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Wer feiern will, ist selber schuld?

29/01/2018 16:19 CET | Aktualisiert 29/01/2018 16:19 CET

Zugegeben, viele Menschen, die ich kenne, haben es nicht so mit Geburtstagsfeiern. Vielleicht ist es ihnen zu anstrengend oder erscheint ihnen zu kompliziert, Familie und Freunde in eine Wohnung zu sperren und mit Sekt und Torte auf das neue Lebensjahr anzustoßen.

Ich gehöre zur anderen Sorte. Ich finde Geburtstagsfeiern gut, gern auch mit Mottoparty! Verkleiden, hach! Man sitzt nett zusammen, trinkt, isst Torte und es gibt ein paar Geschenke und man hat für einen Tag das Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen ;-) und natürlich muss der Raum auch dekoriert sein! Haben wir das nicht immer als Kinder so sehr genossen? Ja, wie war das eigentlich als Kind? Natürlich waren immer viele Kinder eingeladen, vermutlich die halbe Klasse und diese hatte dann oft noch ihre Geschwister im Schlepptau. Das Kinderzimmer war am Ende verwüstet, die Bäuche voller Zuckertorte, aber wir waren glücklich!

Und heute? Ich bin ein Januarkind. Zugegeben, es gibt bessere Monate, um Geburtstag zu feiern. Ein neidvoller Wink geht raus, an alle Sommergeburtstagskinder. Nichtsdestotrotz feiere ich natürlich, aber man kann fest damit rechnen, dass ¼ der Gäste absagt. Und man kann noch mehr drauf verwetten, dass sie es per WhatsApp tun, am späten Abend vorher oder am Morgen des Geschehens. Ach, es ist ja alles so einfach! Da sagt man Tage vorher einfach per WhatsApp zu, O-Ton: „Ich komme auf jeden Fall und bringe noch einen Freund mit“, um dann am späten Abend vorher, kurz vor Mitternacht, schnell eine Nachricht zu schreiben und die ganze Sache wieder abzublasen, da man sich nicht gut fühle. Ja, ich fühle mich auch nicht gut und zwar, wenn ich sowas lesen muss! Und das nicht zum ersten Mal…

Wie wäre es damit: Einfach mal ehrlich sein, zusagen und sein Wort halten und kommen. Und falls doch irgendetwas schlimmes dazwischenkommen sollte, dann ruft man an (ja, mit Menschen kann man sprechen!) und erklärt seine Lage. Alles ist besser, als jemanden vor den Kopf zu stoßen. Alles mit WhatsApp und Co. heutzutage zu klären, zieht sich langsam durch alle Lebenslagen. Telefoniert wirklich niemand mehr? Hat niemand mehr das Bedürfnis, Freundschaften richtig zu pflegen? Eine Freundschaft bedeutet nicht, einen Emoji per WhatsApp rüberzuschicken. Zugegeben, es ist natürlich ein nettes Instrument, um in Kontakt zu bleiben, um morgens der besten Freundin ein „Guten Morgen“ herüberzusenden, gerade, wenn diese nicht um die Ecke wohnt, aber es ist doch niemals ein Ersatz für richtige Nähe?!

Das heißt, man lädt zum Geburtstag ein, es wird fix zugesagt und man kann prima am Abend vorher, dem Geburtstagskind die frohe Botschaft machen, dass es seine selbstgemachte Torte doch bitte allein essen soll. Das funktioniert, wie erwähnt, auch in anderen Lebenslagen. „Wollen wir uns nächste Woche treffen, am Mittwoch?“ „Hört sich gut, ich sage dir dann noch Bescheid.“ Ich warte Montag, ich warte Dienstag und auch am Mittwoch kommt keine Mitteilung. Puff, Peng, in Luft aufgelöst. Es wird noch nicht einmal mitgeteilt (per Messenger), dass es diese Woche mit einem Treffen doch nicht mehr klappen wird. Erwarte ich wirklich zu viel? Wie wäre es damit: Sich verabreden, Wort halten, erscheinen, Spaß haben. Oder ist das zu sehr 80iger? Falls ja, wo ist meine Zeitmaschine?

Hat denn niemand mehr Lust auf Freundschaften, Gesellschaft und Feiern? Und falls nein, warum nicht? Ist es, weil der Job heutzutage stressiger ist, im Vergleich zu früher? Ist es, weil wir den anderen nicht mehr vermissen, weil wir ja jederzeit per soziale Medien oder Messengern überprüfen können, ob dieser noch lebt und falls ja, was er gerade tut? Oder sind wir einfach nur stinkend faul?

Gott sein Dank, bestätigen Ausnahmen die Regel. Gott sein Dank, habe ich auch Menschen auf die ich mich verlassen kann, die meine Gesellschaft nicht mit Füßen treten.

Haben wir als Kinder nicht die tollsten Partys gehabt? Unsere Eltern hatten in den 70igern auch noch tolle Partys. Zugegeben, da waren viele zugedröhnt bis unters Dach, aber hey, trotzdem hat man es geschafft, sich zu treffen und sämtliche Feiertage zusammen zu verbringen. Ja, damals wurde sogar Silvester gefeiert. Wahnsinn!

Apropos, schon etwas vor zu Ostern?

party people
Crazy party people

Die Autorin feiert und schreibt gern. Ihre aktuellen Projekte finden Sie unter www.hamburgersafari.de