete. Eine heiße Dankbarkeit kam über sie und sie konnte nicht begreifen, dass sie sich vor ein paar Wochen von ihm trennen wollte. Noch immer wirkte der alte Zauber zwischen ihnen: Nachdem sie ihn eine Weile angeschaut hatte, bewegte sich der Schlafende leicht und schlug die Augen auf. Sie strich ihm sanft übers Haar und küsste ihn schließlich, als er ganz wach war. Dann streckte sie die Arme aus und zog ihn an sich. Behutsam kam er zu ihr und sie erlebten eine ebenso innige Begegnung wie Freitagabend. Dabei merkten sie gar nicht, dass Marcus ins Zimmer gekommen war und ihnen zuschaute. Als sie zur Ruhe gekommen waren, hörten sie ihn sagen: „Jetzt habt ihr euch wieder ganz lieb, da bin ich sehr froh." „Komm zu uns ins Bett, dann sind wir alle beieinander", sagte Evemie glücklich, „du hast ja schon früher gesehen, wie wir uns lieben." „Wollt ihr denn noch ein Kind haben?", fragte der Junge. Die beiden sahen sich an, dann antwortete die Mutter lächelnd: „Nein, wir müssen dabei kein Kind zeugen, sondern tun es, weil wir uns so sehr lieben. Es gibt nichts Schöneres für uns als diese ganz innige Begegnung. Wir freuen uns, dass du es gesehen hast." Timo fasste dem Jungen auf die Stirn, dann sagte er: „Du bist schon fast wieder gesund. Die Pusteln sind weg und das Fieber auch. Lass' uns jetzt aufstehen und frühstücken, dann fahren wir wieder zu den Großeltern." Er half Evemie im Bad, und nach dem Frühstück fuhren sie zu seinen Eltern.

Nach dem Mittagessen, das Marcus am Tisch mitaß, sprach Opa Götz das gestrige Thema noch einmal an: „Ich habe über deine Batterietests nachgedacht und wie geheim das Problem bei uns gehalten wird. Kannst du nicht deine Überlegungen einfach mal nach oben katapultieren?" Timo überlegte eine Weile, bis er antwortete: „Daran habe ich auch schon gedacht, denn ich habe das Gefühl, mein Vorgänger hat unnötigerweise ein Geheimnis draus gemacht. Aber ich bin jetzt gerade eine Woche in dieser Position. Da würde es einen schlechten Eindruck machen, wenn ich jetzt schon mit Ideen vortrete. Immerhin habe ich dank Evemies Hinweis schon ein Datenleck aufgedeckt. Vorerst sammle ich nur die relevanten Informationen und bereite ein Memorandum vor, aber ich will noch mindestens drei Wochen warten. bis ich es abschicke." Opa Götz fand das vernünftig und schlug vor, das Schriftstück vorher gegenzulesen, was Timo gern annahm.

Nach dem Kaffee war es Zeit, Evamaria wieder in die Klinik zu bringen. Sie verabschiedete sich vor allem von Marcus und versprach, er könne sie wieder besuchen, wenn er hinreichend gesund sei. Zum Abschied in der Klinik küssten Evemie und Timo sich herzlich und sie flüsterte: „Hab' vielen Dank für das wundervolle Wochenende. Wir sind wieder in der Liebe angekommen." „Ja, aber vor allem durch deinen Großmut", antwortete Timo, worauf sie zufügte, „Nein, weil mir meine Liebe wieder klar geworden ist."

An den nächsten Tagen beschäftigte Timo sich intensiv mit den Eigenschaften der von seiner Abteilung untersuchten Batterien und suchte in allen verfügbaren Quellen nach Produkten, die sie noch nicht im Visier hatten. Außerdem notierte er Stichworte für sein Memorandum, das er in ein paar Wochen schreiben wollte. Jeden Abend besuchte er seine Frau und die beiden schmusten zärtlich miteinander. Mittwoch konnte Marcus zum ersten Mal für längere Zeit aufstehen, musste aber noch im Hause bleiben.

