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Ich wurde vergewaltigt und sollte die Behandlung selbst zahlen

08/01/2018 11:18 CET | Aktualisiert 08/01/2018 12:47 CET

Unter dem Hashtag #MeToo machen seit Ende vergangenen Jahres weltweit tausende Frauen auf das Thema sexueller Missbrauch aufmerksam. Die HuffPost-Redaktion hat per Mail die schlimme Geschichte einer Frau erreicht, die anonym vom Albtraum berichten will, der nach ihrer Vergewaltigung weiter ging:

Vergewaltigung: Ärzte und Freunde geschockt

Ich wurde am 3. September 2014 von einem Arbeitskollegen vergewaltigt.

Ich weiß nicht ob eine Stunde oder länger. Keine Ahnung. Hatte später Zerrung, blaue Flecken, Prellungen und auch eine Entzündung. Ich meldete es nicht sofort, da ich unter Schock stand. Wie ich heimkam, ist mir ein Rätsel.
Ich ging dann später zur Frauenärztin, die war geschockt, wie ich aussah und es mir ging.

Im Video oben: 9 Fotos zeigen, dass sexuelle Gewalt allgegenwärtig ist

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Sie meinte, dass ich mich immer bei ihr melden könnte. Sie meinte, dass er logischerweise verurteilt werden würde, und auch ins Gefängnis wandern würde. Mein Hausarzt sagte dasselbe.

Beide versicherten, sie würden auch aussagen. Auch Freunden fiel meine Veränderung seitdem auf und auch sie wollten aussagen.

Bei der Polizei wurde ich ca. 5 Stunden am Stück ohne Pause verhört und auch gedemütigt. Man sagte mir, dass mir klar sein müsste, dass ich schuld wäre, wenn er für 5 Jahre ins Gefängnis wandern könnte.

Streit um die Behandlungskosten

Die Polizei ging zu ihm, und meinte dann, dass es stimmte was ich sagte. Der Mann hätte bestätigt, wie es ablief. Also nicht ganz genau, aber vieles.

Über ein Jahr lang bekam ich jedoch keine Nachricht mehr zu dem Fall.

Aber dann hieß es plötzlich, die Staatsanwaltschaft würde es nicht weiter verfolgen, da Aussage gegen Aussage stünde. Die blauen Flecken und Zerrungen und Prellungen würden vom Liebesspiel herführen.

Da es ein “Arbeitsunfall” war, sollte die Berufsgenossenschaft meine Arztkosten bezahlen.

Die meinte aber, dass es kein Arbeitsunfall gewesen sei und dass ich selbst für die Kosten aufkommen müsse.

Ich rief also bei meiner Krankenkasse an, mit der Bitte, die Kosten zu übernehmen. Doch die weigerte sich mit der Begründung, es sei Sache der Berufsgenossenschaft. 

Somit stand ich also ziemlich blöde da, denn niemand wollte für meine Behandlungskosten aufkommen.

So holte ich einen Anwalt und mußte 150€ Selbstbeteiligung bezahlen.

Der erreichte immerhin, dass die Krankenkasse die Kosten schließlich doch übernahm.

Telefonterror durch den Vergewaltiger

Dass ich nicht mehr in der Lage war, richtig weiterzuleben, das zählte nicht.

Deshalb würde ich nicht mehr zur Polizei gehen. Denn die machen einen nur fertig. Und was erreicht man?

Er kommt damit locker davon - obwohl er es schonmal gemacht hatte.

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Er macht noch immer Telefonterror. Aber das melde ich nicht. Habe die Handynummer jetzt endlich geändert und hoffe nur, dass er meine Festnetznummer nicht kennt.

Mittlerweile bin ich geschieden und arbeitslos (weil arbeitsunfähig).

Die Verbrecher lachen sich ins Fäustchen und kommen frei. Ohne dass die
Staatsanwaltschaft etwas unternimmt.

Die behaupteten zwar, dass sie mir glauben - aber vor Gericht kam es trotzdem nicht.

Zahlreiche Organisationen bieten Frauen, die Opfer von Gewalt und Missbrauch wurden, telefonisch Beratung und Soforthilfe an und haben Notfall-Nummern geschaltet. wie etwa das Hilfetelefon des Bundesamtes für Familie: 08000116016 

oder das Opfer-Telefon des Weißen Ring e.V.: 116 006