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Licht und Schatten Kapitel 6

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Aus Kapitel 6 Neue Liebe, Teil 1

Freitag konnten Timos Mitarbeiter sich wieder der Prüfung von Batterien widmen. Timo nutzte die Gelegenheit, gleich am Ende der Gleitzeit Feierabend zu machen und in die Klinik zu Evemie zu fahren. Schnell zog sie das Kleid über und konnte mit den Krücken problemlos zum Auto laufen. Zunächst fuhren sie zu Oma Susanne, wo Evemie ihren Jungen herzlich begrüßte. Da sie als Kind Scharlach gehabt hatte, brauchte sie keine Ansteckung zu befürchten. Die Oma hatte Kuchen gebacken, den die Erwachsenen mit Kaffee genossen, Marcus schmeckte der Kakao ebenso gut. Als Opa Götz nach Hause kam, aßen sie zusammen Abendbrot, dann bat Timo, Evamaria und sich zu entschuldigen, sie müsse dringend liegen. Lächelnd gaben Timos Eltern die beiden frei, sie ahnten, warum sie es so eilig hatten. Mit den Worten „Morgen sind wir wieder bei dir", verabschiedeten sie sich von Marcus.

Evemie freute sich über die Blumen, doch dann meinte sie, sie müsse wirklich schnell ins Bett. Timo wusste nicht, ob sie erschöpft war oder nur bald mit ihm zusammen sein wollte. Sie ging zuerst ins Bad und kam im Morgenmantel zurück, er hatte sich inzwischen ausgezogen und als er aus dem Bad kam, lag sie zugedeckt im Bett. Timo schlüpfte im Pyjama in sein Bett und war gespannt, wie es weitergehen würde. Da kam unter Evemies Decke ein nackter Arm hervor und streichelte sein Gesicht. Das war eine Einladung, und als er den Arm fasste und streichelte, landete er plötzlich auf ihrer bloßen Brust. Schnell warf er den Pyjama ab und liebkoste ihren ganzen Körper. Sie revanchierte sich auf dieselbe Weise, dann flüsterte sie: „Komm ganz vorsichtig zu mir", was Timo sich nicht zweimal sagen ließ. Soweit es mit den Schienen möglich war, drückten sie sich aneinander, genossen die Berührung ihrer Körper und küssten sich leidenschaftlich, bis Evemie ihn zu sich zog und er wieder ihre Wärme fühlte.

Acht Wochen hatten sie diese innige Gemeinschaft entbehrt und wussten gar nicht, wie sie es so lange ausgehalten hatten. Timo bewegte sich nicht und wurde erst aktiv, als Evemie ihr Becken anhob. Immer wieder stieß sie leise Schreie aus, doch als der heiße Strom in ihr explodierte, schrie sie laut auf, weil es sie schüttelte, sie übertönte sogar sein Stöhnen. Über ihre Vagina liefen Wellen, die Timo das Gefühl gaben, sein Glied würde systematisch ausgequetscht. Beide fühlten einen elektrisierenden Sturm, der bis in die letzten Ecken ihrer Körper ausstrahlte, ein Fallen und Fliegen zugleich, wie auf einem anderen Stern. Erst nach langer Zeit trennten sie sich. „Waren wir nicht blöd', uns das solange entgehen zu lassen", sagte Evemie versonnen, worauf Timo verschämt erwiderte, er habe die Misere verbockt. „Ich musste aber nicht so idiotisch reagieren, denn ich habe nie aufgehört, dich zu lieben", antwortete Evemie. Timo holte den Wein und die Süßigkeiten, die sie genossen, als sie zur Ruhe gekommen waren.

„Ich habe überhaupt nicht mehr gewusst, wie schön es mit ihm ist, danke Gott, dass du mich zur Vernunft gebracht hast", dachte Evamaria, bevor sie einschlief. Die ungewohnten Anstrengungen des Tages hatten sie ermüdet. Dagegen konnte Timo noch lange nicht einschlafen. Seit der ersten Begegnung war er mit seiner Frau mindestens tausendmal zusammen gewesen, aber noch nie hatte er eine derartige Ekstase bei ihr bemerkt, die sie bis in Innerste durchdrang. Er dachte an den Bibelbegriff „erkennen": erst jetzt hatte er die Frau vollkommen erkannt, die er über alles liebte.

