POLITIK
07/02/2018 20:37 CET | Aktualisiert 08/02/2018 10:52 CET

Wo bleibt die Jugend? Wie die GroKo die Chance auf einen Aufbruch vergibt

Diese Koalition ist so alt, dass es staubt.

Sean Gallup via Getty Images
  • Die GroKo verspricht einen Aufbruch und Dynamik
  • Warum wagt sie dann keinen personellen Umbruch?

Schon der Name des Koalitionsvertrags ist sperrig.

“Ein neuer Aufbruch für Europa. Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land.”  Der Titel, unter den Union und SPD ihre Zusammenarbeit in den kommenden vier Jahren stellen wollen, ist nicht nur wenig griffig, sondern auch nur bedingt glaubwürdig.

Denn schaut man auf die Namen, die bislang für das künftige Bundeskabinett gehandelt werden, versprühen diese nicht gerade Fortschrittsgeist. Oder: Dynamik.

Eher macht dieses Team Merkel IV den Eindruck, als habe man sich in Berlin die solidesten Verwalter, ein paar alteingesessene Fachleute – und ein paar Nachzügler nach Wartesemestern für die weniger bedeutenden Aufgaben zusammengestellt. Eine Mannschaft eben, mit der wenig schiefgehen kann.

Eine Mannschaft, mit der viel gelingen kann, ist es auf der anderen Seite aber auch nicht. Vor allem junge Menschen kann diese Große Koalition kaum begeistern.

► Dafür hätte es ein paar frische Gesichter gebraucht. Neuen Schwung. Neue Ideen. 

Jamaika wäre hier eine Chance gewesen

Na klar: Politik ist keine Frage des Alters. Posten sollten vorrangig nach Kompetenz vergeben werden. Da ist es schon einmal eine gute Nachricht, dass Alexander Dobrindt seinen Job als Verkehrs- und Digitalminister los ist.

► Doch eine Zukunftsidee für das Land braucht auch Köpfe, die sich diese ausdenken und sie vermitteln können.

► Um Menschen, wie im Vertragstitel versprochen, in neuem “Zusammenhalt” zu einen, braucht es Charismatiker, die gemeinsame Ideen vermitteln können. Die Menschen davon überzeugen, dass sie keine vermeintlichen Heilsbringer jenseits des demokratischen Spektrums zu suchen brauchen.

► Und: Es braucht Politiker, die jungen Menschen Perspektiven eröffnen, wo sie derzeit wegbröckeln. Stichwort: Rentensystem. Stichwort: Rückstand bei der Digitalisierung.

Denkt man etwa an eine mögliche Jamaika-Regierung, fallen einem schnell ebensolche Politiker ein. Der rhetorisch brillante und mitreißende Christian Lindner (FDP) zum Beispiel, der bodenständig-raue und kluge Robert Habeck (Grüne) und der polarisierende und emotionale Jens Spahn (CDU). 

Einen neuen Typ Politiker, der weniger Schwarzbrot, denn Bagel ist.

Diese GroKo jedoch hat keinen Lindner. Keinen Habeck. Keinen Spahn. Die Zukunft Deutschlands wird von Schulz, Scholz und Seehofer gemacht. Und Merkel natürlich. Mehr Schwarzbrot geht nicht. 

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Ein Blick nach Frankreich lohnt sich wieder einmal 

Die heute gehandelten GroKo-Minister sind im Schnitt 54 Jahre alt. Jüngste Anwärterin auf einen Posten ist die bald 40-jährige Dorothee Bär aus der CSU, gefolgt von ihrem Parteikollegen Andi Scheuer (43).

Allein dass die konservativste Kraft unter den GroKo-Parteien die jüngsten Ressortleiter stellt, ist ein Armutszeugnis für die anderen Parteien. Besonders für die SPD, deren Parteinachwuchs erst kürzlich bewiesen hat, was in ihm steckt.

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In Frankreich – um das schon fast abgedroschene Beispiel von Emmanuel Macron und seinem Quereinsteiger-Team zu bemühen – hätte man sich Inspiration holen können.

Mit Marlène Schiappa (35) bekleidet hier eine junge Feministin den Posten der Gleichstellungsstaatssekretärin. Mit Mounir Mahjoubi (33) ist ein erfolgreicher Jungunternehmer Digitalminister. Für den Haushalt ist mit Gérald Darmanin ebenfalls ein U-40er zuständig.

All das ist noch lange kein Garant für Erfolg. Doch es war ein Aufbruchssignal, auf das es sich zu schauen lohnt. Einen Aufbruch hat schließlich auch die GroKo versprochen.

(ben)