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Was das asoziale Pack in Köln mit dem Islam zu tun hat

05/01/2016 12:45 CET | Aktualisiert 05/01/2017 11:12 CET
dpa

Ein asoziales Pack belästigt in der Silvesternacht zahlreiche Frauen am Hauptbahnhof in Köln. Jens Spahn, Bundestagsabgeordneter der CDU, twittert heute früh: „Wo ist eigentlich der Aufschrei, wenn es wirklich einen braucht?"

Irgendwie frage ich mich, in welcher Welt Jens Spahn und andere, die von einem ausbleibenden Aufschrei faseln, eigentlich leben? Haben sie die zahlreichen Berichte in sämtlichen Medien in den letzten Tagen nicht gelesen, oder werden diese bewusst ignoriert?

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Sämtliche Medien schreiben über diesen Vorfall, zahlreiche Politiker und auch die Oberbürgermeisterin von Köln empören sich zu Recht über diesen Vorfall, aber Herr Spahn scheint von all dem nichts mitbekommen zu haben. Entweder lebt er in seiner eigenen Parallelwelt oder er hält die Menschen für so blöd, dass sie diesen billigen Populismus nicht erkennen.

Politiker nehmen das asoziale Verhalten junger Muslime und übertragen es auf "den Islam"

Was Spahn und andere populistische Politiker und Berufsislamkritiker, die jetzt überall aus dem Boden schießen, damit bezwecken ist klar. Sie nehmen das asoziale Verhalten einer Gruppe junger Muslime und übertragen es auf ‚den Islam'.

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Es wird nicht lange dauern, dass einige um die Ecke kommen, und eine Reform des Islam fordern. Manch einer schwadroniert schon, dass es die Konsequenz eines „muslimischen Frauenbildes" sei. Wenn die sexuelle Belästigung von Frauen Teil des muslimischen Frauenbildes ist, ist der stark alkoholisierte Zustand dieser Männer dann auch eine Folge ihrer tiefen Religiosität? Trotz Alkoholverbot im Islam?

Absurder wird es, wenn nicht wenige Vollidioten immer wieder sagen, dass man den kulturellen Hintergrund dieser Männer nicht verschweigen solle, obwohl in zahlreichen Artikel und Berichten erwähnt wird, dass die Gruppe hauptsächlich aus Männern bestand, die aus Nordafrika stammen.

Asoziales Verhalten bleibt asoziales Verhalten, egal welchen Hintergrund diese Leute haben

Die Panikmacher, die immer nach einem Anlass suchen einen Kulturkampf heraufzubeschwören und Stimmung zu machen, sollten aber auch kein Alibi sein dafür, gewisse Probleme wie Kriminalität unter jungen Muslimen unter den Teppich zu kehren. Asoziales Verhalten bleibt ein asoziales Verhalten, egal welchen vermeintlichen Hintergrund diese Leute haben.

Aber asozial ist auch das Verhalten jener, die diese Vorfälle instrumentalisieren, um gegen Muslime, Flüchtlinge und wen auch immer zu hetzen. Ich sehe es jetzt schon, wie eben jene Politiker, die immer vermeintlich heldenhaft unangenehme Themen ansprechen, wofür anderen angeblich der Mut fehlt, vor der nächsten Wahl symbolisch eine Moschee besuchen, um Bilder zu produzieren und Muslime als Wähler zu gewinnen. Es wird Zeit nicht länger auf diese Knalltüten reinzufallen.

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