Es war ein Mysterium um die Sexualität der Frauen. Wie war es möglich, dass eine so nüchterne und intelligente Frau wie Evemie im Augenblick der grenzenlosen Hingabe zu einem Wesen wie von einer anderen Welt wurde, wie in einem tiefen Rausch? Auch bei ihm schaltete sich ja in der höchsten Erregung das Denken kurz aus, aber nie stand er so intensiv neben sich, wie er es eben bei Evemie erlebt hatte, und sie brauchte viel länger, um wieder bei sich zu sein. Nun, diese Erkenntnis war ihm geschenkt worden und er wollte dankbar dafür sein, diese Frau lieben zu dürfen. Gerne erinnerte er sich daran, wie seine Eltern und vor allem die Mutter ihm die Mädchen als schützenswerte, zärtlich zu behandelnde Wesen nahegebracht hatten, denen man nie grob oder gar mit Gewalt begegnen dürfe, wenn man ihr Vertrauen gewinnen wollte. Diese wertvolle Lehre hatte sein Verhalten gegenüber Frauen sein ganzes Leben lang nachhaltig beeinflusst und ihm sicherlich geholfen, Evamaria so schnell für sich zu gewinnen. Mit diesen Gedanken schlief er dankbar ein.

„Das war gestern Abend noch viel schöner, als damals beim ersten Mal an deinem Geburtstag. Da war ich verzaubert von deiner völligen Hingabe, aber gestern habe ich dich zum ersten Mal vollständig erkannt", flüsterte Timo versonnen seiner Frau ins Ohr, nachdem sie sich mit einem langen Kuss einen guten Morgen gewünscht hatten. „Und ich hoffe und bete, dass ich dir nicht noch einmal solchen Kummer bereite." „Ja, du hast Recht, so überwältigend habe ich unser Beisammensein noch nie erlebt", antwortete Evemie nachdenklich. „Auch ich hoffe für mich, immer nur dich zu lieben, denn du weißt ja seit der letzten Woche, dass ich auch ein fehlbarer Mensch bin. Wenn ich dir mal entgleiten sollte, fang' mich bitte sanft wieder auf, denn ich werde dich immer lieben, egal, was mein Körper mit mir tut." „Das verspreche ich dir hoch und heilig", erwiderte Timo bewegt, „und nun lass' uns aufstehen und den Tag beginnen." Er half Evemie im Bad und trocknete sie ab, dann bereitete er das Frühstück. Zur Feier des Tages kredenzte er ein Glas Champagner. „Hmm, sowas Gutes habe ich schon lange nicht getrunken", lobte Evemie ihn.

Während sie das Frühstück genossen, sagte Evamaria leise: „Ich habe eine heikle Frage an dich, du musst sie aber nicht beantworten, wenn es dir peinlich ist", worauf Timo lächelte: „Frag' ruhig!" „Ich bin heute richtig neugierig" fuhr Evamaria fort, „wie war es denn mit Frau Vogel im Bett?" „Ganz anders als mit dir, und zunächst registrierte ich erstaunt, dass ihre Vagina genauso warm war wie deine. Sie reagierte richtig animalisch wild, schüttelte sich und schrie wie ein Tier, es war ein aufregendes Erlebnis für mich und ich war begeistert. Trotzdem wusste ich sofort, dass ich sie auf keinen Fall gegen dich eintauschen würde, denn die Begegnungen mit dir sind zwar ruhiger, aber inniger und deshalb schöner." „Da bin ich wirklich beruhigt", lachte Evemie nun auch, „und ich glaube, gestern Abend war es für uns beide richtig schön." „Du bist mein Engel!", rief Timo und küsste sie zärtlich.

