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11/01/2018 08:44 CET | Aktualisiert 11/01/2018 12:07 CET

Turkmenistan verbietet Frauen das Autofahren – und schwarze Pkw

“Am Anfang dachte ich, das wäre ein Witz – bis ich gestoppt wurde.”

JTB Photo via Getty Images
Autos in der Hauptstadt Aschgabat
  • Die ehemalige Sowjetrepublik Turkmenistan hat Frauen das Fahren verboten
  • Der Präsident beruft sich dabei auf eine dubiose Statistik

Turkmenistan ist ein sehr spezielles Land: Der bis 2006 regierende exzentrische Ex-Präsident Saparmyrat Nyyazow baute nicht nur einen Zoo mit Pinguinen mitten in die Wüste und errichtete ein goldenes Ebenbild in der Hauptstadt, das sich mit der Sonne dreht.

Er ließ ebenso Wochen- und Monatstage nach sich und seinen Familienmitgliedern umbenennen und fast alle Krankenhäuser im Land schließen

Auch unter dem jetzigen autoritären Staatschef Gurbanguly Berdimuhamedow schottet sich das muslimische Land weiter nach außen ab. Die ehemalige sowjetische Teilrepublik Turkmenistan zählt zu den repressivsten Regimen der Welt.

Berdimuhamedow geht nun einen besonders bizarren Schritt: Er untersagte Frauen das Autofahren.

Sowohl das oppositionelle, aus dem Ausland betriebene turkmenische Nachrichtenportal “Alternatiwnye Nowosti Turkmenistana” (“ANT”) als auch die in Zentralasien ansässige russische Nachrichtenagentur Fergana News berichten über das Fahrverbot.

“Ich dachte, es wäre ein Witz”

Bereits seit Mitte Dezember soll die Polizei demnach Frauen vom Fahren abgehalten haben, zuerst nur mit Verwarnungen. Doch seit Januar greifen die Behörden konsequent durch. Laut “ANT” sollen Beamte mehreren weiblichen Fahrerinnen die Fahrerlaubnis entzogen und ihre Fahrzeuge konfisziert haben. 

“Am Anfang dachte ich, das wäre ein Witz – bis ich gestoppt wurde”, zitiert “ANT” eine Frau aus der Hauptstadt Aschgabat. “Nun haben Frauen Angst zu fahren und fragen ihre Männer, sie zur Arbeit zu bringen.”

Zudem sollen alle staatliche Institutionen ihre weiblichen Mitarbeiter dazu aufgefordert haben, schriftlich zu bestätigen, dass sie nicht weiter fahren würden.  

Der Grund für das Vorgehen: Laut einer Statistik, die der turkmenische Innenminister am 5. Dezember 2017 präsentierte, seien Frauen in dem Land an den meisten Verkehrsunfällen schuld oder daran beteiligt. Berdimuhamedow hatte deshalb den Minister angehalten, “die Situation zu korrigieren”. 

Nachdem Saudi-Arabien Frauen endlich das Fahren erlaubt hatte, ist Turkmenistan nun weltweit das einzige Land mit einem Fahrverbot für Frauen.

Verbot schwarzer Autos

Doch das ist nicht das einzige absurde Verkehrsregelung, die in Turkmenistan seit Anfang des Jahres in Kraft ist.

Laut Medienberichten ist es nun ebenfalls untersagt, mit schwarzen und dunklen Autos zu fahren. Noch liegt dazu offenbar kein offizielles Gesetz vor. Aber eine Vorgabe der Regierung: Besser sei ein weißes Fahrzeug, da weiß die Farbe des Glücks sei.

Bereits seit Januar 2015 ist es verboten, schwarze Fahrzeuge in das Land einzuführen. Autos mit “falscher” Farben werden laut Fergana News auf den Parkplatz der Verkehrspolizei geschleppt. Dort werden die Besitzer angeblich dazu gezwungen, sie neu zu streichen.

Das Verbot von dunklen Autos soll bereits dazu geführt haben, dass sich der Preis für Neulackierung in den Autowerkstätten des Landes verdoppelt hat – von umgerechnet 500 auf 1.000 US-Dollar.

(lp)

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