Donnerstag nahm Timo ihn mit in die Klinik und Evamaria freute sich, ihren Sohn zu sehen. Der Arzt schlug vor, die Patientin könne am nächsten Wochenende wieder Urlaub nehmen und wenn dabei keine Komplikationen aufträten, anschließend in die ambulante Reha wechseln. Dabei würde sie tagsüber in der Klinik mit Krankengymnastik und Massagen behandelt, und könne anschließend in die Wohnung zurückehren. Den Transport bezahle die Krankenkasse. Die beiden freuten sich über das Angebot und überlegten, ob Evemie in ihrer Wohnung oder bei Timos Eltern am besten aufgehoben sei. „Lass' uns da am Wochenende feststellen, wir müssen es auch mit Oma Susanne besprechen", meinte Timo schließlich, „ich hole dich morgen Nachmittag wieder ab und wir werden sehen, wie selbstständig du dein Leben gestalten kannst." „Gut", antwortete sie, „dann fahren wir gleich in unsere Wohnung und besuchen deine Eltern erst am Samstag." „Ich will auch bei euch sein", bat Marcus. „OK", antwortete Timo, „ich hole dich bei Oma ab, bevor ich zu Mama fahre und du kommst mit in die Wohnung." „Ich kann Montag auch wieder zur Schule gehen", teilte der Junge mit.

Freitag fuhr Timo mit seinem Sohn in die Reha-Klinik und holte seine Frau ab. In der Wohnung hatte er alles für das Abendessen und die Nacht vorbereitet und die Mutter las Marcus eine Bettgeschichte vor. „Schön, dass du mir mal wieder vorliest", freute sich der Junge. Eine kleine Weile saßen die Eltern noch bei einem Glas Wein zusammen, bis Evemie flüsterte: „Komm, ich habe Sehnsucht nach dir." Die beiden Liebenden fanden wieder eine herrliche Erfüllung und schliefen erst spät ein.

Am nächsten Morgen waren sie kaum richtig wach, als Marcus zu ihnen kam und sich an sie drückte. Glücklich schauten die Eltern sich an, ihre Familie war wieder heil geworden. „Bis wir mittags zu deinen Eltern fahren, könnten wir eigentlich mal wieder ein bisschen musizieren", schlug Evamaria vor und Timo ging gerne darauf ein. Sie merkten schnell, dass sie ziemlich aus der Übung gekommen waren, nur Marcus fand ihre Versuche schön. „Da müssen wir einigen Aufwand investieren, um wieder einigermaßen fit zu sein", meinte Timo, doch seine Frau bestimmte: „Wir haben noch eine Stunde Zeit, lass' und gleich weiter machen." Nach dieser Stunde ginge es schon besser, sie hatten sich eingespielt.

Bei Timos Eltern sprachen sie die ambulante Reha an und Oma Susanne erklärte sich gerne bereit, Evamaria bei sich aufzunehmen, wenn sie alleine in ihrem Haushalt nicht klar komme. „Aber erst mal versuche ich es", bestimmte die junge Frau und Timo stimmte ihr zu. Nach dem Kaffee fuhren sie zurück in ihre Wohnung, wo Evamaria versuchte, sich wieder mit der Haushaltsführung vertraut zu machen. Timos Hilfe lehnte sie mit den Worten ab: „Damit muss ich alleine fertig werden, sonst kann ich es gleich lassen." Es dauerte nicht lange, bis sie sich sicher fühlte und das Abendessen bereitete. Danach brachte sie den Jungen wieder ins Bett, was er gerne annahm. Nach einem Glas Wein entschuldigte sie sich bei Timo, die ungewohnte Tätigkeit am Tag habe sie so ermüdet, dass sie schnell schlafen müsse, aber morgen sei ja auch noch ein Tag. Da würden sie zu Hause bleiben und sie wolle versuchen, etwas zum Mittag zu kochen.

