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26/01/2018 17:31 CET | Aktualisiert 27/01/2018 15:23 CET

Dieter Wedel gab vor 21 Jahren ein Interview – es ist verstörend

Schon der Titel des Interviews erzeugt aufgrund der jüngsten Vorwürfe Bauchschmerzen.

Franziska Krug via Getty Images
Dieter Wedel 1996 im "Focus": “Manchmal ist das Erobern spannender als das erobert haben."
  • Belästigung, Schikane, Vergewaltigung – die Vorwürfe gegen den deutschen Regisseur Dieter Wedel wiegen schwer
  • Ein Interview, das Wedel dem Nachrichtenmagazin “Focus” 1996 gab, erscheint vor diesem Hintergrund in einem ganz anderen Licht

Schon der Titel wirkt im Licht der jüngsten Vorwürfe gegen Dieter Wedel vielsagend. Er lautet: “Der Jäger”.

Unter dieser Überschrift erschien 1996 ein Interview des Regisseur mit dem Nachrichtenmagazin “Focus”.

Wedel ist aktuell schweren Anschuldigungen ausgesetzt: Mehrere Schauspielerinnen werfen Wedel vor, er habe sie sexuell belästigt, genötigt und sogar vergewaltigt.

Ja, Wedel ist schon lange als Womanizer bekannt. Das wird sehr schnell klar, wenn man das 21 Jahre alte Interview liest.

Eine Frau erobert zu haben, sei ein angenehmes Gefühl, sagte der Regisseur 1996 im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin “Focus”. Jedoch: “Manchmal ist das Erobern spannender als das erobert haben. Das wird einem Feldherrn bei der Schlacht auch so gehen.”

Daraufhin beteuert Wedel: “Aber ich habe noch nie eine Frau angebaggert oder bedrängt.”

Er habe eben den Ruf eines Draufgängers. Und die Frauen würden dann erwarten, von ihm angemacht zu werden.

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“Ein guter Jäger wartet”

Eine Schauspielerin habe ihm gestanden, sie habe sich am Set geärgert, weil er nicht mit ihr geflirtet habe. Daraufhin habe sie es in der dritten Woche selbst versucht. Wedel folgerte daraus: “Ein guter Jäger wartet”.

Gegenüber der Schweizer Schauspielerin Esther Gemsch zeigte sich Wedel wohl weniger zurückhaltend. Sie behauptet, Wedel habe sie 1980 in seinem Hotelzimmer angegriffen und versucht, sie zu vergewaltigen.

“Er setzte sich rittlings auf mich, packte meinen Kopf bei den Haaren und schlug ihn immer wieder aufs Bett, einmal auch an die Wand und dann einmal auf die Bettkante”, wird Gemsch in einem Dossier der “Zeit” zitiert.

Dabei sei die Schweizerin so schwer verletzt worden, dass sie den Dreh habe abbrechen müssen, berichtet die “Zeit”.

Gemschs Nachfolgerin, die Schauspielerin Ute Christensen, erhebt ebenfalls schwere Vorwürfe gegen den Regisseur: Nachdem sie eine Einladung auf sein Hotelzimmer ausgeschlagen habe, sei sie am Set von ihm gemobbt und gedemütigt worden.

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Dieter Wedel weist diese Vorwürfe, wie auch die anderen Missbrauchsvorwürfe, die gegen ihn erhoben worden sind, zurück.

Wedel brachte Frauen an Filmsets zum Weinen

Wedel, der für seine cholerischen Ausbrüche an Filmsets bekannt ist, gab gegenüber dem “Focus” 1996 zu: “Wenn es die Szene braucht”, würde er Frauen auch zum Weinen bringen. 

“Beim ‘Großen Bellheim’ gab es einmal Spannungen zwischen Leslie Malton und mir. Die habe ich benutzt, um eine bestimmte Szene zu intensivieren. Leslie wurde ganz blass”, erzählte der Regisseur 1996.

“Gestandene Schauspieler”, sagte Wedel über Männer wie Mario Adorf oder Heiner Lauterbach, würden sich das nicht gefallen lassen. Er bringe nur die Frauen zum Weinen.

Diese Schilderung zeigt, wie wenig Respekt Wedel Frauen entgegen bringt. 

Das Anschreien, sagte Wedel, habe jedoch nicht bei allen Frauen die gewünschte Wirkung erzielt.

Bei der Schauspielerin Julia Stemberger – sie spielte in Wedels Film “Schattenmann” mit – hatte das Anschreien zum Beispiel keinen Sinn, sagte Wedel. “Das ist ein Typ, der wäre danach noch zugeknöpfter”, lässt uns der heute 75-Jährige wissen.

“Erotische Spannung” am Filmset 

Obwohl er seine Dauerfreundin Uschi Wolters immer wieder betrogen habe, tue er das oft nicht mit Schauspielerinnen. Denn die Zusammenarbeit sei dann nicht mehr so eng, sagte der Regisseur.

Und das, obwohl das Risiko sich in eine Schauspielerin zu verlieben, groß sei, gestand Wedel. Denn: “Natürlich entsteht auch eine erotische Spannung” am Filmset.

“Ich lerne viele hübsche Frauen kennen. Natürlich bin ich für sie auch beruflich interessant. Macht soll ja erotisch wirken.”

(ks)