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2000m² Weltacker (Teil 1)

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Teilt man die Ackerfläche dieser Welt durch die Zahl ihrer Bewohner, ergibt das etwa 2000m². 2000m² für jeden Erdenbürger. Ist das viel oder wenig? Obwohl darauf tonnenweise Gemüse, Kartoffeln und Getreide wachsen, kommen Amerikaner und Europäer mit diesem Platz nicht aus: Wir verbrauchen, verschwenden und vernichten zu viel.

So lautet eines der Kernaussagen der Initiative 2000m². Als visuelle Hilfestellung werden auf einer 2000m² großen Fläche im Weltmaßstab die Bepflanzung dieser 1,4 Milliarden Hektar abgebildet. Das 2000m² Projekt ging aus einer Informationskampagne zur europäischen Agrarreform hervor. Die Initiative sucht nach Antworten darauf, wie wir weltweit Landwirtschaft organisieren und was sich strukturell ändern sollte. Sie vergegenwärtigt, dass Land- und Forstwirtschaft auch in unserem Zeitalter der Technik die primären Quellen des Lebens und Grundlage menschlicher Kultur und Zivilisation sind.

2000m² große Projektionsfläche

2000m² sollen dazu beitragen, heikle Themen greifbar zu machen. Sie bilden eine Projektionsfläche, auf der wir unser Verhältnis zu den Grundlagen unseres Lebens hinterfragen und beschreiben können. Die Landwirtschaft hat es erst möglich gemacht, dass die Erde heute von sieben Milliarden Menschen bevölkert wird. Mit deren Industrialisierung wurde die Landwirtschaft nicht nur zu einem wesentlich produktiveren Lebensmittelerzeuger, sondern zugleich zu einem Umweltzerstörer mit dem größten Gefährdungspotenzial für die Biodiversität auf Erden, wie Ernst Ulrich von Weizsäcker in seinem Buch Faktor Fünf (2010) darlegt.

Sind wir, wenn es um unsere Lebensgrundlagen geht, eine informierte Gesellschaft oder lassen wir uns von einer Scheinwirklichkeit blenden? In Grundfragen des Lebens postuliert Wolfgang Huber: Die Demokratie des Einkaufkorbs ist keine abstrakte Idee. Deshalb stellt sich nicht die Alternative zwischen persönlicher Verantwortung und globalen Strukturen, denn diese werden durch das Verhalten vieler Einzelner geprägt. Das Projekt 2000m² trägt jedenfalls dazu bei, dass die Wertschätzung von Lebensmitteln und Mutterböden als Lebensgrundlage nicht in Vergessenheit gerät und auch beim Umgang mit Lebensmitteln im eigenen Land ökologische Folgen und die Lebenssituation im Armutsgürtel der Erde im Blick bleiben.

Der frühere Energiepolitiker Hermann Scheer sagte einmal sinngemäß: Wir, die Menschheit, müssen uns vom Reichtum der Nationen (Wealth of the Nations; Adam Smiths Buchtitel, der zur Zauberformel der fossilen industriellen Revolution wurde), der aber auch eine Armut der Nationen (Titel eines Buchs von Elmar Altvater) schuf, nunmehr zum Wealth of Nature (Titel eines Buchs des US-amerikanischen Umwelthistorikers Donald Worster), weiterentwickeln, in dem wir die Natur als lebendigen Produktionsfaktor sehen und möglichst intelligent nutzen und bewahren. Danach geht es nicht um mehr oder weniger Konsum, mehr oder weniger Wachstum, sondern um eine Revolutionierung der Ressourcenbasis.

Weltacker

In Kladow werden auf den 2000m² großen Weltacker vergleichbare Pflanzen wie auf den 1,4 Milliarden Hektar globalen Ackerflächen angebaut: Getreide, Mais, Hirse (als Ersatz für Reis), Öl-, Hülsen- und Erdfrüchte, Gemüse, Obst sowie Tabak und Gewürze. Ein Hauptinitiator des Projekts ist Benny Haerlin, Leiter der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, ehemaliger Abgeordneter im Europaparlament und Co-Vorsitzender des NGO-Beirats des inzwischen legendären Weltagrarberichts (2008). Er hat in den letzten Jahren mehr Agrarthemen in die Mitte der öffentlichen Diskussion geführt als die großen Volksparteien oder mancher großer Agrar-, Öko- oder Umweltverband es zu tun vermochten.

Jeder kann mitmachen: 2000m²