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30/12/2017 08:23 CET | Aktualisiert 30/12/2017 14:21 CET

Vergessen und verstoßen: Ein Foto verelendeter Flüchtlinge erschüttert Frankreich

"Es hat mich wirklich berührt und schockiert, die Jugendlichen in dieser Situation zu sehen."

  • Ein Bild von Flüchtlings-Waisen in Paris schockiert Frankreich
  • Das Mitgefühl der Menschen, die wirklich helfen könnten, hält sich aber in Grenzen
  • Oben im Video: Die EU hat einen Vorschlag, die Flüchtlingskrise einzudämmen – er zeigt, wie weltfremd die Politiker sind

Ein Bild einiger Jugendlicher aus Paris erschüttert Frankreich. Darauf zu sehen: Junge Migranten aus Marokko, die sich zum Schlafen in die Trockner eines Waschsalons gezwängt haben.

Der Twitter Account “spy-de-paris”, hinter dem eine Frau namens Christine steckt, postete das Bild, nachdem sie von ihren Freunden dazu gedrängt wurde, es öffentlich zu machen.

Gegenüber der französischen Zeitung “La Parisienne” sagte sie: “Es hat mich wirklich berührt und schockiert, die Jugendlichen in dieser Situation zu sehen. Sie suchten Wärme, einer von ihnen schlief tatsächlich tief und fest.” 

Online rief das Foto vorerst viele positive Reaktionen hervor, Menschen wollten helfen und Kleidung und Essen in den Waschsalon bringen.

Viele Waisenkinder auf der Straße

Doch die Bewohner des 18. Pariser Bezirks, in dem das Bild entstanden ist, zeigen wenig Mitgefühl.

“Der Boulevard Barbès erlebt momentan eine Anzahl an Waisenkindern auf der Straße, wie man sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hat”, sagte etwa Valerie Goetz gegenüber “La Parisienne”. Sie ist Oberstes Kommissionsmitglied des 18. Pariser Bezirks.

Dutzende Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sind hier komplett auf sich alleine gestellt, man nennt sie dort nur “Kinder der Straße.”

Dominique Versini, Hauptbeuftragte in Sachen Kinderschutz im Bezirk, sagte “Le Parisienne”, die Jugendlichen seien “gefährlich für sich und andere, in schlechter körperlicher Verfassung und von Suchtverhalten geplagt”.

Der Profit geht vor

Selbst die Besitzerin des Waschsalons sieht die Waisen als Plage und sagte der Zeitung, deren Anwesenheit hätte den Profit des Salons massiv geschmälert. Die Flüchtlinge würden “Kleber schnüffeln und die Angestellten attackieren”.

Trotzdem könnte es für die jungen Marokkaner bald Hilfe geben. Wie “Le Parisienne” berichtet, wurde vor zwei Wochen in einer Stadtratsversammlung beschlossen, Geld dafür aufzubringen, um die Eltern der Kinder zu finden – und ihre Zeit auf der Straße endgültig zu beenden.

(jg)

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