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Ich wusste, dass mein Vater arm ist - doch wie schlimm es wirklich war, erfuhr ich durch einen Anruf

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KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
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Ich kann mich noch erinnern, wie aufgeregt ich als kleines M├Ądchen war, wenn ich mit meinen Gro├čeltern im Taxi anstatt in der Bahn fahren durfte. Es hat sich immer wie eine Belohnung mit einem Hauch Spannung angef├╝hlt, als w├Ąre es ein Urlaubsausflug oder ein besonderer Anlass.

Damals wusste ich noch nicht, dass meine Eltern sich kein Taxi leisten konnten. Ich nahm einfach an, ausschlie├člich wohlhabende Menschen k├Ânnten sich so etwas leisten und meine Gro├čeltern w├Ąren mit Wohlstand gesegnet.

Als ich zum Teenager heranwuchs verbrachte ich die Sommer mit meinen Gro├čeltern in Brooklyn. Da begann ich, die Puzzleteile zusammenzuf├╝gen. Sie besa├čen Dinge, die wir zuhause nicht besa├čen, wie zum Beispiel einen Fernseher und mehr als nur ein Schlafzimmer. Was f├╝r sie normal war, war f├╝r mich ein Traum, der in Erf├╝llung ging.

Den Armutskreislauf unterbrechen

Um meinen siebzehnten Geburtstag herum war ich hinter das unverantwortliche Versagensmuster meiner Eltern gekommen. Es kam in Wellen und diese Wellen krachten jedes Mal mit einer h├Ąrteren Wucht heran. Wir hatten nie Geld und als ich dann anfing zu arbeiten, erhoben meine Eltern Anspruch an meinem mickrigen Lohn von 6 Dollar pro Stunde, den ich bei meinem Halbzeitjob verdiente.

Mir war bewusst, dass ich keine Zukunft haben w├╝rde, wenn ich weiterhin mit ihnen leben w├╝rde. Ich hielt mich an der vagen Vorstellung fest, dieser Armutskreislauf k├Ânnte irgendwann unterbrochen werden. Meine Geschwister und ich packten unsere sieben Sachen und machten uns auf, um nie wieder zur├╝ckzukehren. Wir waren alle noch minderj├Ąhrig.

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Meinen Vater sah ich das letzte Mal, als er wegen Autodiebstahls festgenommen wurde. Ich besuchte ihn im Gef├Ąngnis. Er bat mich und meine Geschwister, ihm aus der Patsche zu helfen. Wir taten es. Er lie├č die Kaution verfallen. Er rannte weg. Wir verloren unser Geld.

Mein Vater besa├č seine eigene Vorstellung von Logik. Wenn wir unsere Miete nicht zahlen konnten und wir aus der Wohnung geschmissen wurden, behauptete er, wenn der Vermieter es sich leisten konnte, seine Kinder aufs College zu schicken, brauchte er die Miete ja gar nicht.

Wenn wir am Morgen a├čen, warum mussten wir dann am selben Abend nochmal essen? Wir w├╝rden schon klarkommen. Er konnte seine Jobs nie halten, weil all seine Vorgesetzten Arschl├Âcher waren. Ich kann nicht einmal aufz├Ąhlen, wie viele Arschloch-Vorgesetzte es im Laufe meiner Kindheit gab.

Als wir ihn fragten, warum er das Auto gestohlen hatte, erkl├Ąrte er uns, dass die Besitzer des Wagens mehr Autos besa├čen, als sie tats├Ąchlich ben├Âtigten. Es ging niemals um die dummen, erniedrigenden und egoistischen Dinge, die er tat. Seine Aktion waren lediglich eine Reaktion auf andere Menschen.

Als Obdachloser im Flughafen-Terminal

├ťber ein Jahrzehnt war seit dem Autodiebstahl vergangen, als ich einen Anruf vom Miami-Dade Polizeirevier erhielt. Mein Vater war obdachlos und lebte im Terminal des Miami International Airports, wo er vom dortigen Sicherheitsdienst festgenommen wurde.

Man informierte mich, dass er behauptete es gebe niemanden anderen, den er anrufen k├Ânne, und fragte, ob ich ihn abholen k├Ânne. Ich sah nicht ein, von Arizona nach Florida zu reisen und ihm aus der Patsche zu helfen. Stattdessen bat ich, mein Vater solle mich anrufen.

Als er anrief war ich nerv├Âs. Ich wollte nicht mit ihm sprechen, aber ich war neugierig, wie er in diese Lebenslage geraten war. Ich hatte so viele Fragen. Was dachte er? War das der Mensch, der aus ihm geworden war? Wie ist er obdachlos geworden? Warum der Flughafen? Warum bat er darum, mich anzurufen? Warum bekam er nicht die Hilfe, die er so dringend brauchte? Warum konnte er nicht einsehen, dass er Hilfe brauchte?

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Ich zuckte bei dem Klang seiner Stimme zusammen. Je mehr er sprach, desto mehr drehte sich mein Magen um. Meine Antworten waren kurz. Es gab nicht viel zu sagen f├╝r mich.

Er lebte in seinem Minivan f├╝r ein paar Jahre, bis der irgendwann den Geist aufgab und er ihn zur├╝cklie├č. Al er abgeschleppt wurde, hatte er das wenige, was ihm geblieben war, auch verloren.

Der Flughafen war in gewisser Weise perfekt f├╝r ihn. Er konnte sich in den Waschbecken waschen, auf den Sitzen schlafen, Reste aus den Abfallbeh├Ąltern essen. Es war eine L├Âsung f├╝r sein Obdachlosendasein. Es dauerte Monate, bis der Sicherheitsdienst Wind davon bekam.

Er beschrieb die Zeit als einen Urlaubsaufenthalt. Ein Teil von mir war erf├╝llt von Wut und Schmach. Der andere Teil von mir f├╝hlte Mitleid und Best├╝rzung. Er litt an einer geistigen Krankheit und lebte wahrscheinlich einfach so gut oder schlecht, wie er eben konnte.

Die Kinder besch├╝tzen

Er fragte, ob ich ihm erlauben w├╝rde, mit mir zu leben. Ich dachte an die Zeiten, als ich aufwuchs. Ich hatte nun meine eigene Kinder und musste sie besch├╝tzen. Ich hatte mir mal gew├╝nscht, jemand h├Ątte mich damals besch├╝tzt. Ich zog bereits meine Kinder gro├č. Und ich wollte die Last nicht auf mich nehmen, mich auch noch um meinen Vater zu k├╝mmern.

Meine Illusion als Teenager, den Armutskreislauf zu unterbrechen wurde real, als ich erwachsen wurde. Es ist eine Realit├Ąt, an die ich mich sehr fest klammere.

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Als ich an jenem Tag auflegte, war es das letzte Mal, dass ich mit ihm gesprochen habe. Ich habe keine Ahnung, ob er noch am Leben oder bereits gestorben ist. Ich habe keinen Gewissheit, was mit ihm passiert sein k├Ânnte. Habe ich die richtige Entscheidung getroffen, indem ich meine Bed├╝rfnisse vor die seinen stellte?

Immer schleppte ich seine Geschichten mit mir herum, als w├Ąren sie Ballast. Eine grauenvolle Last, von der ich mich nie befreien konnte. Ich realisiere jetzt, dass ich dankbar daf├╝r sein sollte, dass ich durch ihn immer hart gerackert habe, nicht so wie er zu werden.

Dieser Text erschien zuerst bei Medium.com.

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