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Vor 30 zu heiraten ist ein sicherer Weg, wie ihr eure Zukunft verspielt

Heiraten ist nicht einfach nur “der nächste Schritt”.

31/01/2018 13:31 CET | Aktualisiert 31/01/2018 13:31 CET
efenzi via Getty Images
Als frische 30-Jährige fange ich gerade erst damit an, alles abzuschütteln, was mich in meinen Zwanzigern belastet hat.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei YourTango.

Alter ist nicht nur eine Zahl. Alter bringt auch Weisheit.

Ich möchte niemandem einen Vorwurf machen, noch will ich alle verheirateten Paare pauschalisieren.

Aber wenn du unter 30 bist, verheiratet, das hier liest und heimlich denkst: “Ja, rückblickend hätte ich vielleicht wirklich nicht heiraten MÜSSSEN”, dann ist dieser Text vermutlich für dich.

Ich frage dich – nicht aus Pessimismus sondern aus Neugier – warum hast du geheiratet? Ganz ehrlich, hätte es einen Unterschied gemacht? Warst du bereit dafür? Denkst du wirklich, dass deine Beziehung hält?

In der Ehe geht es um Liebe aber es ist auch ein gesellschaftliches Problem. Es geht um gesellschaftliche Erwartungen, Standards, Familie, die Angst, alleine zu sterben und manchmal auch um Besitz – oder auch darum, das zu tun, was einfach ist.

Die Allgemeine Vorstellung weicht vom Standard ab

Jeder sagt, dass die zwei US-Küsten ganz anders ticken als die mittleren Staaten des Landes.

Als New Yorkerin habe ich dieses Klischee gehört: Wir Stadtbewohner würden alle wichtigen Ereignisse des Lebens hinauszögern – Kinder bekommen, ein Haus kaufen und heiraten. Nur um unseren Ehrgeiz auszuleben: Karriere, Reisen, sexuelle Entdeckung und romantische Freiheit.

In der Klischee-Vorstellung ist es so, dass die, die in der Heimatstadt geblieben sind (ich bin aus New Jersey, zum Beispiel) bevor sie 27 Jahre alt werden schon geheiratet haben und Kinder bekommen.

Erst Tinder, dann heiraten

Ich spreche aber aus meiner Erfahrung: Ich finde das nicht zutreffend. Mehr und mehr Menschen in New York heiraten. Es ist nicht nur so ein Vorstadt-Ding.

Sicher, die Menschen, die ich noch von zu Hause kenne, sind verheiratet und haben Kinder – aber New Yorker auch!

Das sind die gleichen, die kurz zuvor noch bei Tinder nach rechts gewischt und die gläserne Decke durchbrochen haben, für ihre Rechte kämpften oder ihren ersten richtigen Job gefunden haben. Ehrlich gesagt, ich bin davon wirklich verwirrt.

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Heiraten ist nicht einfach nur “der nächste Schritt”

Manchmal rufen mich Freunde an und sagen: “Ich bin verlobt!”. Ich freue mich für sie, natürlich – aber die Hälfte der Zeit frage ich mich “Weißt du überhaupt wieso?”, denn in einigen Gesprächen stellt sich später heraus, dass sie es nicht wirklich durchdacht haben.

Über die Jahre hinweg habe ich ein paar merkwürdige Dinge gesehen: hastige Heirat, weil ein Hochzeitsplaner es einfach nur hinter sich bringen wollte, Ehen, die wegen angeblich auf der Hand liegender Gründe geschlossen wurden, heiraten, weil man-das-eben-so-macht.

Die Wahrheit ist: Nur weil man sich in ein oder zwei Jahren inniger kennengelernt hat, heißt das nicht, dass daraus eine gute Ehe wird. Heiraten ist nicht einfach nur “der nächste Schritt”. Es ist eine Entscheidung mit emotionalen Konsequenzen, die du zu tragen hast. Du willst sicher nicht abends zu Bett gehen und denken: “Was habe ich getan?”

Alter bringt etwas mit sich, was wir brauchen

Heiraten bevor man 30 ist, ist für mich ein todsicherer Weg, seine Zukunft aufs Spiel zu setzen. Menschen sagen, Alter ist nur eine Zahl. Ich kann da nicht zwangsläufig zustimmen. Ich denke, Alter bringt etwas mit sich, was wir brauchen: Weisheit.

Du musstest als Kind und Teenager vielleicht viel durch machen (so wie ich) und so etwas lässt dich schneller “erwachsen” werden – das heißt aber nicht, dass du einen gesundes Selbstempfinden entwickelt hast.

Vielleicht hast du dein Kindheitstrauma auch noch gar nicht überwunden. Das heißt auch, dass du vielleicht noch nicht 100-prozentig bereit bist, gesund und du selbst.

Ich lerne mich gerade erst selbst kennen

Nur weil ich vielleicht Köpfchen habe, widerstandsfähig bin und schon eine alte Seele mit 17 Jahren war, bin ich auf keinen Fall “erwachsener”. Und wenn ich an die Ehe denke, denke ich ans Erwachsen-sein. Bereit fürs Leben. Erfahren.

Als frische 30-Jährige fange ich gerade erst damit an, alles abzuschütteln, was mich in meinen Zwanzigern belastet hat. Ich lerne mich kennen: Wer ich bin, was ich wirklich brauche und was nicht. Ich lerne, was mich frei fühlen lässt.

