POLITIK
15/02/2018 15:57 CET | Aktualisiert 16/02/2018 13:53 CET

Tübingen will kostenlosen Nahverkehr einführen – und zeigt, wie es gehen könnte

Auf den Punkt gebracht.

Stadtwerke Tubingen/ Marquardt
Ein Bus der Stadtwerke Tübingen auf der Neckarbrücke

Die Bundesregierung denkt darüber nach, den öffentlichen Personen-Nahverkehr künftig kostenlos anzubieten. Bislang gibt es das in keiner deutschen Stadt. Kritiker bemängeln, dass ein solches Vorhaben nicht bezahlbar wäre. 

Allerdings gibt es einige Pilotprojekte in der Bundesrepublik, die das Gegenteil beweisen wollen. Vorreiter ist dabei Tübingen in Baden-Württemberg.

Wie das System in der Uni-Stadt funktionieren soll, auf den Punkt gebracht. 

Die Ausgangssituation:

► Der Oberbürgermeister von Tübingen, Grünen-Politiker Boris Palmer, ist ein erklärter Befürworter eines kostenlosen Nahverkehrs. 

► Bereits seit 2011 wird in der 87.000-Einwohner-Stadt diskutiert, den städtischen Nahverkehr kostenlos anzubieten. 

► Laut einer Beschlussvorlage vom April 2017 schätzt die Stadt den Finanzierungsaufwand für einen Nulltarif auf 14,5 Millionen Euro pro Jahr.

Das aktuelle Vorhaben

► Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte hat sich Palmer mit einem Brief an Umweltministerin Barbara Hendricks, Verkehrsminister Christian Schmidt und Finanzminister Peter Altmaier gewandt.

► Als einzige Stadt Deutschlands könne Tübingen “ein fertiges, vom Gemeinderat intensiv diskutiertes Konzept für kostenlosen Nahverkehr” vorweisen, erklärt Palmer (eine Präsentation dazu findet sich hier).

► Palmer will eine Mobilitätsgarantie im Stadtgebiet einführen: maximal 300 Meter zur nächsten Bushaltestelle; von dort soll mindestens alle halbe Stunde ein Bus abfahren. Zudem sollen die Hauptlinien im Stadtgebiet auf einen
Zehn‐Minuten‐Takt verdichtet werden.

► Finanziert werden soll das Vorhaben vor allem über eine Nahverkehrsabgabe – also eine Pauschale, die alle Bürger der Stadt zahlen würden. Aus Sicht von Palmer sei alles nur “eine reine Umfinanzierung”.

► Die Abgabe würde in Tübingen etwa 15 Euro pro Monat und Kopf betragen.

Die Folgen

► Bereits seit vergangenem Wochenende können die Einwohner Tübingens von Freitag Mitternacht bis Sonntagmorgen alle Busse im Stadtgebiet kostenfrei nutzen.

► Das Angebot läuft erst einmal unbegrenzt, im Sommer soll Bilanz gezogen werden.

► Bei einem vollständig entfallenen Fahrpreis rechnet Tübingen mit einem Drittel mehr Fahrgästen.

► Aus Sicht von Palmer fehlt bisher allein die Rechtsgrundlage für die Finanzierung durch die Nahverkehrsabgabe. Der Grünen-Politiker hat deshalb die Bundesminister zum Handeln aufgefordert.

Auf den Punkt gebracht

Bei den Überlegungen zur Einführung eines kostenlosen Nahverkehrs nimmt Tübingen eine Schlüsselrolle ein – denn in der Uni-Stadt ist das Konzept so weit wie in keiner anderen deutschen Kommune vorangeschritten.

(ll)