POLITIK
18/12/2017 07:41 CET | Aktualisiert 18/12/2017 08:34 CET

Tumulte vor Bottroper Tafel: Vorfall zeigt, wie schwierig Weihnachten für arme Familien ist

“Etwa 200 Leute waren da - jeder wollte der Erste sein.”

  • Polizeieinsatz in Bottrop: Am dritten Advent drängeln sich hunderte vor einer Einrichtung der Tafel
  • Der Vorfall zeigt, wie schwierig die Weihnachtszeit für viele arme Familien ist
  • Im Video oben: Armut in Deutschland: Die Regierung vergisst Millionen Bürger

Die Weihnachtszeit ist für viele Deutsche eine Zeit der Besinnlichkeit, des Zusammenkommens der Familie. Eine Zeit, in der man sich Geschenke macht.

Für viele Menschen, die in Armut leben, ist die Weihnachtszeit aber etwas anderes: eine große Belastung.

Eine alleinerziehende Mutter etwa berichtete zuletzt der HuffPost: “Ich habe schon vor ein paar Monaten angefangen, Geld für Geschenke beiseite zu legen. Trotzdem wird es darauf hinauslaufen, dass ich Nutzgegenstände als Geschenke tarnen muss.”

Auch in Bottrop zeigte sich nun, am 3. Advent, dass es viele Bedürftige gibt, die viel für ein besinnliches Weihnachtsfest geben würden. Vor einer Einrichtung der Tafel kam es am Sonntag zu Tumulten, als die Mitarbeiter kleine Geschenkpäckchen ausgeben wollten.

Die Menschen standen ab 5 Uhr Schlange

“Etwa 200 Leute waren da - jeder wollte der Erste sein”, sagte der Vorsitzende der Tafel, Dieter Kruse, im Gespräch mit “Der Westen”. Bereits um 5 Uhr seien die ersten Bedürftigen da gewesen. Dabei habe die Einrichtung erst um 10 Uhr geöffnet.

In den Päckchen seien keine teuren Gegenstände gewesen: sondern vor allem Lebensmittel. Die Tafel hatte zuvor Bottroper Bürger aufgerufen, dafür zu spenden. 

Der Vorfall zeigt, wie prekär die Situation vieler Menschen besonders am Jahresende ist. Laut einer Studie des Inkasso-Unternehmens Intrum Justitia machen einem Drittel der Deutschen die Weihnachtsausgaben Sorgen. 

Besonders in vielen Gegenden des Ruhrgebiets leben auch viele Kinder in Armut. Sie leiden an Weihnachten besonders. In Gegenden wie Leverkusen-Alkenrath ist sogar jedes zweite Kind von Armut bedroht. 

Zur prekären Situation kommt dabei oft Scham: “Niemand will zugeben, dass er auf Hilfe angewiesen ist”, sagte Pfarrer Jürgen Dreyer im Sommer im Gespräch mit der HuffPost. Dreyer kümmert sich in Leverkusen um Kinder in prekären Situationen.

Auch jetzt im Dezember, damit sie sich zumindest an Weihnachten nicht noch mehr Sorgen machen brauchen.