Nachdem sie sich fertig gemacht hatten, fuhren sie wieder zu Timos Eltern, wo Evemie ihren Sohn herzlich begrüßte, er freute sich, die Mutter bei sich zu haben. Während Oma Susanne das Mittag bereitete, klönten die jungen Leute mit dem Vater, der vor allem wissen wollte, ob Evamarias Heilung solche Fortschritte machte, wie es den Anschein hatte. Gern bestätigte sie, dass sie und auch die Ärzte sehr zufrieden seien, man aber den Knochen die notwendige Zeit lassen musste und sie durch die Schienen leider noch sehr unbeweglich sei. „Aber hoffentlich nicht für jede Aktivität", meinte der Vater grinsend, worauf Timo ihn tadelnd anblickte, bevor sie antwortete: „Nein, zum Glück nicht."

„Ich wollte dich schon lange etwas fragen", wechselte der Vater das Thema. „Du steckst ja jetzt tief in der Entwicklung der Elektroautos drin, wie siehst du denn die Zukunft dieser Technik? Bisher läuft die Sache ja ziemlich schleppend, wenn ich auf den Absatz bei uns sehe." „Du hast Recht", antwortete Timo, „das Problem ist eindeutig die geringe Energiedichte der Batterien. Mit 50 Litern Super kann ich mit meinem 1.500 kg schweren Wagen 1.000 Kilometer fahren, eine heutige Batterie würde für diese Strecke schon 3.000 kg wiegen, das Auto ohne den schweren Verbrennungsmotor also mindestens 4.000 kg. Reduzieren wir die Strecke auf 500 km, wiegt der Wagen immer noch 2.500 kg. Tesla in Amerika baut als einziger solche Autos, zahlt aber vorläufig noch bei jedem Wagen drauf. Irgendwann soll es Batterien mit doppelter Energiedichte geben, dann kommen wir auf 1.750 kg Auto für 500 km. Drei Fakten erschweren zusätzlich den Vertrieb von Elektro-Autos:

- Durch die teuren Akkus kosten sie mehr als Benziner,
- Die Lebensdauer der Akkus ist geringer als des Autos,
- Die Ladepunkte sind selten und das Laden dauert lange.

Du siehst also, dass wir zurzeit einen Kampf gegen Windmühlen führen, weil angesichts der geschilderten Nachteile nur Idealisten sich für ein Elektroauto entscheiden. Und vom Umweltgesichtspunkt bringt das E-Auto nur einen geringen Vorteil, wenn der Ladestrom mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird."

„Das habe ich befürchtet", meinte der Vater nachdenklich, „siehst du denn in absehbarer Zeit einen Silberstreif am Horizont?" „Die Antwort kann meiner Meinung nur ‚viel Geld für die Forschung' heißen", antwortete Timo, „und zwar hier in Europa. Außer Tesla sind die Amerikaner kaum interessiert, weil sie genug Öl haben und der Klimawandel für sie nur am Rande existiert. Eine Zwischenlösung bringt Toyota mit dem Hybridfahrzeug, das umweltfreundlicher ist, als ein reiner Benziner oder Diesel. Dem gegenüber haben die Chinesen das Problem erkannt und stecken viel Geld in die Forschung. Wenn wir hier mithalten wollen, müssen wir dasselbe tun. Das Testen fremder Entwicklungen, wie meine Abteilung es zurzeit macht, ist nur ein Hinterherlaufen bei Batterie-Herstellern, die mit ihren Modellen gut verdienen. Wir müssen selbst in die Forschung und Entwicklung einsteigen. VW beginnt das gerade, um seinen Diesel-Misskredit aufzubessern, und wir sollten jetzt mit ihnen und anderen Herstellern in Deutschland, besser noch in Europa, einen Forschungspool aufbauen. Dazu müsste die EU Forschungsgelder geben, aber das hat Brüssel noch nicht gemerkt. Sonst können wir das ganze Thema vergessen. Natürlich besteht dabei immer die Gefahr, dass es nichts Besseres gibt, aber das müssen wir riskieren, weil möglicherweise sehr viel leistungsfähigere Speichermedien irgendwo unentdeckt schlummern.

