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01/02/2018 16:12 CET | Aktualisiert 01/02/2018 16:51 CET

Wiernsheim: 5-Jährige hat Meningokokken-Infektion – nun handelt das Gesundheitsamt

Erst vor kurzem ist ein Kindergarten-Kind an Meningokokken gestorben.

Picture taken by Sebastian Rose via Getty Images
Ein Kind in Baden-Württemberg ist schwer erkrankt (Symbolbild).
  • Schwere Meningokokken-Fälle sind in Deutschland sehr selten – trotzdem ist nun ein fünfjähriges Mädchen erkrankt
  • Menschen aus ihrem Umfeld sollen jetzt Antibiotika nehmen, um Schlimmeres zu verhindern

Ein Mädchen ist in Baden-Württemberg an einer schweren Meningokokken-Infektion erkrankt. Die Fünfjährige besucht den Kindergarten Regenbogen in Wiernsheim.

Um die Gefahr weiterer Erkrankungen zu minimieren, hat das Gesundheitsamt im Enzkreis Eltern und Mitarbeiter des Kindergartens informiert. Sie sollen vorbeugend Antibiotika zu sich nehmen.

Damit können weitere Erkrankungen im engen Umfeld des Mädchens und der Kindergarten-Angestellten verhindert werden.

Der Fall wird knapp zwei Wochen, nachdem ein kleiner Junge in Hessen an einer Meningokokken-Infektion gestorben ist, bekannt. Auch bei ihm wurden seine Spielgefährten und Angestellte seines Kindergartens aufgerufen, Antibiotika zu nehmen.

► Denn: Meningokokken können eine eitrige Hirnhautentzündung verursachen, die sogenannte Meningitis – und sehr selten auch eine Blutvergiftung.

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Meningokokken-Infektionen sind selten

“In Deutschland kommen Meningokokken-Erkrankungen glücklicherweise ausgesprochen selten vor – es gibt jährlich nur etwa fünf Fälle auf eine Million Menschen, meist in den Wintermonaten”, sagt Facharzt Michael Junius vom Gesundheitsamt Enzkreis.

►  Eine schnelle und rasch durchgeführte Antibiotikagabe könne jedoch Schlimmeres verhindern. 

Warum nur ganz wenige einzelne Personen erkranken und andere nicht, sei nicht bekannt.

Jeder Dritte hat diese Bakterien – und merkt es nicht

Denn die Bakterien sind laut Gesundheitsamt weit verbreitet: Nahezu jeder dritte Mensch hat Meningokokken im Nasen-Rachenraum. Allerdings führen sie nur in sehr seltenen Fällen zu einer Erkrankung.

Übertragen werden sie meist als sogenannte Tröpfcheninfektion: Sie gelangen beim Sprechen, Husten oder Niesen in kleinsten Speichel-Tröpfchen in die Luft und können eingeatmet werden.

Da sie außerhalb des Körpers schnell absterben, ist für eine Ansteckung normalerweise ein sehr enger Kontakt notwendig.

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Wichtig ist daher, die Symptome zu kennen. 

Das sind die Symptome einer schweren Erkrankung

► Auf eine Meningokokken-Hirnhautentzündung können Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Lichtempfindlichkeit und eine getrübte Bewusstseinslage hindeuten.

“Ein typisches Zeichen ist die schmerzhafte Nackensteifigkeit, oft kombiniert mit morgendlichem Erbrechen oder Zeichen eines Kreislaufversagens“, sagt Fachärztin Angelika Edwards.

► Bei der Meningokokken-Blutvergiftung werden die Bakterien in den gesamten Körper ausgeschwemmt und dadurch die Blutgerinnung gestört. Punktförmige oder flächige Einblutungen auf der Haut und den Schleimhäuten können auf eine solche Erkrankung hindeuten.

►  “Bei Erkrankung sollen die Betroffenen auf jeden Fall zum Arzt gehen“, sagt Edwards.

Impfung ist möglich

Es sei möglich, sich gegen Meningokokken Typ C impfen zu lassen, was von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut auch empfohlen werde.

Ob das bei dem Fall in Baden-Württemberg geholfen hätte, ist noch nicht klar. “Allerdings ist der Bakterientyp, der die akute Erkrankung bei der Fünfjährigen verursacht hat, noch nicht bekannt“, sagt Edwards.

(lm)