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02/01/2018 16:34 CET | Aktualisiert 02/01/2018 20:02 CET

Berlin bekämpft Obdachlosigkeit mit neuer Strategie und könnte zum Vorbild für ganz Deutschland werden

Es sei nicht der richtige Weg, eigene Strukturen für Obdachlose weiter auszubauen.

Eduard Korniyenko / Reuters
Rund 20.000 Berliner mussten wohl in den letzten Wochen draußen schlafen.
  • Die Obdachlosigkeit wird in der deutschen Hauptstadt immer problematischer
  • Immer mehr Frauen, Familien und Menschen mit Behinderung müssen auf der Straße leben
  • Die Stadt versucht nun, die prekäre Lage mit einer neuen Strategie zu verbessern

20.000 Berliner mussten die vergangenen Wochen bei niedrigen Temperaturen ohne Unterkunft überstehen, obwohl es vermutlich genügend Notschlafplätze in der Stadt gegeben hätte. Doch weil die einzelnen Anlaufstellen für Obdachlose nicht vernetzt sind, konnte nicht allen Hilfesuchenden geholfen werden.

Das soll nun ein Ende haben. Denn im neuen Jahr wird erstmals mit einer gesamtstädtischen Strategie gearbeitet, wie der “Rundfunk Berlin-Brandenburg” (“rbb”) schreibt. 

Bisher hatten in Berlin die Bezirke die Aufgabe, für “ihre” Obdachlosen zu sorgen.

Für einige Bezirke war diese Belastung jedoch zu groß. Denn die Situation ist in den letzten Jahren immer prekärer geworden.

Eine zentrale Steuerung wie bei den Flüchtlingen

“Vor ein paar Jahren war der Obdachlose noch der deutsche Mann zwischen 35 und 55, jetzt sehen wir viel mehr Frauen, mehr Familien, auch mehr ältere und mehr behinderte Menschen”, sagt die Sozialsenatorin Elke Breitenbach laut dem “rbb” dem “Evangelischen Pressedienst”.

“Und wir haben Zulauf von EU-Bürgern, die häufig hier stranden. Wir haben ein umfassendes Hilfesystem, aber wir stellen auch fest, dass die Hilfen nicht immer dort ankommen, wo sie gebraucht werden.”

Man brauche deshalb eine zentrale Steuerung, so die Sozialsenatorin, wie bereits bei den Flüchtlingen. Ein Gedanke, der wohl auch in anderen deutschen Städten realisierbar wäre. 

Der richtige Weg sei jedoch nicht, eigene Strukturen für Obdachlose weiter auszubauen. Viel wichtiger sei es, diese Menschen in die Regelsysteme der Unterstützung zu integrieren. 

Spezielle Krankenhäuser oder Pflegeheime für Obdachlose findet Breitenbach wenig zielführend. 

“Wir haben jetzt schon ein Zwei-Klassen-System, wir brauchen nicht noch ein Drei-Klassen-System”, sagt sie laut dem “rbb”.

Viele Obdachlose in Berlin stammen aus Ost- und Südeuropa

Eingewanderte, obdachlose EU-Bürger stellen dabei eine besondere Herausforderung dar, weil sie in der Regel keinen Anspruch auf Leistungen hätten.

Viele Obdachlose in Berlin stammen laut Breitenbach aus Ost- und Südeuropa.  

Auf Hilfe der Herkunftsländer dieser Menschen brauchte man bisher jedoch nicht warten.

Es gebe keine erkennbare Bereitschaft der Botschaften, Verantwortung für ihre in Berlin auf der Straße lebenden Landsleute zu übernehmen und sich an einer Lösung zu beteiligen, so Breitenbach laut dem “rbb”. 

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Doch diese Hoffnung gibt die Sozialsenatorin wohl nicht auf: Auf einer Konferenz am 10. Januar soll über die neue Strategie beraten werden - zusammen mit den Botschaftsvertreter einiger Herkunftsländer.  

Breitenbach hofft, dass es dann endlich zu einer Zusammenarbeit komme.

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