Ich weiß auch, wie es sich anfühlt, unter Druck gesetzt zu werden. Meine Familie ist italienisch und ich habe die Fragen: “Du bist nicht schwanger? Du bist nicht verlobt?!” schon mehrfach gehört. Ich habe mich an diese Fragen gewöhnt.

Ich würde mich albern fühlen

Ich bin auch an die Gespräche gewöhnt, die in der Regel mit einem Wein in der Hand geführt werden und sich irgendwann um Beziehungen drehen – die unausweichliche Frage lässt dann nicht mehr lange auf sich warten: “Du bist schon drei Jahre mit deinem Freund zusammen?! Werdet ihr bald heiraten?”

Ganz ehrlich? Ich denke nicht mal darüber nach. Wenn ich morgen mit einem Ring am Finger zur Arbeit kommen würde, wüsste ich nicht, was ich sagen sollte. Ich würde mich albern fühlen. Ich bin doch noch ein Kind.

Was soll das ganze überhaupt? Ich bin zutiefst verliebt, aber Verlobungen und Hochzeiten wirken auf mich banal.

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Ich will nicht irgendjemandes Frau sein

Ich bin erst jetzt zu dem Job gekommen, von dem ich immer geträumt habe. Ich habe nicht viele Ersparnisse. Ich will viel reisen. Vielleicht verlasse ich das Land. Ich will ich selbst sein, nicht irgendjemandes Frau. Und selbst wenn ich ausgesorgt hätte – es gibt so viel mehr von mir, das ich noch erkunden möchte.

Mein Partner und ich wissen, dass wir heiraten möchten. Es macht uns nichts aus, darüber zu reden, aber der tatsächliche Akt des Heiratens bevor wir 30 sind – oder bevor wir uns jeweils selbst verwirklicht haben – wirkt gehetzt, altmodisch und deprimierend.

Ich denke, es ist klug, sich im klaren darüber zu sein, wie sehr uns die Gesellschaft manipuliert und uns vom eigenen Wachstum abhält. Ehe sagt: “Ich gehöre nicht mehr mir”, und ich glaube, wir brauchen alle mehr Zeit, in der wir uns selbst gehören.

Ich brauche Zeit

Nachdem ich in ein paar Langzeitbeziehungen war, kann ich ganz schonungslos und ehrlich sagen, dass sie aus gutem Grund nicht gehalten haben: Wir waren jung, durcheinander, zu sehr verliebt, zu wenig verliebt – alles davon.

Wir waren nur Versionen von uns selbst – wir hatten unseren Weg und uns selbst noch nicht gefunden.

Was, wenn mein Freund nicht passend genug ist? Ich brauche Zeit, um es herauszufinden und zu sehen, was ich tolerieren möchte und was nicht, bevor ich zu früh eine Unterschrift auf die gepunktete Linie setze. Das nennt sich Logik und Pragmatik – nicht Negativität.

Sie geben zu, dass sie zu jung geheiratet haben

Das Problem ist: Viele verheiratete Menschen, die ich kenne, betrügen einander, langweilen sich, werden Opfer von Desillusionen, geben dann zu, dass es eine übereilte Entscheidung war und letztendlich lassen sie sich scheiden.

Sie geben meistens auch zu, dass es daran lag, dass sie zu jung geheiratet haben und dachten, sie hätten den “absoluten Durchblick” gehabt. Und so ist es bei beinahe jeder Scheidung, die ich mitbekommen habe.

Eine meiner Freundinnen sah zu, wie ihr damaliger charmanter, Party-liebende Freund ein Alkoholiker wurde. Er war eigentlich schon immer einer gewesen und ihr war nicht klar, wie wenig sie das tolerieren würde. Trotzdem heiratete sie ihn. Und sie tat es, weil sie ihre Grenzen noch nicht kannte.

Heiraten macht die Liebe nicht besser oder echter

Klar, ein bisschen Romantik ist da sicherlich auch dabei: sich für die Liebe zu entscheiden und die immerwährende Bindung einzugehen, die Blumen raussuchen und die Einladungen verschicken, das Gefühl zu haben, einen von der Gesellschaft gesetzten Meilenstein erreicht zu haben.

Die Realität ist dennoch, dass eine Hochzeit die Liebe nicht besser oder echter macht. Die Ehe ist eine finanzielle, innige und langfristige Entscheidung, die nicht dafür geschaffen ist – zumindest heutzutage nicht mehr – deine Bedürfnisse der Seligkeit zu stillen oder das Endprodukt von Gewohnheiten zu sein.

Manchmal hilft es, sich Zeit zu lassen, damit es noch schöner wird.

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Es muss zuerst klicken

Der Scheidungsrate nach gibt es eine riesige Bevölkerungszahl von Menschen, die entweder höchst naive Romantiker sind oder zu versessen auf den Wunsch, zu heiraten, dass sie die Ehe an sich überhaupt nicht verstehen.

Ich will mit dem Wissen in die Ehe gehen, dass es die richtige Zeit dafür ist und aus den richtigen Gründen heiraten – nicht, damit ich einen Ring tragen kann, mich schön oder geliebt fühle oder damit ich nach drei Jahren die Beziehung endlich Ehe nennen kann.

Ich kann mich schön machen, mich selbst lieben und all das mit meinem Partner jetzt genau so machen. Da ist etwas anderes, tiefergehendes, das klicken muss. Und bevor man 30 ist, was klickt da wirklich? Ich liebe meinen Partner jetzt genau so sehr, wie wenn ich sagen würden: “Ja, ich will.”

 Dieser Text erschien zuerst bei YourTango und wurde von Martina Zink übersetzt und angepasst. 

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(ks)