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Warum Männer so lange Single bleiben und sich doch ständig binden wollen

08/10/2015 12:11 CEST | Aktualisiert 08/10/2016 11:12 CEST
CURAphotography via Getty Images

Das Statistische Landesamt Berlin hat neue Zahlen zur Versingelung der Hauptstadt veröffentlicht. Die werfen Fragen auf: Sehnen sich Männer nicht nach Nähe? Und warum geraten Frauen „immer an die Falschen"?

Die neuen Zahlen des Statistischen Landesamtes zementieren Berlin als Hauptstadt der Versingelung. Jeder zweite Mann unter 34 Jahren lebt danach allein. Nur sieben Prozent der Ehemänner war bei der Hochzeit jünger als 30 und fast 30 Prozent der Berliner Kinder leben bei einem alleinerziehenden Elternteil - nahezu alle bei den Müttern.

Ist das ein bundesweiter Trend? Sind alle jungen Männer Beziehungsverweigerer?

Vermutlich nicht. Beispielswiese sind Männer viel schneller bei „Ich liebe dich" als Frauen. 42 Prozent sagen: „Wenn man schon nach einem Tag Liebe empfindet, kann man das auch sagen." Dieser Meinung sind gerade 23 Prozent der Frauen.

Irgendwie geht das nicht zusammen.

Lassen Sie uns zunächst mit zwei Mythen aufräumen:

Mythos 1: Männer sind allesamt aktive Beziehungsverweigerer

Das Gegenteil ist vermutlich der Fall, denn Männer verlieben sich schneller und sie leiden stärker unter Alleinsein. Jüngst hat die Anthropologin Helen Fisher erste Ergebnisse aus ihrem demnächst erscheinenden Buch veröffentlicht, aus denen ganz klar hervorgeht: Romantiker sind vor allem Männer.

Warum nur binden sie sich dann nicht?

Schnell wird das Klischee Nähe-Frau sucht Distanz-Mann herangezogen. Doch das kann nicht verallgemeinert werden. Es sind häufiger Distanz-Frauen, die - oft auch unbewusst - Partner abwehren.

Berater und Psychologen bestätigen aus ihrer Praxis seit Jahren, was beispielsweise Psychologin Stefanie Stahl, spezialisiert auf aktive und passive Beziehungsverweigerung, sagt: „Ich-gerate- immer-an-den-Falschen ist eine der typischen Aussagen von bindungsängstlichen Menschen. Das Problem ist, dass die meisten Betroffenen gar nicht wissen, dass sie unter Bindungsangst leiden, weil sie ja ein starkes Bedürfnis nach einer Partnerschaft verspüren."

Mythos 2. Männer wählen die Partnerin

Eigentlich würde der Blick aus dem Fenster genügen, um sich das Balzverhalten der meisten Tierarten auf diesem Planeten anzusehen, und zu verstehen, dass eher der Mann den Tanz aufführt und die Frau dann das Exemplar mit der besten „Fitness" wählt, doch in den Köpfen kommt dieses evolutionäre Prinzip nicht gut an.

Dabei ist es vor allem die Entscheidung der Frau. Sie legt weitaus mehr Kriterien bei der Partnerwahl an als Männer. Frauen suchen nach wie vor einen Partner mit Versorgerqualitäten (das gilt auch für Akademikerinnen, wie beispielsweise die Studien der Uni Wuppertal von Professor Hassebrauck belegen), er soll liebevoll sein, ihr das Gefühl geben, sie sei die Einzige und seine Priorität eins und bester Freund, der ihr gleichberechtigt zur Seite steht, auf den sie sich bei Problemen verlassen kann.

Dagegen ist die Traumfrau des Mannes kurz umschrieben mit attraktiv und fürsorglich. Das zeigen die Daten der Suchkriterien aller Online Dating Services seit einem Jahrzehnt unverändert, wie unter anderem die Forschungen von Professor Burghard Andresen, Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Neuropsychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bestätigen.

Es gibt keine Schuldfrage

Viele suchen einen Schuldigen für die Versingelung der Gesellschaft. Wer sollte das sein? Wer verordnet: "Du bleibst Single!"? Seit Jahren heißt es, die Ansprüche seien zu hoch, die Auswahlkriterien würden der Lebenswirklichkeit abseits von „Sex and City"-Kitsch nicht entsprechen - oder eben das Schicksal: „Immer die Falschen!"

Dabei hat jeder persönliche Gründe, einen Partner oder eine Partnerin zu wählen oder eben nicht zu wählen - ebenso sich nicht wählen zu lassen. Vermutlich hat das auch mit Bindungsverhalten zu tun.

Nehmen wir wie die Therapeutin und Autorin Rachel Heller in ihrem Buch „Warum wir uns immer in den Falschen verlieben - Beziehungstypen und ihre Bedeutung für unsere Partnerschaft" an, dass etwa 50 Prozent der Menschen einen sicheren Bindungsstil haben, dann kann man davon ausgehen, dass diese sich auch in festen Beziehungen befinden und nur kurze Single-Phasen durchleben.

Die unsicheren und vermeidenden Bindungstypen sind diejenigen, die überwiegend schlechte Erfahrungen machen bei der Partnersuche und schließlich irgendwann „Lieber allein bleiben, als Kompromisse einzugehen". Wobei die Frage offen bleibt, ob nicht eben diese Haltung einer passiven Beziehungsverweigerung entspricht.

Gibt es Hoffnung?

Aber klar: Wie die Psychologin Lena Kornyeyeva („Die Single-Falle - Männer und Frauen in der Selbstverwirklichungsfalle") sagt: "Jeder Einzelne hat in der modernen Welt die Möglichkeit, aus der Vereinsamung herauszukommen."

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