Sonntag früh wurden die beiden gemeinsam wach und holten nach, wozu Evemie abends zu müde gewesen war. Sie wollten schon aufstehen, als der Sohn zu ihnen kam und sich zwischen sie drückte. „Ihr habt ja gar nichts an", stelle er fest, „habt ihr euch wieder geliebt?" „Ja", lachte Evemie, „das haben wir, und es ist am schönsten, wenn man nichts anhat." „Ich bin gespannt, wann ich auch mal ein Mädchen so lieben kann, aber ich glaube, Ronja ist zu jung", dachte der Junge laut nach und der Vater antwortete: „Da musst du noch mindestens zehn Jahre warten. Die Mädchen brauchen viel mehr Zeit dafür. Ich weiß, wovon ich spreche, nicht wahr meine Liebe." Evamaria meinte, dem Jungen das Thema noch näher erläutern zu müssen: „Sieh mal, diese innige Begegnung ist kein Spiel. Sie sollte nur in einer ganz tiefen Liebe geschehen und dazu gehört Vertrauen, dass man auch geliebt wird. Man wird dabei verantwortlich für den Menschen, den man liebt, und weil das ist in eurem Alter noch nicht gegeben ist, brauchen vor allem die Mädchen viel Zeit, um sich so weit zu entwickeln, dass sie einen Jungen richtig lieben können." „Na, wenn das so ist, will ich gerne noch eine Weile warten", stimmte der Junge zu.

Evamaria bestand darauf, das Frühstück zu bereiten und auch das Geschirr zu spülen, dann inspizierte sie die Lebensmittelvorräte und schlug vor, Eierkuchen zu bereiten mit grünem Salat als Vorspeise. „Ich mache eine Liste, damit kannst du morgen nach der Arbeit einkaufen gehen, dann bin ich etwas flexibler mit der Kocherei", beschied sie ihren Mann. Das einfache Essen schmeckte vorzüglich und sie braute noch einen Espresso als Abschluss. „Jetzt muss ich mich erst mal lang legen, der Tag hat mich doch ziemlich ermüdet", meinte sie dann, „den Abwasch mache ich später." Doch Timo brachte mit Marcus' Hilfe das Geschirr in die Spülmaschine. Dann stellte er mit ihm die Schulmappe zusammen, denn morgen sollte der Junge wieder in die Schule gehen.

Als die Mutter ausgeschlafen war, bereitete sie Kaffee und Kekse und für Marcus Kakao, dabei fragte Timo: „Sag bitte ganz ehrlich, ob du dir zutraust, den Haushalt hier alleine zu führen. Du wirst täglich einige Zeit in der Klink verbringen, musst dir etwas zu essen machen und bist müde, wenn der Junge aus der Schule kommt. Für Ordnung musst du auch sorgen. Wäre es nicht besser, wenn du vorerst von der Klinik zu Oma Susanne zurück gebracht wirst und ich euch nach der Arbeit hierher hole?" „Du könntest Recht haben", meinte Evamaria nachdenklich. „Zumindest in der nächsten Woche sollten wir es so halten, dann sehen wir weiter. Informierst du deine Mutter?" Timo rief seine Eltern an und teilte ihnen den Entschluss mit, wobei seine Mutter sagte, sie halte diese Lösung auch für besser.

Nach dem Abendbrot, das Evamaria bereitet hatte, brachte sie den Jungen wieder zum Schlafen und die beiden fanden noch einmal zu einer innigen Umarmung zusammen, bevor sie einschliefen. Am nächsten Morgen riss der Wecker sie früh aus dem Schlaf. Beide bereiteten das Frühstück, dann ging Marcus zur Schule und Timo fuhr zur Arbeit, wo er sich weiter seinem Memorandum widmete. Evamaria wurde von einer Taxe zur Reha-Klinik abgeholt und dort ebenso umfassend behandelt wie in den vorigen Wochen. Danach wollte sie sich zu Oma Susanne bringen lassen.

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© Copyright 2017 Ernst-Günther Tietze, Hamburg, www.eg-tietze.de

Der Roman „Licht und Schatten" beschreibt auf 192 Seiten die entstehende Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die zu einer erfüllten Ehe führt, bis ein Seitensprung des Mannes die Harmonie zerstört. Erst eine Reihe schwerwiegender Ereignisse bringt die Frau dazu, die eigene verschüttete Liebe auszugraben und den gekränkten Stolz zu überwinden, bis sie feststellen muss, dass sie auch fehlbar ist. Überrascht begreifen beide Partner, dass diese Turbulenzen ihre liebevolle Gemeinschaft gefestigt haben, so dass sie sich für die neuen Anforderungen gewappnet fühlen, die auf sie zukommen.

Der Roman wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:
Als Taschenbuch für 8,99 Euro mit ISBN Nr. 978-3-7450-3356-4
Als e-Book für 1,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7450-3624-4

Das vorliegende Kapitel 6 umfasst im Buch 14 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.