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Was wir von Reinhold Messner über Mut lernen

08/02/2018 12:35 CET | Aktualisiert 08/02/2018 12:35 CET
Julien Backhaus

Mutig wäre jeder gern. Furchtlos durch die Welt zu gehen wie ein Reinhold Messner, dem kein Berg dieser Welt die Stirn bieten konnte. Als ich ihn fragte, was er generell zum Thema Risiko einfällt, sagte er „das Leben an sich ist ein Risiko“. Und er hat Recht.

Uns ist so selten bewusst, dass wir, sobald wie unseren ersten Atemzug getan haben, ständigem Risiko ausgesetzt waren. Wir sind also ganz grundsätzlich schon bereit, Risiken einzugehen, um am normalen Leben teilzunehmen. Wir gehen vor die Haustür, steigen in öffentliche oder private Verkehrsmittel, überqueren Straßen, essen und trinken ungesunde Dinge uvm.

Risiken kalkulieren

Reinhold Messner ist damit kein Geisteskranker, sondern er hat die Grenzen der Risiken, die er bereit ist einzugehen, ausgedehnt. Er will dem Leben in einer lebensfeindlichen Umgebung ein Schnippchen schlagen. Trotzdem ist ihm wichtig, die Risiken sinnvoll zu kalkulieren und die Gegebenheiten vor Ort so ausführlich wie nur möglich zu analysieren. Er will vorher wissen, wo die Felsbrocken stürzen und Lawinengefahr besteht. So kann er einen großen Teil der Überraschungen eliminieren.

Grenzen verschieben

So weit muss keiner von uns gehen. Aber wir können von Messner lernen, unsere Risikogrenzen zu erweitern. Wir müssen nicht unser Leben in Gefahr bringen. Wir müssen aber Mut entwickeln, mehr Chancen zu ergreifen. Das Risiko, mit dem die meisten von uns dann konfrontiert wären, ist lediglich zu scheitern. Und selbst da stellt sich die Frage, ob Sie nicht nur zu früh aufgegeben haben. 

Es beginnt bei banalen Angelegenheiten: In den Traumjob einzusteigen zum Beispiel. Die Risiken sind in der Regel überschaubar. Trotzdem scheuen viele das Unbekannte. Wird die Bezahlung gut genug sein? Wird mein Umfeld mich unterstützen? Sind die Zukunftsaussichten passabel? Werde ich gut darin sein? 

Suche nach Glück

Glauben wir der landläufigen Meinung, dann ist die Wahrscheinlichkeit immens hoch, erfolgreich in etwas zu sein, was wir gerne tun. Uns sogar Glücksgefühl beschert. Die Medizin glaubt sogar, sie werden gesünder, wenn Sie der richtigen Beschäftigung nachgehen. Jeder sollte es also tun, wie Messner. Die Risiken analysieren und die eigenen Grenzen ein Stück weit zu sprengen. Es muss ja nicht immer die Teilung des Meeres sein. Aber sich regelmäßig ein wenig mutiger zu zeigen, dürfte unserem Leben auf lange Sicht einen unvorstellbaren Dienst erweisen.

Reinhold Messner auf dem aktuellen Cover vom ERFOLG Magazin 

Bilder: Paul Kuchel