POLITIK
30/01/2018 18:55 CET

Unterhaltsvorschuss: Alleinerziehende warten monatelang auf Hilfe

Das Geld sollte eigentlich dem Wohl der Kinder dienen.

Bolander, Josefine via Getty Images
Ein Unterhaltsvorschuss wirkt sich mindernd auf den Hartz-IV-Satz aus. 
  • Alleinerziehende, die keinen Unterhalt von dem anderen Elternteil bekommen, können beim Jugendamt einen Vorschuss beantragen
  • In manchen Regionen dauert es bis zu einem halben Jahr, bis man diesen erhält – wer dazu Hartz-IV empfängt, der geht fast leer aus 

Als Alleinerziehende in Deutschland hat man es nicht leicht. Denn hierzulande benötigt fast jede dritte Ein-Eltern-Familie staatliche Transferleistungen - etwa Hartz-IV oder eine Unterhaltsvorschuss-Zahlung.

Durch diese Leistung soll der Lebensunterhalt des Kindes zumindest teilweise gesichert werden, wenn der familienferne Elternteil der Aufforderung der Zahlung nicht nachkommt oder verstorben ist. Wer diese Leistung braucht, stellt dafür einen Antrag.

Eine richtige und wichtige Regelung. Doch an der Umsetzung scheitert es in Deutschland immer wieder. So zum Beispiel im sächsischen Zwickau.

Dort ergab eine Anfrage der Linken-Politikerin Sabine Zimmermann an das Landratsamt, dass es rund vier Monate dauert, bis ein Bewilligungsverfahren auf einen Unterhaltsvorschuss bewilligt wird.

3000 Anträge wurden bis zum 30. November 2017 gestellt, das Amt hat bis dato nur 650 davon bewilligt.

Das berichtete die Onlinezeitung “Freie Presse” am Dienstag.

Eine böse Überraschung für alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger

Vier Monate können eine sehr lange Zeit sein, besonders wenn man als Mutter oder Vater alleine für Miete, Essen, Heizung, Strom und Kleidung von mindestens einem Kind und sich selbst aufkommen muss. Doch die Wartezeit ist noch nicht einmal das größte Problem.

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Denn handelt es sich bei dem alleinerziehenden Elternteil auch um Empfänger von Hartz-IV, dann gibt es selbst nach Erhalt des Vorschusses eine böse Überraschung:

Das zuständige Jobcenter rechnet die “Einnahmen” mit dem Arbeitslosengeld II gegen. Das bedeutet, dass sich der Vorschuss mindernd auf den Hartz-IV-Satz auswirkt.

Jobcenter behält 1356 Euro Unterhalt ein

Ein Fall aus der Stadt Crimmitschau veranschaulicht die Misere:

► Dort stellte ein alleinerziehender Vater im Juli einen Antrag auf Unterhaltsvorschuss.

► Nach über einem halben Jahr Bearbeitungszeit bekam der Mann die erforderliche Bewilligung - und wahrscheinlich noch einen gehörigen Schock:

► Von den ihm zustehenden 1400 Euro sind nach Abzügen des Jobcenters noch ganze 44 Euro übrig geblieben. Das erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der “Linken” im Bundestag Sabine Zimmermann der “FP”.

Mehr zum Thema: Die Armut von Hartz-IV-Empfängern ist bald für jeden sichtbar – und diese Firma profitiert davon

Das Amt behielt 1356 Euro ein, weil der alleinerziehende Vater bereits Arbeitslosengeld II bezieht. Wie er mit diesem und den 44 Euro seine kleine Familie über Wasser hält, ließ die Politikerin im Gespräch mit der Zeitung leider offen.

“Das Geld dient dem Kindeswohl”

Das diese Regelung allerdings mehr als ungerecht ist, merkte die 47-Jährige sehr wohl an: “Dieses Geld dient schließlich dem Kindeswohl”, sagte Zimmermann der “Freien Presse”. 

Fälle wie diese sind lebhafte Beispiel für das, was zahlreiche Experten und Politiker seit Jahren predigen:

Das System Hartz-IV schadet Menschen mehr als es hilft - und vor allem denen, die echte Hilfe dringend gebrauchen könnten. Es wird höchste Zeit für eine Reform, die Menschen in Not wirklich hilft. 

(tb)