POLITIK
09/01/2018 17:39 CET | Aktualisiert 10/01/2018 00:54 CET

US-Experte: "Es ist Zeit, Nordkorea zu bombardieren"

"Ein Sturm zieht auf", sagt auch der US-Verteidigungsminister.

Carlos Barria / Reuters
Hoffentlich drückt er nicht den Knopf: Donald Trump. 
  • Ein US-Militärexperte spricht sich für einen Erstschlag gegen Nordkorea aus
  • In Washington wird die Idee eines Präventivangriffs so offen diskutiert wie nie

Donald Trump ist unaufhaltsam.

Was klingt, wie ein typischer Satz aus dem Kommunikationsstab des US-Präsidenten, ist im Fall der US-Nuklearpolitik schlicht die bedrohliche Wahrheit. 

Experten haben in der HuffPost zuletzt erklärt, warum es schwierig wäre, Trump zu stoppen, wenn er einen Angriff auf Nordkorea in Betracht ziehen würde.

Zunächst ist das zum Glück ein rein hypothetisches Szenario. Doch in den USA mehren sich die Stimmen, die einen Präventivschlag gegen das nordkoreanische Regime in Pjöngjang als ernsthafte Option begreifen.

So schreibt etwa der renommierte Militärstratege Edward Luttwak im US-Magazin “Foreign Policy”: “Es ist Zeit, Nordkorea zu bombardieren.”

Es sei ein wichtiges amerikanisches Interesse, dass nukleare Arsenal des nordkoreanischen Regimes zu zerstören.

So begründet Luttwak seine Forderung:

► Der Experte vom Center for Strategic and International Studies findet, die USA sollten sich ein Beispiel an Israel nehmen. Die Israelis hatten 1981 in der Operation Opera einen irakischen Kernreaktor, 2007 durch die Operation Orchard einen Reaktor in Syrien zerstört.

► Ziel solcher Operationen sei es, mit konventionellen Waffen (also ohne den Einsatz von Massenvernichtungswaffen) zu verhindern, dass feindliche Regime an Nuklearwaffen kommen.

►Luttwak glaubt: Es gibt zwar Argumente gegen einen solchen Erstschlag. Diese seien aber schwächer, als die meisten Experten zugeben würden. 

Deshalb findet er die Warnungen unbegründet:

 ► Der Experte ist der Meinung, die Angst vor einem direkten Gegenschlag sei unbegründet. Er widerspricht der Meinung vieler amerikanischer Geheimdienstagenten, der zufolge nordkoreanische Raketen das amerikanische Festland erreichen könnten.

Zuletzt rechnete etwa der Raketenexperte David Wright von der Union of Concerned Scientists vor, dass die im November getestete Langstreckenrakete Kims jeden Ort der USA hätte treffen können, inklusive der Hauptstadt Washington.

► Die Hauptstadt des US-Verbündeten Südkorea, Seoul, sei laut Luttwak zwar zweifelsohne von einem Gegenschlag bedroht. Das sollte die USA aber nicht abhalten, zum Angriff überzugehen, findet er. Südkorea sei schließlich selbst schuld an den eigenen Verteidigungslücken.

So habe Südkorea es entgegen des Drängens der USA keine zureichenden Vorbereitungen auf einen nordkoreanischen Angriff getroffen.

Schon in den 70er-Jahren habe die US-Regierung gedrängt, die Ministerin weiter in den Norden Südkoreas zu verlegen und mehr Schutzbunker zu bauen. In den vergangenen Jahren sei versäumt worden, moderne Raketenabwehrsysteme von USA und Israel zu kaufen.

► Zudem glaubt Luttwak: Eine Zerstörung aller nordkoreanischer Kernkraftanlagen würde weit weniger Angriffsflüge des US-Militärs benötigen, als andere Experten glauben. “Weniger als ein paar Dutzend Flüge”, glaubt Luttwak brauche es, um das komplette Arsenal des kommunistischen Regimes unschädlich zu machen.

Das glauben andere Experten:

Luttwak, selbst Lobbyist im Vorstand der Aircraft Purchase Fleet Limited (APFL), steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Auch US-Senator Lindsey Graham befürwortete zuletzt entschieden einen Präventivschlag. Der Journalist  schrieb zuletzt in mehreren Gastbeiträgen, ein Präventivschlag sei eine bessere Option als eine drohende nukleare Konfrontation.

Medien berichteten, dass diese Überlegung auch im West Wing des Weißen Hauses längst kein Tabuthema mehr ist. Verteidigungsminister Jim Mattis sprach zuletzt von einem “aufziehenden Sturm”.

Das Magazin “Newsweek” berichtete am Dienstag über einen offenen Konflikt im Weißen Haus, ob ein Angriff in Betracht gezogen werden solle.

Die große Mehrzahl der Militärexperten warnen dabei längst vehement vor einen Präventivschlag. Asien-Experte Harry J. Kazianis vom Center for the National Interest argumentierte zuletzt, dass ein Präventivschlag die “Hölle” wäre.

“Wenn wir nicht zu 100 Prozent erfolgreich wären, würde sich Nordkorea mit allen ihren konventionellen und atomaren Waffen rächen”, glaubt Kazianis.

Michael Green, Nordkorea-Experte beim Center for Strategic and International Studies, brachte die Sorge vieler Beobachter auf den Punkt: “Ein Präventivschlag würde nicht alle nordkoreanischen Kapazitäten zerstören.”

Durch einen US-Angriff würde dann wohl auch in Südkorea und Japan Krieg ausbrechen, in dessen Konsequenz Millionen Menschen sterben könnten.

(ll)

 

 

Gesponsert von Knappschaft