WIRTSCHAFT
02/02/2018 11:55 CET | Aktualisiert 02/02/2018 23:44 CET

Warum es für die Karriere so wichtig ist, das Wort "Nein" sagen zu können

"Sehr erfolgreiche Menschen sagen zu fast allem ‘Nein’.”

Robert Galbraith / Reuters
Hat sicherlich oft "Nein" gesagt: Steve Jobs.
  • Der größte Stressauslöser in Deutschland ist die Arbeit
  • Um den Stress zu reduzieren, ist es wichtig, “Nein” sagen zu können

Vielen Menschen sind gestresst in ihrer Arbeit. Dabei gibt es dafür laut Ratgebern und Prominenten einen Ausweg. Und er besteht nur aus einem Wort: Nein.

Wer häufiger “Nein” sagt, der kann Überforderung vermeiden und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Erfolgreiche Menschen sagen “Nein” 

Das sieht man an erfolgreichen Menschen, die genau das machen. Ein Autor des Wirtschafts-Magazins “Forbes” fasste Zitate von erfolgreichen Menschen über das Neinsagen zusammen:

  • “Was du nicht machst, bestimmt das, was du machst”, sagte Autor und Podcaster Tim Ferris.

  • “Der Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und sehr erfolgreichen Menschen ist, dass sehr erfolgreiche Menschen zu fast allem ‘Nein’ sagen”, sagte Investorenlegende Warren Buffet.

  • “Die Menschen glauben, dass wahrer Fokus bedeutet, zu einer Sache ‘Ja’ zu sagen und sich ihr völlig zu verschreiben. Innovation bedeutet, zu 1000 anderen Ideen ‘Nein’ zu sagen”, sagte Apple-Gründer Steve Jobs.

Manchmal ist der Schlüssel zum Erfolg also, nicht alles auf einmal zu machen. Sondern nur das Richtige.

Es ist sinnvoller, die Zeit produktiv verbringen und an etwas zu arbeiten, was wichtig ist und Spaß macht – und nicht an Aufgaben, nach denen man zuerst gefragt wurde. Das verringert das Gefühl von Überforderung und großem Druck.

Ein Gefühl, das viele Menschen kennen dürften. 

Sechs von zehn Menschen in Deutschland fühlen sich gestresst – unabhängig davon, ob beruflich oder privat. Das zeigt die Stress-Studie der Techniker Krankenkasse von 2016. 63 Prozent der Frauen stehen immer wieder unter Strom, bei den Männern sind es 58 Prozent.

Stressauslöser Nummer eins ist: der Job.

Warum es gut für deine Karriere ist “Nein” zu sagen

Klar, es ist nicht leicht, “Nein” zu sagen. Es ist einfacher, alles zu tun, was der Vorgesetzte verlangt. Man geht den Konflikten aus dem Weg und hat das Gefühl, dadurch gemocht zu werden.

Wer aber Erfolg im Beruf haben will, sollte aufhören, die eigene Meinung zu unterdrücken. Wer sein “Nein” nämlich durchdacht begründen kann, steigt im Ansehen vieler Chefs, kommentiert das Magazin “WirtschaftsWoche”.

Viel wichtiger, als allem zuzustimmen, sei es, deutlich auszudrücken, welches Projekt jetzt gerade wichtig ist und das Unternehmen voranbringt. 

Wie sagt man “Nein”

“Es ist wichtig, auf nachsichtige, aber bestimmte Weise Anfragen abzulehnen, selbst wenn du dich dazu verpflichtet fühlst, sie zu übernehmen”, sagte Angela Clack, eine Psychotherapeutin aus New Jersey gegenüber der HuffPost Canada.

Und fügte hinzu: “Aber wenn du ‘Nein’ sagst, werden die zu hohen Erwartungen und Ansprüche an dein Leben und deine Zeit reduziert – physisch und emotional.”

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“Nein” zu dem sagen, was den Prioritäten im Weg steht

Viele Menschen fühlen sich schuldig, wenn sie eine Aufgabe ablehnen.

Aber: “Wir fühlen uns schuldig, wenn wir unsere Prioritäten und Überzeugungen nicht Ausdrücken können”, schreibt Maralee McKee, eine Beraterin für Umgangsformen auf ihrer Homepage.

Man solle lieber darüber nachdenken, was Prioritäten und Verantwortungen sind – und “Nein” zu den Dingen sagen, die ihnen im Weg stehen, heißt es von der Expertin.

Außerdem: Wer immer nur die Belange von anderen erfüllt, ist früher oder später emotional und physisch erschöpft. Daher ist es strategisch und vorausschauend, “Nein” sagen zu können.

“Nein” ist ein kompletter Satz, aber für manche Menschen kann er sich zu kurz oder sogar unhöflich anfühlen. Daher empfiehlt die Plattform “The Muse”, ausformulierte Antworten parat zu haben.

Zum Beispiel Entwürfe für E-Mail-Antworten vorzubereiten, wenn ihr auf der Arbeit etwas ablehnen müsst.

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Und in vielen Fällen ist eine sofortige Antwort auch gar nicht nötig. Es sei oft besser, sich ein bisschen Zeit zu nehmen für die richtige Antwort, sagt Expertin Clack.

Manchmal helfe es auch, erstmal auf den Kalender oder die eigenen Finanzen zu schauen, um mit einer selbstsicheren Zusage antworten zu können. 

Natürlich ist es schwer, zu lernen, nein zu sagen. US-Moderatorin Oprah Wiinfrey – eine der reichsten Frauen der USA und bekennende Neinsagerin – erzählte kürzlich der “New York Times”:

“Das war eine meiner wichtigsten und schwierigsten Lektionen“, sagte sie. “Nein zu sagen und damit leben zu können.“ 

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(ks)