Um den E-Autofahrern ein leistungsfähiges Schnelladenetz bereit zu stellen und die Wagen gleichartig dafür auszurüsten, gibt es schon Zusammenarbeit. Für uns Hersteller ist das eine erhebliche Investition, denn eine Ladesäule kostet 24.000,- Euro. Wenn wir das auf den Strompreis umlegen, wird das elektrische Fahren teurer als mit dem heute sehr billigen Benzin. Das ist für die Akzeptanz nicht förderlich. Eine andere Idee ist es, die Batteteriepacks an der Tankstelle insgesamt gegen geladene zu wechseln, aber dafür müssten die Hersteller ihre Autos einheitlich designen, darauf können wir noch lange warten." Götz Clausen dankte seinem Sohn für die ausführliche Information und fügte hinzu: „Leider erfahren selbst wir oberen Führungskräfte nichts von diesen Problemen und sind auf Hintergrundinformationen angewiesen." „Ja, das ist alles top sekret und ich hätte es dir eigentlich gar nicht erzählen dürfen", sagte Timo leise; „bitte behalte es für dich, sonst komme ich in Teufels Küche." Der Vater versprach es, doch Timo hatte noch eine Frage: „Wir verkaufen ja eine ganze Menge Dieselwagen, wird bei uns auch so gemauschelt wie bei VW?" „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht", antwortete der Vater nachdenklich. „Wenn es nach unserer Geschäftsführung geht, haben wir eine saubere Weste, bis vielleicht die Amerikaner auch bei uns etwas finden."

Die Oma rief zum Essen und die Gesellschaft ließ sich die Lammsteaks schmecken, aber beim Dessert stöhnte Evamaria plötzlich laut auf und fasste sich an das rechte Bein. „Hast du Schmerzen?", fragte Timo besorgt. „Ja, das Bein tut sehr weh, ich fürchte. da ist was mit der Bruchstelle", antwortete sie. „Dann fahre ich dich gleich zur Klinik", entschied Timo und seine Eltern stimmten zu. Evamaria verabschiedete sich und Timo fuhr sie zur Reha-Klinik, wo sie sofort geröntgt wurde. „Die Knochen sind in Ordnung", beschied der Arzt nach einer halben Stunde, „Es ist nur eine leichte Entzündung an der Schienenbefestigung. Wir haben Ihrer Frau ein Antibiotikum gegeben, das sie heute Abend noch mal und dann zweimal täglich nehmen muss. Sie können sie wieder mitnehmen." Timo dankte und fuhr mit seiner Frau wieder zu den Eltern, die beruhigt seinen Bericht hörten. „Lass' uns nach dem Kaffee nach Hause fahren", bat Evamaria ihren Mann, „ich muss mich lang legen und ausruhen. So lange auf zu sein, strengt mich noch sehr an." Deshalb wollten die beiden nach Kaffee und Kuchen, zu dem sie Marcus an den Tisch holten, in ihre Wohnung fahren, doch Marcus bat, ihn mitzunehmen, er habe doch kein Fieber mehr. Da Oma Susanne einverstanden war, erfüllten sie dem Jungen den Wunsch, packten ihn warm ein und nahmen ihn mit.

Wie es in diesem Kapitel weitergeht, erfahren Sie in der nächsten Folge.

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© Copyright 2017 Ernst-Günther Tietze, Hamburg, www.eg-tietze.de

Der Roman „Licht und Schatten" beschreibt auf 192 Seiten die entstehende Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die zu einer erfüllten Ehe führt, bis ein Seitensprung des Mannes die Harmonie zerstört. Erst eine Reihe schwerwiegender Ereignisse bringt die Frau dazu, die eigene verschüttete Liebe auszugraben und den gekränkten Stolz zu überwinden, bis sie feststellen muss, dass sie auch fehlbar ist. Überrascht begreifen beide Partner, dass diese Turbulenzen ihre liebevolle Gemeinschaft gefestigt haben, so dass sie sich für die neuen Anforderungen gewappnet fühlen, die auf sie zukommen.

Der Roman wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:
Als Taschenbuch für 8,99 Euro mit ISBN Nr. 978-3-7450-3356-4
Als e-Book für 1,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7450-3624-4

Das vorliegende Kapitel 6 umfasst im Buch 16 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.